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Aus der Stadt Astor heißt der neue Luxus
Hannover Aus der Stadt Astor heißt der neue Luxus
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00:24 11.10.2014
Foto: Noch Baustelle: Hans-Joachim Flebbe (links) und Partner Heinz Lochmann stehen dort, wo stilvolle Säle entstehen.
Noch Baustelle: Hans-Joachim Flebbe (links) und Partner Heinz Lochmann stehen dort, wo stilvolle Säle entstehen.  Quelle: Raine Surrey
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Hannover

Nein, er möchte am liebsten niemanden hineingucken lassen in sein Haus. Zu viel sei noch unfertig, kaum ein Saal erkennbar, Gerüste und Kabel und Kreissägen und Arbeiter machen aus dem Inneren des früheren Cinemaxx immer noch eine Baustelle. Keine Spur von Lounges, Ledersesseln und Kronleuchtern im Gebäude. Draußen stehen Container, Absperrgitter und Transporter. Aber Hans-Joachim Flebbe freut sich bei einem seiner Baustellenbesichtigungen dann doch zu sehr über das, was hier in der Nikolaistraße entsteht. Man kann also doch einen Blick hineinwerfen und sehen, wie mithilfe von 8 Millionen Euro aus einem ehemaligen Multiplex-Kino ein künftiges Luxuskino entsteht.

Zunächst aber: Flebbes Kind hat jetzt einen Namen. Astor wird das Filmtheater künftig heißen. Er habe lange gegrübelt, sagt Flebbe, aber dann lag der Name offenkundig doch sehr nahe. Astor, so heißen schon seine Lichtspielhäuser in Berlin, Köln, München und Frankfurt/Main, versehen mit dem Zusatz „Film Lounge“, um schon einmal die Richtung vorzugeben: Ins Kino gehen soll für Filmfreunde wieder zu einem Erlebnis werden. Ohne Stress, Gedränge, ohne subtile Kämpfe mit dem Nachbarn um zu schmale Armlehnen.

Im Oktober 2014 war das ehemalige Cinemaxx an der Nikolaistraße noch eine Baustelle. Ein Rückblick auf die Bauphase.

Die Arbeiten in Hannover sind im Plan, alle Genehmigungen der Stadt inzwischen erteilt. Kommt nichts mehr in die Quere, dann wird das Premium-Kino, das so anders sein soll als die lärmigen Cinemaxx-Häuser, in wenigen Wochen öffnen. Noch vor Weihnachten will Flebbe den Vorhang beiseiteziehen. Und natürlich wird er dabei nicht alleine sein. Geplant ist für diesen ersten Tag ein anständiges Fest mit 1200 Gästen aus Politik und Gesellschaft, wozu auch Filmprominenz zählt.

Das war schon 1991 so, als derselbe Hans-Joachim Flebbe an eben diesem Standort Deutschlands erstes Cinemaxx präsentierte – ein Konzept, von dem er sich vor einigen Jahren verabschiedet hat. Damals kam auch Gerhard Schröder vorbei, der Ministerpräsident, und wenn man Flebbe zuhört, ist etwas auf diesem Niveau in Vorbereitung. Der Film dazu, auf den es bei diesem Großereignis im Dezember vielleicht nicht einmal so sehr ankommt: nach Möglichkeit eine Deutschland-Premiere. Mehr will Flebbe nun wirklich nicht sagen. Verknappung heizt die Spannung an.

Nur dies doch noch: Die gläserne Front des ehemaligen Kinos, versehen mit etlichen Plakaten aktueller Filme, wird komplett neu gestaltet. „Man wird die Fassade nicht wiedererkennen.“ Die Fenster bleiben, aber drumherum wird es Bronze und Anthrazit.

Das Astor in Hannover wird damit laut Hans-Joachim Flebbe das größte Premiumkino in Deutschland. In zehn Sälen finden 2200 Zuschauer Platz. 500 dieser Sitze sind Logen, was bedeutet: Bedienung am Platz, Garderobe, Begrüßungsgetränk, Liegesessel mit einer Beinfreiheit von 1,80 Meter. Auf den günstigeren Plätzen sind es 45 Zentimeter weniger. Weil Zentimeter Qualität bedeuten, ähnlich wie im Flugzeug, sagt Flebbe noch dazu, wie es im Cinemaxx war: „1,20 Meter.“ Zur guten technischen Ausstattung zählen 3-D-Technik und ein Dolby- 7.1.-Soundsystem, „3-D – für die Ohren“. LED-Lampen tauchen jeden Saal in sein besonderes und stimmungsvolles Licht. Flebbe zielt auf ein Publikum deutlich über 30, 40 Jahre, das gehaltvolle Filme in Ruhe sehen möchte – im Saal, aber auch vor und nach den Vorstellungen. Draußen vor der Tür wird stehen, was der Unternehmer einen „Doorman“ nennt. Der Türsteher hat nichts mit den Männern zu tun, die vor Diskotheken das Publikum selektieren, sondern er begrüßt die Gäste.

So ein Angebot hat seinen Preis. Flebbe hat mittlerweile die Tickets kalkuliert. Die günstigsten Plätze werden für 9,50 Euro zu haben sein, die Logen kosten bis zu 14,50 Euro. Flebbe und sein Stuttgarter Partner Heinz Lochmann glauben nicht, dass diese Summen – für dieses Eintrittsgeld gibt es kaum eine Halbzeit eines Hannover 96-Spiels – Besucher abhalten. „In den anderen Städten war das nie ein Problem“, sagt Flebbe. Die Partner kalkulieren mit 600.000 Kinogängern pro Jahr. Der Hannover-Kenner ist sicher, dass es klappt, „vom ersten Tag an“. Das Cinemaxx habe in seinen besten Jahren 1,8 Millionen Besucher gehabt, Potenzial für künftige Kinogänger, die mit zunehmendem Alter Lust auf das Astor haben könnten. Flebbe und Lochmann glauben, dass ein Kinoabend Zukunft hat, wenn er zum Ereignis wird. Trotz Internet, DVDs, Streamingdiensten und sonstigen bildgebenden Verfahren.

Am Mittwoch, bei seiner Baustellenvisite, ist Flebbe noch einmal klar geworden, wie sehr er mit dem Gebäude verbunden ist. Jede Schraube kennt er hier, nicht, weil ihm das Gebäude gehört, sondern weil er zu Beginn der neunziger Jahre den Innenraum des damals einzigartigen Cinemaxx entwarf. Damals wie heute mit dem Architekten Heinz-Jürgen Schumacher – nur dass jetzt eine der Aufgaben darin besteht, 1000 Sitzplätze herauszuwerfen. Es geht darum, Raum zu schaffen statt Raum zu vernichten. Flebbe ersetzt also ein Kinokonzept durch das andere. Der Gedanke gefällt dem Unternehmer. „Es ist schon schön, am Ende der Karriere zurückzufinden.“

Zur Person

Hans-Joachim Flebbe, 63, ist gebürtiger Hannoveraner. Wer will, kann den Beginn seiner Unternehmerkarriere zurückdatieren auf den Tag, als er als kleiner Junge das erste Mal ins Kino ging. Im „Riki“ in Ricklingen sah er die „Glenn Miller Story“.

Der kleine Hans-Joachim war schwer beeindruckt, weil er glaubte, auf der Leinwand spielten echte Menschen. Mit Anfang 20 wurde Flebbe Programmchef des alternativen Apollo-Kinos in Linden, 1977 eröffnete er die Raschplatz-Kinos. Er war einer von drei Gründern der Cinemaxx-Kette, das erste Haus eröffnete 1991 in Hannover.

Die Multiplexe wurden zum Erfolg, mit bis zu 40 Häusern und 90.000 Sitzplätzen. 2008 schied Hans-Joachim Flebbe im Streit bei Cinemaxx aus. Er begann, Luxuskinos zu betreiben, sogenannte „Film Lounges“.

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