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Aus der Stadt Leibniz-Uni Hannover duldet Studenten mit 78 Semestern
Hannover Aus der Stadt Leibniz-Uni Hannover duldet Studenten mit 78 Semestern
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07:49 22.09.2011
Von Juliane Kaune
An der Leibniz Universität Hannover können Langzeitstudenten nicht exmatrikuliert werden. Quelle: Frank Wilde
Hannover

Einen ungewöhnlichen Rekord hält ein Student der Leibniz Universität: Mit 78 Fachsemestern ist er an der hannoverschen Hochschule eingeschrieben – das entspricht einer Zeit von 39 Jahren. Die Spitzenzahl an der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH) liegt bei 63 Semestern. Rechtlich haben die Hochschulen allerdings bisher keine Handhabe, diese ausgeprägten Langzeitstudenten aus den Immatrikulationslisten zu streichen. Dass ein Student allein aufgrund der Studiendauer exmatrikuliert werden darf, sieht das niedersächsische Hochschulgesetz nicht vor.

Bekannt geworden war jüngst ein Fall aus Schleswig-Holstein: Die Uni Lübeck hatte einen Medizinstudenten exmatrikuliert, der seit 48 Semestern eingeschrieben und zweimal in der ärztlichen Vorprüfung gescheitert war. Weil sich die Prüfungsordnung geändert hatte, konnte die Uni ihm keine dritte Chance mehr geben – was ein Gericht bestätigte.

Neben dem Dauerstudenten mit 78 Semestern tauchen in der Statistik der Leibniz-Uni auch Kandidaten mit 65, 61, 59 und 56 Fachsemestern auf. Das seien „absolute Ausreißer“, sagt Sprecherin Jessica Lumme, die die Studiengänge aus Datenschutzgründen nicht nennen will. Von den rund 21 000 Uni-Studenten werden 1272 als Langzeitstudenten geführt – das heißt, sie haben die Regelstudienzeit um mindestens vier Semester überschritten. Der Großteil dieser Studenten belegt bereits die neuen Bachelor- und Masterstudiengänge. Nur noch 176 der Uni-Langzeitstudenten sind in den auslaufenden Diplom- und Magisterstudiengängen eingeschrieben. Laut Uni-Sprecherin Lumme sind etwa 100 von ihnen seit etwa 30 Fachsemestern immatrikuliert.

Finanzielle Vorteile durch Studentenstatus

Über die Motivation der Dauerstudenten kann die Uni nur spekulieren. Möglicherweise wollten sich die Betroffenen Vorzüge des Studentenstatus erhalten, sagt Lumme. So werden Studenten etwa Ermäßigungen bei Krankenversicherung, Telekommunikation oder im öffentlichen Nahverkehr gewährt. Gleichwohl dürfte die Rechnung gerade bei den extremen Langzeitstudenten nicht aufgehen. Denn diese müssen zusätzlich zu den Studiengebühren von 500 Euro pro Semester bis zu 300 Euro sogenannte Langzeitgebühren zahlen.

Grundsätzlich versuche die Uni bei Studenten, bei denen sich die Studienzeiten wegen erkennbarer Probleme mit dem Studium oder finanziellen Schwierigkeiten verlängerten, frühzeitig gegenzusteuern, sagt Lumme. Es gebe etwa einen Ombudsmann, die Psychologisch-Therapeutische Beratungsstelle oder die Sozialberatung des Studentenwerks. Zwar sieht die Rechtslage eine Exmatrikulation aufgrund der Studiendauer nicht vor – gleichwohl könnte es dazu kommen, dass allzu lang Immatrikulierte sich nicht mehr einschreiben dürfen. Noch gibt es in den auslaufenden Studiengängen Übergangsfristen, die den Langzeitstudenten die Prüfungen weiterhin ermöglichen. Je nach Studiengang neigen sich diese Fristen aber in ein bis zwei Jahren dem Ende zu – und danach könnte die Uni die betroffenen Studenten nach einer Einzelfallprüfung auch exmatrikulieren.

An der MHH dürfen die 23 Langzeitstudenten unter den rund 3000 Immatrikulierten laut Gesetz nicht exmatrikuliert werden. Gleichwohl müssen alle, die den im Jahr 2005 eingeführten Modellstudiengang „Hannibal“ studieren, aufgrund einer Sonderregelung die Hochschule verlassen, wenn sie dreimal durch die Prüfung gefallen sind.

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