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Aus der Stadt Lehrerin will mit Kopftuch unterrichten
Hannover Aus der Stadt Lehrerin will mit Kopftuch unterrichten
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00:23 10.10.2014
Von Saskia Döhner
Lehrerin will mit Kopftuch unterrichten - Pädagogen befürchten, dass das muslimische Schülerinnen, die sich von religiösen Vorgaben zu emanzipieren versuchen, unter Druck setzt.
Lehrerin will mit Kopftuch unterrichten - Pädagogen befürchten, dass das muslimische Schülerinnen, die sich von religiösen Vorgaben zu emanzipieren versuchen, unter Druck setzt. Quelle: dpa
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Hannover

Seit Schuljahresbeginn wird an Schulen in und um Hannover erstmals islamischer Religionsunterricht nicht nur für Grundschüler erteilt, sondern auch an weiterführenden Schulen. Dass eine Lehrerin mit Kopftuch unterrichtet, sorgt bei Schulleitern für Diskussionen. Die Pädagogen sind in Sorge, dass das Tragen von Kopftüchern im Unterricht muslimische Schülerinnen, die sich von religiösen Vorgaben zu emanzipieren versuchen, zusätzlich unter Druck setzt.
In Niedersachsen ist Lehrerinnen das Tragen eines Kopftuchs nicht ausdrücklich untersagt. Das Schulgesetz sagt aber, dass durch Äußerlichkeiten nicht der Anschein erweckt werden dürfe, es bestehe keine religiöse Neutralität – das gilt quasi als Verbot. Die Formulierung ist umstritten, die rot-grüne Landesregierung würde sie gerne abschaffen.

Für den islamischen Religionsunterricht gab es an den hannoverschen Gymnasien Herschel- und Lutherschule sowie Helene-Lange-Schule, an der IGS Badenstedt und der IGS Stöcken sowie der KGS Ronnenberg genug Anmeldungen. Die Teilnehmerzahlen schwanken von neun Schülern an der IGS Stöcken bis zu 28 an der IGS Badenstedt. Unterrichtet werden die Schüler von einer Lehrerin mit türkischen Wurzeln, die für eine Doppelstunde an die jeweilige Schule kommt. Andere Fächer unterrichtet sie nicht. Sie legt jedoch Wert darauf, auch in der Schule ihr Kopftuch zu tragen. Ministeriumssprecher Sebastian Schumacher sieht darin keinen Konflikt: „Während des islamischen Religionsunterrichts ist das Tragen eines Kopftuches erlaubt.“

Bei manchen Schulleitern in Hannover stößt die Regelung auf Bedenken. Die Kollegin und ihr Fach seien an der Schule ausdrücklich willkommen, nur das Tragen eines Kopftuches sehe man skeptisch, sagt Rolf Doelle von der IGS Stöcken. Es gebe viele Schülerinnen, die von zu Hause einem großen Druck ausgesetzt seien, ein Kopftuch zu tragen. Wenn jetzt eine Lehrerin als Autoritätsperson ein Kopftuch trage, erhöhe dies den Druck auf die Mädchen noch. Ähnlich äußert sich auch Thomas Bürkner von der IGS Badenstedt: „Das Angebot des islamischen Religionsunterrichts finde ich toll, mit dem Kopftuch habe ich meine Schwierigkeiten.“ Er sagt aber auch, dass die Lehrerin schon gebeutelt genug sei, weil sie an sechs Schulen für jeweils zwei Stunden unterrichten müsse. „Vermutlich ist es auch schwer für das Land, Lehrkräfte für islamische Religion ohne Kopftuch zu finden.“ Das dürfe aber kein Türöffner für Ausnahmen sein. Eine Sonderregel gibt es schon: Weil es der Lehrerin nicht zuzumuten sei, das Kopftuch erst im Klassenzimmer anzulegen, dürfe sie es auch auf dem Weg durch das Schulgebäude tragen, heißt es im Ministerium.

Auch Joachim Buthe, Direktor der Helene-Lange-Schule, hätte es persönlich lieber gesehen, wenn die Lehrerin ohne Kopftuch unterrichten würde. Das Kopftuch sei eben nicht nur ein Ausdruck des Glaubens, sondern werde auch als Symbol für die Unterdrückung der Frau wahrgenommen. Frank Hellberg von der KGS Ronnenberg hingegen hat kein Problem damit, dass die Religionslehrerin ein Kopftuch trägt. Generell begrüße er, dass der Islamunterricht zum Schulfach wird, statt dass Kinder nachmittags oder an Wochenenden möglicherweise von radikalen Muslimen indoktriniert würden. Die Leiter von Herschel- und der Lutherschule wollten sich auf Anfrage der HAZ nicht äußern. Ein Kontakt zu der Lehrerin selbst war nicht möglich.

Kultusministeriumssprecher Schumacher sagt, das Land sei gerade in Verhandlungen mit den muslimischen Verbänden Ditib und Schura und der Alevitischen Gemeinde Deutschlands über einen Staatsvertrag analog zu denen mit den christlichen Kirchen. „Wir haben vereinbart, dass diese Verhandlungen weiterhin vertrauensvoll in den entsprechenden Gremien stattfinden und nicht in der Öffentlichkeit geführt werden.“

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