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Aus der Stadt Lehrter Steuersünder feilscht um Gefängnisstrafe
Hannover Aus der Stadt Lehrter Steuersünder feilscht um Gefängnisstrafe
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08:15 25.02.2011
Von Sonja Fröhlich
Der Prozess gegen Thomas S. wird am 15. März vor den Amtsgericht Hannover fortgesetzt. Quelle: Martin Steiner
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Mit Steuerschulden von einer halben Million Euro soll sich Betrüger Thomas S. nach Brasilien abgesetzt haben. 15 Monate nachdem hannoversche Zielfahnder ihn in Rio de Janeiro aufspürten, saß er am Donnerstag im Amtsgericht Hannover auf der Anklagebank – und feilschte um die Dauer seiner Gefängnisstrafe. Die Staatsanwaltschaft wirft ihm Steuerhinterziehung in 21 Fällen vor, die der Lehrter mit seiner Beratungsfirma Taurus begangen haben soll. Bei einem umfassenden Geständnis stellte ihm Amtsrichter Detlef Süßenbach eine Haftstrafe von insgesamt vier Jahren und einem Monat in Aussicht. Uneinig sind sich Ankläger und Verteidigung jedoch über die Anrechnung der Auslieferungshaft in Brasilien, in der der 45-Jährige ein Jahr lang saß.

In der Region Hannover hatte der Angeklagte einst als selbsternannter Schuldnerberater sein Unwesen getrieben. In 20 Fällen konnte ihm die Staatsanwaltschaft damals eine Straftat nachweisen. 2005 wurde er zu einer 20-monatigen Haftstrafe auf Bewährung verurteilt. Anschließend begann er seine dubiosen Geschäfte erneut, die Ermittlungen wurden aber eingestellt. Als der Haftbefehl wegen Steuerhinterziehung erging, waren S. und seine Frau bereits nach Südamerika ausgewandert. Ein Jahr lang brauchten die südamerikanischen Behörden, um die Auslieferung nach Deutschland zu prüfen.

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Die Haftzeit in Rio hat ihm sichtbar zugesetzt. Einst eine schillernde Erscheinung mit blondgefärbten Haaren und eigenwilligem Modestil erschien der gewichtige Mann am Donnerstag mit zerzausten Haaren, Wollpullover und ausgebeulten Jeans. Wortreich berichtete er von „menschenunwürdigen Bedingungen“ in dem südamerikanischem Gefängnis, von einer 45 Quadratmeter großen Zelle, die er mit 14 Häftlingen, Ratten und Kakerlaken geteilt haben will. Verschimmelte Wände, vergammeltes Essen, beißender Gestank, sogar Morde unter den Insassen sollen normal gewesen sein. Seine Frau habe ihn in dieser Zeit verlassen, zudem trage er Gelenkschäden davon. Zwei Zuschauer, die den Prozess verfolgten, verspürten allerdings wenig Mitleid mit dem Angeklagten: S. und weitere „Schuldnerberater“ hatten sie einst in den endgültigen Ruin getrieben.

Der Prozess wird am 15. März fortgesetzt.

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