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Aus der Stadt MHH: Neubau auf der grünen Wiese ist möglich
Hannover Aus der Stadt MHH: Neubau auf der grünen Wiese ist möglich
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00:15 02.07.2017
Von Felix Harbart
„Tun alles, um den Betrieb der MHH aufrechtzuerhalten“: Die Medizinische Hochschule muss dringend saniert werden. Quelle: Uwe Dillenberg
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Hannover

Schnellere Umsetzung, Bau auf der grünen Wiese und eine andere Organisation: Der Landesrechnungshof hat in dieser Woche in einem 57 Seiten starken Papier Vorschläge dazu gemacht, wie aus seiner Sicht die Neugestaltung der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH) vonstatten gehen soll.

Ein neues Labor - neu gebaut und nie genutzt, eine 3,2 Millionen teure Apotheke, viel zu teures Spitzenpersonal. Bei der Medizinischen Hochschule Hannover liegt einiges im Argen. Die wichtigsten Punkte.

Aus der Hochschule selbst ernten die Prüfer dafür im Wesentlichen Zustimmung. „In dem Papier steckt viel Wahres“, sagt MHH-Präsident Prof. Christopher Baum. Der Landtag hat für die Uni-Kliniken in Hannover und Göttingen insgesamt 2,1 Milliarden Euro freigegeben - mehr als eine Milliarde davon soll in die teilweise Neugestaltung der MHH fließen.

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Die Punkte im Einzelnen

  • Zeitliche Umsetzung: Der Landesrechnungshof sieht „dringenden Handlungsbedarf“. Statt eines bisher avisierten Bauzeitraums von 22 Jahren fordert er, dass die Arbeiten innerhalb von zehn Jahren beendet sein sollen. Grund ist der schlechte bauliche Zustand der MHH. „Das ist eine richtige Forderung“, sagt Baum. Man tue alles, um den Betrieb der MHH aufrechtzuerhalten - das aber sei aufwendig und teuer. Probleme, die nur mit hohem Aufwand gelöst werden könnten, gebe es beim Brandschutz, bei Sanitäranlagen, bei der Wasserversorgung, der Energieeffizienz und der Gestaltung der Funktionsräume. „Für die absolute Spitzenmedizin brauchen wir sowieso einen Neubau“, sagt Baum.

Alles Wichtige rund um die MHH

Mehr zur MHH lesen sie hier.

  • Standort: Der Landesrechnungshof regt an, nicht die alten Gebäude der MHH zu sanieren, sondern nebenan am Stadtfelddamm ein neues Krankenhaus zu bauen - mithin auf der grünen Wiese, weshalb er das Modell „Greenfield-Variante“ nennt. Da das am Stadtfelddamm in unmittelbarer Nähe zum MHH-Campus möglich wäre, ist der Vorschlag für Baum eine realistische Option: „Wenn man das hinbekommt und es die wirtschaftlichste Variante darstellt, sind wir komplett ergebnisoffen“, sagt er. Eine Sanierung im Bestand sei stets schwierig, teuer - und aufgrund der Lärmbelastung nicht schön für Patienten und Mitarbeiter.
  • Finanzierung: Die Rechnungsprüfer geben sich in ihrem Bericht beinahe großzügig: Sie befürchten nämlich, dass sich die gute Milliarde, die jedes Haus bekommen soll, eher an den zur Verfügung stehenden Mitteln als am Bedarf orientiere. „Es handelt sich bei der Zahl um einen Schätzwert“, sagt Baum. Entscheidend sei, dass die MHH „eine Funktion erzielen“ müsse. Gleichzeitig sei man bemüht, mit Steuermitteln sorgsam umzugehen und ein solches Budget einzuhalten.
  • Organisation: Zuletzt hat es beim Bauen an der Zusammenarbeit der MHH etwa mit dem zuständigen staatlichen Baumanagement gemangelt. Daher schlägt der Rechnungshof eine sogenannte Mutter-GmbH vor, die die beiden Bauten in Hannover und Göttingen steuern soll. Die Gründung von zwei eigenständigen Baugesellschaften für die beiden Kliniken halten die Finanzexperten für „nicht zielführend“. MHH-Präsident Baum hält die Idee einer engen Zusammenarbeit für richtig - allerdings in zwei getrennten Baugesellschaften.

Die SPD-Landtagsfraktion begrüßte die Vorschläge des Rechnungshofes und wies Kritik der CDU an der Landesregierung zurück: Der Sanierungsstau sei vor allem auch Folge der Untätigkeit der früheren CDU-FDP-Landesregierung. Sie habe es auch versäumt, für vernünftige Strukturen bei der Durchführung von Baumaßnahmen zu sorgen.

Uni-Kliniken fordern mehr Geld

Die MHH kämpft gemeinsam mit anderen Häusern seit Langem um einen sogenannten Systemzuschlag für Universitätskliniken. Die Argumentation: Als sogenannte Supramaximalversorger können sich Uni-Kliniken nicht auf besonders rentable Bereiche spezialisieren. In vielen Fällen sind die Uni-Kliniken der sogenannte Letztversorger – sie bekommen also von anderen Kliniken besonders schwerwiegende Fälle überwiesen. Finanziell bedeutet das: In Kliniken wie der MHH findet eine besonders aufwendige Behandlung statt, an der oft mehrere Disziplinen beteiligt sind und die meist besonders lange dauert.
Bisher waren sie jedoch mit ihrer Forderung nicht erfolgreich – stattdessen erhalten sie oftmals sogar niedrigere Fallpauschalen als andere Häuser. Dabei, so argumentieren die Uni-Kliniken, betreiben sie unter anderem dadurch einen besonderen Aufwand, dass sie viele Methoden erproben und als Erste anwenden. fx