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Aus der Stadt Lernen wie Kleinkinder
Hannover Aus der Stadt Lernen wie Kleinkinder
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00:16 20.04.2015
HAZ Expertenforum mit dem Hirnforscher Prof. Dr. Gerald Hüther.
HAZ Expertenforum mit dem Hirnforscher Prof. Dr. Gerald Hüther. Quelle: Philipp von Ditfurth
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Hannover

Der Neurobiologe Dr. Gerald Hüther hat reichlich Forschungserfahrung am Max-Planck-Institut und Lehrerfahrungen an der Georg-August-Universität Göttingen gesammelt.

Für ihn als Experte der Hirnforschung läge nichts näher, als die Entwicklung des Gehirns technisch zu untersuchen. Dabei sei es aber nicht förderlich, nur in der eigenen Forschungsdisziplin zu denken. Denn in einer Erkenntnis sind sich Hirnforscher längst einig: Das Gehirn kann ein Leben lang Vernetzungen eingehen. „Und doch ist das Hirn kein Muskel.“

Dr. Gerald Hüther spricht beim HAZ-Expertenforum über die Funktionsweise des Hirns und erklärt, wann das Lernen besonders leicht fällt.

Für den immensen Lernerfolg von Kleinkindern macht Hüther vor allem eine Fähigkeit verantwortlich: Begeisterung. Der Lernprozess läuft nämlich genau dann, wenn die emotionalen Zentren im Gehirn aktiviert werden. Lebhaft erklärt Hüther den 200 Zuhörern beim HAZ-Expertenforum, dass bei Kindern die Ausschüttung der Botenstoffe bis zu 100-mal am Tag passiert - „und dann kommt die Erziehung!“ Wenn Kinder zu Objekten von fremden Erwartungen gemacht werden, nimmt die Begeisterung ab. Das Problem der Leistungsgesellschaft, die sich stetig steigende Effizienz als Maßstab für Glück und Erfolg zurechtgelegt hat, sei, dass die Menschen verlernt haben, sich zu begeistern wie Kinder.

Hüther entlässt seine Zuhörer mit einem Appell: Menschen sollen sich gegenseitig begeistern und ermutigen. „So ist es neurologisch möglich, dass ein 85-Jährige Rentner Chinesisch lernt. Doch wie soll ein Gehirn erfolgreich die glücksbedingten Botenstoffe aussenden, wenn der Senior ständig liest, wie unmöglich es ist, in diesem Alter komplexe Sprachen zu lernen?“ Hüther betont die Wichtigkeit der emotionalen Zentren. „Es gibt nur eine Möglichkeit: er verliebt sich in eine Chinesin und zieht mit ihr in ein chinesisches Dorf. Nach sechs Monaten spricht dieser Herr fließend Mandarin!“

Um Begeisterungsfähigkeit geht es auch in Unternehmen. Mitarbeiter und Kunden möchten Produkte, von denen sie überzeugt sind. Doch viele Unternehmen erreichen ihre Kunden kaum, da sie den richtigen Auftritt im Internet und den sozialen Netzwerken verpasst haben. Der Journalist und Autor Tim Cole spricht dazu beim Expertenforum am 30. April. Karten gibt es in den HAZ-Geschäftsstellen und HAZ-Ticketshops für 69,90 Euro.

Von Tim Wermter