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Aus der Stadt Lehrer war schon seit 18 Jahren aktenkundig
Hannover Aus der Stadt Lehrer war schon seit 18 Jahren aktenkundig
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13:40 27.09.2011
Bereits 1993 ist der inzwischen pensionierte Grundschullehrer, der sich seinerzeit im Klassenzimmer an mindestens zwei Mädchen vergriffen haben soll, bei den Ämtern aktenkundig geworden.
Bereits 1993 ist der inzwischen pensionierte Grundschullehrer, der sich seinerzeit im Klassenzimmer an mindestens zwei Mädchen vergriffen haben soll, bei den Ämtern aktenkundig geworden. Quelle: dpa
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Hannover

Laut eines 18 Jahre alten Vermerks in den Archiven der niedersächsischen Landesschulbehörde wurde der heute 57-jährige Pädagoge aus Hannover damals von zwei Elternpaaren bezichtigt, „Distanzverletzungen“ im Umgang mit deren Töchtern begangen zu haben. Das hat Behördensprecherin Susanne Strätz eingeräumt. Sie wies zugleich Vorwürfe zurück, die Schulaufsicht sei in dem Fall zu spät tätig geworden.

Wie die HAZ berichtete, muss sich der Lehrer vom 4. Oktober an vor dem Amtsgericht verantworten. Ihm wird zur Last gelegt, Anfang der neunziger Jahre in 144 Fällen sexuellen Missbrauch an zwei damals sieben- und achtjährigen Mädchen begangen zu haben. Während des Unterrichts soll er sie auf den Schoß genommen sowie am Oberkörper gestreichelt und gekniffen haben. Die heute 27 und 28 Jahre alten Frauen erstatteten aber erst im April 2010 Strafanzeige – kurz vor der Verjährung der Delikte.

Dass der Lehrer danach noch bis zu den Sommerferien 2011 an der hannoverschen Grundschule unterrichten durfte, hat die Landtagsopposition von SPD, Grünen und den Linken auf den Plan gerufen. Die Fraktionen forderten übereinstimmend Aufklärung von Kultusminister Bernd Althusmann (CDU) im Kultusausschuss des Landtags. Das Ministerium nahm keine Stellung und verwies auf die Landesschulbehörde. Sprecherin Strätz erklärte, das Amt habe im September 2010 von der Polizei „auf mündlichem Wege“ Kenntnis über die Strafanzeige gegen den Pädagogen erhalten. Die Verdachtsmomente hätten nach Ansicht der ermittelnden Beamten aber noch nicht für eine Strafverfolgung ausgereicht. Erst nachdem im Juli 2011 eine offizielle Mitteilung der Staatsanwaltschaft bei der Schulbehörde eingegangen sei, habe man aktiv werden können: „Wir haben dann sofort ein Disziplinarverfahren eingeleitet.“ Seiner Suspendierung kam der Beamte zuvor – er wollte aus gesundheitlichen Gründen vorzeitig aus dem Schuldienst entlassen werden.

Auch dafür, dass der Lehrer seit dem Aktenvermerk von 1993 unbehelligt weiter unterrichten konnte, hat Strätz eine Erklärung. Damals habe es keine konkreten Hinweise auf Missbrauch gegeben. Gleichwohl wurde der Pädagoge an eine andere Grundschule versetzt. Der damalige Schulleiter und seine Nachfolgerin, die noch heute im Dienst ist, seien über den Fall informiert gewesen. Nach deren Auskunft habe es in den Folgejahren keine Beschwerden mehr über den Lehrer gegeben.

Juliane Kaune

26.09.2011
Conrad von Meding 26.09.2011
Stefanie Kaune 26.09.2011