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Aus der Stadt Linie 10 soll aus der City verschwinden
Hannover Aus der Stadt Linie 10 soll aus der City verschwinden
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21:31 26.03.2012
Eine neue Idee zur Gestaltung der D-Linie bringt wieder Bewegung in die verfahrene Diskussion. Quelle: Rainer Dröse
Hannover

Geht es nach Klaus Scheelhaase, würde jede zweite Stadtbahn zwischen der Innenstadt und den westlichen Stadtteilen Linden, Limmer und Ahlem von der Humboldtstraße in der Calenberger Neustadt aus als Expresslinie die Tunnelstrecke zwischen Waterloo, Markthalle, Kröpcke und Hauptbahnhof nutzen. Die übrigen oberirdischen Fahrten will Scheelhaase nicht am Aegi enden lassen, sondern bereits an einem Hochbahnsteig in der Münzstraße am Steintorplatz. Der Ingenieur plädiert dafür, die Expressfahrten bereits zum Fahrplanwechsel im Dezember anzubieten. „Dann können die Fahrgäste mit den Füßen abstimmen, ob sie diese Lösung annehmen oder nicht.“

Hintergrund ist der andauernde Streit darüber, ob die Linie 10 mit Hochbahnsteigen ausgerüstet wird oder künftig als Niederflurbahn fährt. SPD und Grüne haben ihn nicht lösen können und wollen deshalb eine regionsweite Bürgerbefragung inszenieren. Für beide Varianten hat die Region eine neu zu bauende Trasse über Steintor, Kurt-Schumacher-Straße und Posttunnel zum Raschplatz festgelegt.

Scheelhaases Vorschlag, für den auch Teile der hannoverschen SPD und die Üstra Sympathie hegen, wäre nur mit dem bestehenden Hochflursystem zu verwirklichen. „Einer der Vorteile der Expresslinie ist, dass die Situation für Behinderte oder Eltern mit Kinderwagen sich sofort verbessern würde und nicht erst in sechs Jahren“, sagt der Ingenieur. So lange würde es mindestens dauern, bis eine Neubaustrecke in Betrieb gehen könnte. Die Tunnelstationen sowie einige Haltestellen in Ahlem sind bereits behindertengerecht.

Ohnehin hält der Nahverkehrsexperte nichts von einer oberirdischen Strecke in der Innenstadt. „Städtebauliche Gestaltung und öffentlicher Nahverkehr im Straßenraum stehen sich diametral entgegen“, befindet er. Die City sei durch die vorhandenen Linien im Tunnel und die Busse optimal erschlossen. Besser fände er es, die oberirdisch verkehrenden Bahnen am Steintor enden zu lassen. Ein Bahnsteig samt Umsteigemöglichkeiten zu den Tunnelstrecken ist dort ohnehin vorgesehen, und zwar sowohl in der Hoch- als auch in der Niederflurvariante. „Die Millionenkosten für eine Strecke zwischen Steintor und Raschplatz kann man sparen, zumal sie über Kredite finanziert werden müssten und künftige Generationen belasten.“ Außerdem habe seine Lösung den Vorteil, jederzeit rückgängig gemacht werden zu können.

Im politischen Lager haben sich Teile der hannoverschen SPD rund um den Verkehrsexperten Jürgen Mineur für die Expresslinie ausgesprochen. Die Grünen allerdings plädieren für das Niederflursystem samt Innenstadtstrecke und nennen als Argument unter anderem, dass eine solche Strecke via Sallstraße in die Südstadt verlängert werden könnte. „Dafür ist kein Bedarf, die Südstadt ist über die Stationen an der Hildesheimer Straße erschlossen“, findet Scheelhaase.

Arbeiten legen über Ostern die U-Bahn lahm

Die Üstra rüstet sich für den umfangreichsten Schienenersatzverkehr seit den Zeiten im Vorfeld der Expo. Weil über die Ostertage Gleise und Weichen im Tunnel unter dem Hauptbahnhof erneuert werden müssen, können insgesamt sechs Stadtbahnlinien nicht durch die Innenstadt fahren. Als Ersatz setzt die Üstra Pendelbusse ein. „Wir schätzen, dass etwa 150.000 Fahrgäste davon betroffen sind“, sagt Gunnar Straßburger, Bereichsleiter Stadtbahn bei der Üstra.

Noch mehr wären es gewesen, wenn Fußball-Bundesligist Hannover 96 zu Ostern ein Heimspiel gehabt hätte. „Wir haben aber vor Saisonbeginn mit der Deutschen Fußball-Liga gesprochen und um Berücksichtigung gebeten“, sagt Straßburger. Dem Wunsch sei entsprochen worden.

Die Gleise im Bereich Hauptbahnhof sind seit Inbetriebnahme des Tunnels 1976 nie ausgetauscht worden und deshalb jetzt abgefahren, sagt Straßburger. Für die auf 60 Stunden Arbeit veranschlagte Sanierung sei ein normales Wochenende zu kurz. Deshalb hätten sich nur die Ostertage oder Himmelfahrt angeboten. Zu Himmelfahrt aber plant die Üstra schon größere Gleisbauarbeiten im Bereich der neuen Hochbahnsteige in Herrenhausen und der Nordstadt.

Zwischen Ostersonnabend, 19 Uhr, und Betriebsschluss am Ostermontag entfallen laut Üstra im Tunnelsystem etwa 1600 Fahrten der Linien 1, 2, 3, 7, 8 und 9. Eine davon, nämlich die Linie 9, fährt von der Humboldtstraße aus zu den Gleisen der Linie 10 und dann weiter oberirdisch durch die Innenstadt zum Aegi. Für die anderen der genannten Linien überbrücken Pendelbusse die gesperrten Strecken, wodurch sich die Fahrzeiten verlängern. „Wir sind etwas nervös, denn so eine große Maßnahme hatten wir lange nicht mehr“, sagt Üstra-Vorstand Wilhelm Lindenberg. Vielleicht beruhigt Süßes – jedenfalls will die Üstra über Ostern Schokoladenhasen als Entschädigung an die Kunden verschenken.

Die Linienpläne an Ostern zum Herunterladen:

Bernd Haase und Luisa Padrok

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