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Aus der Stadt Medizinstudenten lernen in Apotheke
Hannover Aus der Stadt Medizinstudenten lernen in Apotheke
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17:28 20.11.2017
Praktikumsbesuch in der Leibniz Apotheke: Christian Kaiser (20, links) und Hekim Colpin (29), Studenten der Humanmedizin im dritten Studienjahr.  Quelle: Samantha Franson
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Hannover

 Eine Warnung vorweg: Größte, nein allergrößte Vorsicht bei Versuchen, sich selbst mit Medikamenten zu behandeln. Magdalene Linz, Inhaberin der Leibniz-Apotheke, kann dazu eine tragische Geschichte erzählen. Ein Mann verlor seine transplantierte Niere, weil er frei verkäufliches Johanniskraut zu sich nahm. In der Folge schwächte sich dramatisch die Wirkung eines Medikamtes ab, das das Organ schützen soll. „Johanniskraut ist eine der gefährlichsten Sachen“, sagte Linz. Und noch ein Beispiel aus der Praxis. Eine Dame wollte eine Packung Aspirin kaufen, weil es ihr schon öfter geholfen hatte. Man fragte nach in der Apotheke, und es stellte sich heraus: Das Medikament hätte in Wechselwirkung mit anderen Arzneien der Patientin zu lebensbedrohlichen Blutungen führen können. Was Magdalene Linz, die auch Präsidentin der Apothekenkammer Niedersachsen ist, mit solchen Geschichten ihren Gästen sagen will ist: Die Menschen, die in der Apotheke hinterm Tresen stehen, geben nicht einfach Medikamente heraus, die auf einem Zettel stehen. Es geht um Beratungen, die allerdings keine Diagnosen sein dürfen. 

Am Montag sahen sich insgesamt neun Studierende der Humanmedizin in Apotheken in Georgstraße und Marienstraße um. Der Ausflug am Vormittag war Teil eines Programmes, das angehenden Ärzte Einblicke in die berufliche Praxis aus anderen Welten medizinischen Alltaggs geben will, darunter Pflegeheime, Hospize, Sanitätshäuser und eben Apotheken. Hekim Colpan erhoffte sich „einen Blick hinter die Kulissen“, wie auch Christian Kaiser und weitere Kommilitonen. Oder in den Worten von Magdalene Linz: „Mit welchen Problemen schlagen sich die anderen herum?“ Die Besucher erfuhren, dass die Hälfte der verkauften Medikamente ohne Rezept über die Theke gehen. Wenn Ärzte schludern, fehlen auf dem Rezept wichtige Informationen, sei es für Patienten oder Apotheker. Ohne Datum zum Beispiel  ist ein Rezept ungültig. Was die Studierenden noch lernten: Manchmal kommen Testkäufer und erklären im Anschluss, was besser laufen könnte. „Ich weiß nicht“, sagte Linz, „ob es das bei Ärzten auch gibt.“ Oben in der Apotheke mischen Angestellte Cremes an, die Ärzte verschrieben haben, auf das Milligramm hintern Komma. 

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Ob Besucher nach ihrer Umschau in zwei Apothen das Fach noch besser wechseln wollen nach Erkenntnissen vom Montag, ist nicht bekannt. In der Nachbesprechung hieß es, man habe viel gelernt. „Wie man Rezepte richtig ausfüllt“, zum Beispiel. 

Von Gunnar Menkens