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Aus der Stadt „Neuartige Eingriffe verringern die Belastung“
Hannover Aus der Stadt „Neuartige Eingriffe verringern die Belastung“
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00:18 20.11.2014
Prof. Dr. med. Gerhard Hindricks ist einer der Spezialisten, der die Fragen der HAZ-Leser am Telefon beantwortet hat.
Aus dem Takt: Herzspezialisten beantworten Fragen von Lesern während "Herzwochen". Quelle: Symbolbild
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Unter dem Titel „Aus dem Takt“ informieren Herzspezialisten noch bis Dienstag, 30. November, in bundesweit 1200 Vorträgen und Seminaren darüber, wie man Rhythmusstörungen vorbeugt und sie behandelt. Lesen Sie hier, welche Fragen die HAZ-Leser am Telefon stellten und was die Experten, darunter Prof. Dr. med. J. Gummert, Prof. Dr. med. Gerhard Hindricks, Prof. Dr. Johann Bauersachs, Prof. Dr. med. Steffen Massberg und Prof. Dr. med. Stephan Baldus darauf antworteten. 

Ich bin 45 Jahre alt und war jüngst mehrere Wochen an einer Lungenentzündung erkrankt, die ich zum Teil zu Hause kuriert habe. Neuerdings habe ich nun Schmerzen im Bein. Kann das mit meiner Erkrankung zusammenhängen?
Sie sollten sich dringend von einem Arzt untersuchen lassen. Es ist sehr wahrscheinlich, dass sich eine Unterschenkelvenenthrombose entwickelt hat, aus der wiederum eine Lungenembolie entstehen kann. Das sollte dringend abgeklärt werden.

Ich leide unter einer Verengung der Aortenklappe. Welche Prothese ist für mich sinnvoll? Eine mechanische oder eine biologische?
Bei Menschen, die älter als 65 Jahren sind, ist tatsächlich eine biologische Aortenklappe zu empfehlen. Das hat den Vorteil, dass zusätzlich keine blutgerinnungshemmenden Medikamente eingenommen werden müssen. Viele Patienten zweifeln an den Vorzügen einer biologischen Alternative wegen der Verkalkung. Das ist bei Patienten über 65 Jahre aber nur selten zu befürchten. Der Kalziumstoffwechsel verläuft in diesem Alter bereits langsamer, das bedeutet, dass mit einer Verkalkung nicht so schnell zu rechnen ist. Statistisch gesehen funktioniert eine solche Klappe nach zehn Jahren noch bei 90-95 Prozent der Patienten. Nach 20 Jahren funktioniert noch bei etwa 85 Prozent der Patienten ein solche Prothese. Jüngeren Patienten hingegen ist zu einer mechanischen Aortenklappe zu raten.

Bei mir wurde eine Erweiterung der herznahen Hauptschlagader festgestellt. Nun fürchte ich, dass sie platzen könnte. Kann so etwas passieren?
Das Risiko ist abhängig vom Durchmesser der Hauptschlagader. Meistens leiden Patienten mit einem solchen Befund unter keinerlei Symptomen. Wichtig ist, dass der Blutdruck optimal eingestellt ist, damit sich die Hauptschlagader nicht noch mehr erweitert. Natürlich sollte der behandelnde Arzt die Erweiterung regelmäßig kontrollieren. Auch die Blutdrucktherapie sollte stimmen. Die Notwendigkeit zu einer Operation besteht normalerweise erst, wenn die Hauptschlagader auf einen Durchmesser von 55 Zentimetern und mehr erweitert ist. Dann ist das Risiko der Operation geringer als das Risiko des Platzens.

Kann ich mit der Diagnose Vorhofflimmern überhaupt noch Sport treiben? Oder ist das zu riskant?
Sport ist sogar eine Möglichkeit, die Fitness des Körpers bei einer solchen Diagnose zu steigern. Es gibt Patienten, die im Alter von 80 Jahren und mit Vorhofflimmern noch bis zu 100 Kilometer täglich Rad fahren. Wenn der Puls nicht zu schnell und der Blutdruck nicht zu hoch sind, spricht nichts dagegen. Sport ist ein wichtiges Mittel um besser und länger zu leben. Natürlich sollten Herzpatienten ihr Sportprogramm zunächst mit dem behandelnden Arzt besprechen und am besten gemeinsam einen entsprechenden Plan aufstellen.

Ich leide unter Bluthochdruck und nehme bereits Medikamente dagegen ein. Trotzdem liegt mein Blutdruck oft bei Werten von 160 systolisch. Was kann ich noch tun?
Bluthochdruck ist einer der Hauptrisikofaktoren für Schlaganfall und Herzschwäche. Leider wird dieser oftmals nicht ausreichend behandelt. Dabei gibt es viele Möglichkeiten – und sehr wenige Menschen, bei denen sich ein hoher Blutdruck nicht herunterregeln lässt. Ein hoher Blutdruck lässt sich etwa mit der Kombination mehrerer Medikamente einstellen. Sollte ein Wert häufig über 160 liegen, muss die Therapie entsprechend angepasst werden.

Bei mir wurde vor Jahren eine Angina Pectoris (Brustenge/Herzschmerz) diagnostiziert und auch ein Stent gesetzt. Was kann ich tun, wenn ich trotzdem Schmerzen in der Brust mit Ausstrahlung bis in den linken Arm habe?
In einem solchen Fall sollten Patienten unbedingt ihren Arzt aufsuchen. Wahrscheinlich wird eine Herzkatheter-Untersuchung sinnvoll sein, mithilfe derer ermittelt werden kann, ob es erneute Verengungen der Herzkranzgefäße oder im Stent gibt. Bei einem solchen Befund würde bei diesem Eingriff gegebenenfalls ein weiterer Stent gesetzt oder die Gefäße müssten geweitet werden. Möglich ist aber auch, dass der Blutdruck nicht optimal eingestellt ist. Das kann nur eine individuelle Untersuchung klären.

Aortenklappenstenosen werden nicht mehr unbedingt operiert, sondern mit einer kathetergestützten Therapie behandelt. Was ist der Vorteil daran?
Sogenannte kathertergestützte Klappen werden seit etwa zehn Jahren implantiert. In Deutschland hat man auf dem Gebiet bereits sehr gute Erfahrungen gemacht und eine sehr niedrige Komplikationsrate bei diesem System, das haben zuletzt auch vier große Studien noch einmal belegt. Grundsätzlich ist insbesondere älteren Patienten mit Aortenstenose zu einer solchen Therapie zu raten, unabhängig vom Alter aber auch Patienten mit hohem Operationsrisiko. Anders als bei einer OP kann dieser Eingriff unter lokaler Betäubung erfolgen. Die neuartigen Eingriffe bedeuten eine sehr viel geringere Belastung für den Organismus des Patienten als bei einer Operation. Die Patienten können oft schon nach ein bis zwei Tagen wieder aufstehen und das  Krankenhaus nach wenigen Tagen wieder verlassen.

Fragen und Antworten zur Herzwoche (58 kB)

Wer sich informieren möchte, findet im Internet unter

www.herzstiftung.de/herzwochen.html
unter Angabe der eigenen Postleitzahl einen auf den Wohnort zugeschnittenen Veranstaltungskalender. Außerdem stellt die Deutsche Herzstiftung zahlreiche Broschüren rund um das Thema Herz zum kostenlosen Download oder zum Abruf per Post bereit.

Der aktuelle Ratgeber „Aus dem Takt: Herzrhythmusstörungen heute“ ist für 3 Euro in Briefmarken (Versand) erhältlich bei der Deutschen Herzstiftung, Vogtstraße 50, 60322 Frankfurt am Main, oder unter

www.herzstiftung.de/Herzrhythmusstoerungen-Sonderband.html
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