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Aus der Stadt Leibniz-Uni rehabilitiert entrechtete Professoren
Hannover Aus der Stadt Leibniz-Uni rehabilitiert entrechtete Professoren
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14:12 28.10.2011
Von Juliane Kaune
Aufarbeitung der Vergangenheit: Frauke Steffens und Erich Barke. Quelle: Peters
Hannover

Auf seine Initiative hat der Studentische Rat, das gewählte Gremium aller Studenten, Präsidium und Fakultäten aufgefordert, sechs vom Titelentzug betroffene Professoren umfassend zu rehabilitieren. „Wir werden diesen Prozess schnellstmöglich in würdiger Form einleiten“, sagte Uni-Präsident Prof. Erich Barke.

Barke war am Mittwochabend persönlich zu der Sitzung des Studentenrats gekommen – eine Premiere in seiner seit 2005 laufenden Amtszeit. Auch der Dekan der Philosophischen Fakultät, sein Amtskollege der Fakultät für Mathematik und Physik sowie ein Vertreter der Fakultät für Architektur und Landschaft waren anwesend. In der Sitzung kam es zu einiger Aufregung, weil Sören Wilke, Mitglied des Rats und studentischer Vertreter im Uni-Senat, genau wissen wollte, aus welchen Gründen den Professoren ihre Titel aberkannt worden waren. Wie Teilnehmer berichten, wurde er daraufhin von einem anderen Studenten als „faschistoid“ beschimpft. „Das war ein großes Missverständnis, ich wollte mich nur besser informieren“, sagte Wilke am Donnerstag auf Nachfrage.

Barke erklärte, es solle nun umgehend eine Arbeitsgruppe mit Historikern, Politologen und Rechtswissenschaftlern gebildet werden. Diese werde die von Wäldner untersuchten Fälle analysieren und prüfen, wie eine Rehabilitierung am sinnvollsten umzusetzen sei. So müsse etwa die juristische Frage geklärt werden, ob es möglich sei, verstorbenen Personen einen Titel wieder zuzuerkennen. Ob eine von dem Studentengremium ebenfalls geforderte Gedenktafel für die Entrechteten am Uni-Hauptgebäude angebracht werden kann, müsse mit dem Denkmalschutz geklärt werden.

Barke sicherte zu, die Publikation von Wäldners Masterarbeit zu fördern. Das Werk schließe eine wichtige Lücke in der Aufarbeitung der Hochschulhistorie. Die Geschichte der heutigen Leibniz-Uni in der Zeit zwischen 1933 und 1945 sei bisher nur „relativ knapp“ beleuchtet worden, räumte Barke ein.

Der Uni-Präsident freut sich, dass noch ein weiteres Werk vorliegt, das sich mit der Vergangenheit der Hochschule beschäftigt. Frauke Steffens hat ihre Dissertation über die Zeit der Jahre 1945 bis 1956 veröffentlicht. In der Publikation analysiert sie auch die Entnazifizierungsverfahren der Professoren und deren Rechtfertigungsschreiben an die zuständigen Ausschüsse. Sie hätten sich überwiegend als „technische Akademiker“ bezeichnet, die während der NS-Zeit „unpolitisch geforscht“ hätten, sagte Steffens. Der Nachkriegsrektor Conrad Müller sei bereits in den zwanziger Jahren an der Vertreibung des jüdischen Professors Theodor Lessing beteiligt gewesen. Der renommierte emeritierte Uni-Politologe Prof. Joachim Perels, der Steffens Arbeit als Zweitgutachter betreut hat, lobte diese als „sehr umfassend“.

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