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Aus der Stadt Luxusvilla statt neuer Kita: Der Protest wächst
Hannover Aus der Stadt Luxusvilla statt neuer Kita: Der Protest wächst
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00:18 19.06.2015
Von Andreas Schinkel
Der Entwurf für die „Villa Zeppelin“ steht, für eine Kita wäre an dieser Stelle – laut Stadt – zu wenig Platz.Illustration: RTW
Der Entwurf für die „Villa Zeppelin“ steht, für eine Kita wäre an dieser Stelle – laut Stadt – zu wenig Platz. Quelle: Fotos/Visualisierung: Link/RTW
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Üblicherweise werden Wohnungsbauprojekte von den Stadtteilgremien durchgewinkt, allenfalls kleinere Änderungswünsche geäußert. Jetzt leistet der Bezirksrat erbitterten Widerstand, weil er meint, dass es im Zooviertel schon genug Luxuswohnungen gebe und eine Kita oder eine Flüchtlingsunterkunft sinnvoller wäre.

Zudem fühlen sich die Politiker übergangen. „Es ist eine Frechheit, dass uns die Verwaltung erst jetzt informiert, obwohl wir schon lange diskutieren, wie das Grundstück genutzt werden kann“, sagt Bezirksbürgermeister Michael Sandow (SPD). Das letzte Wort hat jedoch der Rat. Die Vertreter der rot-grünen Mehrheit geben sich überrascht. „Wir müssen die Alternativen für das Grundstück prüfen“, sagt Grünen-Wirtschaftsexpertin Elisabeth Clausen-Muradian. Auch sei zu überlegen, welche rechtlichen Konsequenzen sich ergeben, wenn der Rat gegen den Verkauf stimmte.

Die Baupläne für das rund 800 Quadratmeter große Grundstück sind bereits weit fortgeschritten. Die Stadt hatte die Fläche ausgeschrieben und sich für den hannoverschen Projektentwickler Leinekontor GmbH entschieden. Nach Informationen der HAZ ist die Firma bereit, gut eine Million Euro für das Grundstück zu bezahlen. Auch ein Architektenwettbewerb hat bereits stattgefunden, aus dem das Büro RTW Architekten aus Herrenhausen als Sieger hervorging. Ihr Entwurf sieht eine Stadtvilla mit sieben Wohnungen mit jeweils 100 bis 160 Quadratmetern vor. Die „Villa Zeppelin“ verfügt über einen Aufzug, Tiefgarage und eine Elektro-Tankstelle. Rund 5 Millionen Euro soll der Bau kosten. Die Wohnungen seien „sehr exklusiv und sehr hochpreisig“, heißt es von Investorenseite.

„Solche Wohnungen haben wir schon genug im Zooviertel“, sagt der Grünen-Fraktionschef im Bezirksrat Mitte, Martin Nebendahl. Bedarf gebe es für anderes, etwa Kita-Plätze und Unterkünfte für Flüchtlinge. Das sieht auch die CDU so. „Wir haben viele hochwertige Neubauwohnungen an der Mars-la-Tour-Straße“, sagt CDU-Bezirksratsfrau Cornelia Kupsch. Einige stünden ohnehin leer. Ihre Beobachtung teilt FDP-Fraktionschef Wilfried Engelke, eine Kindertagesstätte hält er für die bessere Lösung an der Seelhorststraße.

Bereits im vergangenen Jahr hat der Bezirksrat über das Grundstück diskutiert. Die CDU schlug vor, eine Kita zu errichten, die Mehrheit des Bezirksrates stellte sich hinter den Antrag. Doch die Stadt winkte ab, das Gelände sei zu klein für eine Kita mit Außengelände. Im Bezirksrat argwöhnt man jetzt, dass die Begründung vorgeschoben war, weil die Stadt längst andere Pläne hatte, etwa einen lukrativen Grundstücksverkauf.

Noch sind die Verträge nicht unterschrieben, sodass der Stadt zumindest rechtlich nicht vorzuwerfen ist, den Bezirksrat zu spät informiert zu haben. „Wir beteiligen den Bezirksrat jetzt am Verfahren“, heißt es vonseiten der Verwaltung. Die Entscheidung treffe ohnehin der Rat.

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