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Aus der Stadt Leinewelle zieht zum Flohmarkt
Hannover Aus der Stadt Leinewelle zieht zum Flohmarkt
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06:41 11.11.2015
So soll die neue Leinewelle aussehen. Quelle: cityfoerster
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Hannover

Wenn es starke Signale gibt in der politischen Landschaft, dann war das gestern eines. Zur Pressekonferenz des Surfprojekts Leinewelle nahmen Oberbürgermeister Stefan Schostok und Stadtbaurat Uwe Bodemann auf dem Podium Platz. Beide stärkten den Initiatoren demonstrativ den Rücken. Schostok sagte, die Kreativität und Kontinuität der Initiatoren verlange ihm „großen Respekt“ ab. Damit hat sich die Rathausspitze so deutlich wie nie zuvor hinter das Projekt gestellt. Am Ende war klar: Bestenfalls in zwei Jahren, wahrscheinlich aber etwas später soll das Freizeitsportprojekt möglichst stehen. 

Heiko Heybey (von links), Sebastian Stern, Stefan Schostok und Uwe Bodemann. Quelle: Thomas

Doch es ging am Dienstag nicht nur um Symbolisches. Die Surfer Heiko Heybey und Sebastian Stern präsentierten neue Pläne, die offenbar auf Anregung der Bauverwaltung entstanden und in vielen Gesprächen gereift sind. Die Leinewelle, künstlicher Hotspot für Wellenreiter in der Altstadt-Leine, soll nun nicht mehr am Landtag direkt unter der alten Wasserkunst gebaut werden, sondern 200 Meter weiter flussabwärts.

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Der Vorteil: Dort ist der Fluss sowieso nur etwa neun Meter breit (fast exakt wie beim Vorbild, der Münchener Eisbachwelle) und wegen der Brücke Schlossstraße zwischen hohen Mauern eingeengt. Dort lassen sich ohne teure Umgestaltungen hohe Fließgeschwindigkeiten erzielen. Und weil die Stadt die alte Flussmauer am Flohmarktparkplatz gerade hat sanieren lassen und einen Treppenabgang für Kanufahrer angelegt hat, seien auch Zugangs- und Haftungsfragen leichter zu lösen, betonen Heybey und Stern. Wer surfen wolle, wate unterhalb der Welle durch den Fluss und betrete die Anlage von einem künstlichen Steg unterhalb des Klostergangs aus. „Kein Passant kann versehentlich in die Welle fallen – da muss man schon aktiv durchs Wasser hingehen“, sagt Heybey.

Neuer Standort für den geplanten Surfspot in Hannover: Die Leinewelle zieht 200 Meter in Richtung Flohmarkt. Das gaben die Initiatoren des Projekts Leinewelle und die Stadt am Dienstag auf einer gemeinsamen Pressekonferenz bekannt.

Oberbürgermeister Schostok verspricht sich eine spürbare Aufwertung des Altstadtufers durch den Freizeitsport. Stadtbaurat Bodemann sagt: „Am Landtag war die notwendige Baumasse viel größer“, am Flohmarkt nutze man „die natürliche Lagegunst.“

Trotzdem sind noch viele Fragen vom Juristischen übers Technische bis zum Finanziellen offen. Nun solle mithilfe von Einzelgutachten so viel Klarheit geschaffen werden, dass das Projekt spätestens im Frühsommer entscheidungsreif sei, sagt Stern. Dann werde auch die Finanzierung mit Sponsorensuche final angegangen. Zuletzt war von rund 1,8 Millionen Euro die Rede, die Initiatoren vermuten, dass es am neuen Standort nicht teurer, aber auch nicht billiger wird. Sponsoren sollen das Projekt finanzieren. Der Rat hat sich fraktionsübergreifend für die Leinewelle ausgesprochen, dabeiallerdings auch klargemacht, dass kein öffentliches Geld zu erwarten sei.

Um bei fast jedem Wasserstand surfen zu können, wollen die Initiatoren eine hydraulisch veränderbare Konstruktion einbauen lassen, die je nach Wassermenge einstellbar und außerdem teilbar sein soll. Ein Teil würde bei Niedrigwasser wie ein Wehr hochfahren, sodass sich dort Wasser staut, der andere Teil die Surfwelle erzeugen. „So können wir sogar schon bei nur drei bis fünf Kubikmeter Wasserdurchfluss surfen“, sagt Heybey. „Auch wenn das dann eher für Anfänger attraktiv ist.“ Betrieben werden soll die Surfwelle wie eine normale Sportanlage: mit Aufsicht und Betreuung. So ließen sich in den Sommerferien etwa Ferienpassaktionen anbieten.

Unklar ist noch, wie mit den Fischen umgegangen werden soll. Der Planung zufolge sollen sie durch einen Durchlass unter der Einstiegsrampe passieren können. Heinz Pyka vom Landessportfischerverband wies darauf hin, dass es wegen einer Verschlechterung der Situation trotzdem Probleme mit dem EU-Recht geben könne. Zudem sei der Abschnitt der Leine derzeit an Angler verpachtet. Es gebe Pläne, dort eine reine Fliegenfischerstrecke zu beantragen. Man müsse „schnell ins Gespräch kommen“, sagte Pyka. „Ein Gewässerabschnitt kann schließlich nur einmal gegen Bezahlung an eine Institution abgegeben werden.“

Die Leinewelle im Vorher-Nachhervergleich. Bewegen Sie die Pfeile nach links und rechts zum Vergleichen der beiden Ansichten.

med

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