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Aus der Stadt Letzter Anlauf für das Wasserkraftwerk
Hannover Aus der Stadt Letzter Anlauf für das Wasserkraftwerk
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20:43 22.09.2009
Von Bernd Haase
Die Bürger sind noch skeptisch.
Die Bürger sind noch skeptisch. Quelle: Uwe Dillenberg
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„Ich finde das Projekt hochspannend. Es wird für mich der letzte Versuch sein, in Döhren die Wasserkraftnutzung zu ermöglichen“, sagt der Wirtschafts- und Umweltdezernent Hans Mönninghoff. Bürger und Umweltverbände kündigten allerdings gestern Widerstand an.

An der Döhrener Leineinsel steht eine Staustufe. Bis vor einigen Jahrzehnten wurde dort Wasserkraft genutzt, der Turbinenkanal liegt aber seitdem still. Wiederbelebungsversuche in den vergangenen Jahren scheiterten vor allem an den Anwohnern, die in frühere Vorhaben schon vor Gericht zogen. Zuletzt wollte der Investor Christian Seidel ein 13 Meter hohes Wasserrad installieren. Diese Pläne aber wurden schon aus optischen Gründen verworfen. Andere Geldgeber planten, die Staustufe zu erhöhen, was wiederum Befürchtungen vor Turbinenlärm und feuchten Kellern bei den Bewohnern an der Leine hervorrief.

„Ich bin optimistisch, dass es dieses Mal klappt“, sagt Mönninghoff nun. AUF Eberlein verfolgt einen anderen Ansatz. „Die beiden Turbinen des geplanten Kraftwerks liegen zu einem großen Teil unter Wasser. Dadurch entsteht kein Lärm. Außerdem werden die Aufbauten kleiner und fügen sich besser in die Umgebung ein“, schildert Geschäftsführer Fritz Eberlein. Seine Firma plant das Kraftwerk unterhalb des Brückenhauses und damit an einer anderen Stelle als die Vorgänger. Vorgesehen sind eine Fischtreppe, über die wandernde Fische in den Oberlauf gelangen können, sowie eine Aussichtsplattform für Spaziergänger

Der Bayer Eberlein kennt sich aus mit der Materie. Seine Firma hat sich auf Kleinwasserkraftanlagen spezialisiert. Bisher betreibt sie acht davon in Bayern, Baden-Württemberg sowie an der Werra in Hessen. Mit dem Kraftwerk an der Leineinsel – es wäre nach denen in Herrenhausen und am Schnellen Graben das dritte in Hannover – ließen sich pro Jahr 3000 Megawattstunden Strom erzeugen, der ins öffentliche Netz eingespeist würde. Die Menge entspricht dem Bedarf von 1000 Haushalten.

Mit dem Wasserkraftwerk könnte die Stadt einen Ratsbeschluss umsetzen, der die Klimaschutzsiedlung „In der Rehre“ in Wettbergen betrifft. Dort wird zwar wenig, aber immer noch Energie verbraucht. Sie stammt bisher aus konventionellen Quellen und verursacht damit Kohlendioxidausstoß. Der klimaneutrale Wasserkraftstrom aus Döhren würde das kompensieren, womit die Rehre endgültig eine kohlendioxidfreie Siedlung wäre. Deshalb müssen die künftigen Grundstückskäufer dort auch einen finanziellen Beitrag leisten. Auf den Verkaufspreis werden 1000 Euro aufgeschlagen, die die Bauträger und die Stadt an Eberlein weiterreichen.

Am Dienstag sind die Pläne dem Bezirksrat vorgestellt worden. Nach dem Fahrplan der Stadt soll der Rat spätestens im Dezember einen Grundsatzbeschluss fassen, ob er das Kraftwerk befürwortet oder nicht. Danach müsste ein sogenanntes Planfeststellungsverfahren eingeleitet werden, das die Region führt und bei dem Bedenkenträger ihre Einwände geltend machen können. „Wenn alles in unserem Sinn läuft, könnten wir im Jahr 2012 mit dem Bau beginnen“, sagt Fritz Eberlein.