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Aus der Stadt Linke in Hannover ist weiter tief gespalten
Hannover Aus der Stadt Linke in Hannover ist weiter tief gespalten
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13:32 16.05.2011
Linken-Ratsherr Luk List.
Linken-Ratsherr Luk List.
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Hannovers Linke setzen im aufkommenden Kommunalwahlkampf ihre seit Monaten praktizierte Selbstzerfleischung fort. Nachdem die Mitglieder jüngst bei ihrem Kreisparteitag knapp gegen den umstrittenen Ratsherren Luk List und für seinen Kollegen Oliver Förste als Kandidaten im erfolgversprechenden Wahlkreis Linden-Limmer votiert hatten, wendet sich die Basis in dem Wahlkreis nun von dem Spitzenkandidaten ab.

Offensichtlich sei eine Mobilisierung der Mitgliedschaft nicht mehr erwünscht, schreibt Frank Pharao, Vorstand der Linken-Basisorganisation (BO), auf deren Internetseite.

Anhaltende Flügelkampf

Hintergrund der neuerlichen Streitigkeiten ist der anhaltende Flügelkampf in der hannoverschen Linken, die sich – wie dereinst die Grünen – grob in Realo- und Fundamentalistenflügel unterteilen lassen. Als Symbolfiguren für die beiden Gruppen gelten auf der einen Seite der Fraktionsvorsitzende in der Regionsversammlung, Jörn Jan Leidecker, und auf der anderen Seite Ratsherr Luk List. Zuletzt hatten Leidecker und seine gemäßigten Mitstreiter aus dem Parteivorstand dafür gesorgt, dass der umstrittene List trotz eines anders lautenden Votums seiner Basisorganisation bei dem Kreisparteitag nicht auf den ersten Listenplatz gewählt wurde.

Damit hat List bei der Kommunalwahl im September deutlich schlechtere Chancen auf eine Wiederwahl in den Rat.

Im Gegenzug sorgte der linke Parteiflügel dafür, dass Leidecker selbst ebenfalls seinen ersten Listenplatz bei der Bewerbung um ein Regionsmandat in der Nordstadt verlor. Die Regionsfraktion wird daher vermutlich in der kommenden Wahlperiode ohne ihren wortgewaltigen Vorsitzenden auskommen müssen, der als Geschäftsführer der Landtagsfraktion überdies bestens in der Partei vernetzt ist. Stattdessen wird Birgit Hundrieser auf dem ersten Listenplatz antreten.

Offiziell wertet Leidecker den knappen Sieg Hundriesers als „Signal für die Stärkung der Frauen in der Partei“ und freut sich über das Ende der Dreifachbelastung, die er mit seinen Jobs bei den Linken und im Vorstand der Niedersächsischen Aids-Hilfe zurzeit noch hat. Tatsächlich aber werten die Genossen seine Niederlage als Retourkutsche der Fraktion um List, der Hundrieser zugerechnet wird. Fest steht damit auch, dass die beschworene Einheit der Partei zur Kommunalwahl kaum zu erreichen sein wird – stattdessen ist sie zerstrittener denn je.

Felix Harbart

Conrad von Meding 15.05.2011
Vivien-Marie Drews 15.05.2011