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Aus der Stadt „Für Reserven werden wir nicht bezahlt“
Hannover Aus der Stadt „Für Reserven werden wir nicht bezahlt“
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00:15 13.04.2015
Von Mathias Klein
Andreas Tecklenburg vor der Notfallaufnahme der MHH. Quelle: Philipp von Ditfurth
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Hannover

Herr Tecklenburg, die Kliniken in Hannover und im Umland sind häufig überfüllt, in den vergangenen Wochen mussten sogar Notfallpatienten in Krankenhäuser anderer Landkreise verlegt werden. Woran liegt das?
Zum einen leben in Hannover immer mehr Menschen. Zudem wird die Bevölkerung immer älter und benötigt damit auch häufiger medizinische Betreuung. Dazu kommt eine Reduzierung der Notfallsprechstunde der Kassenärztlichen Vereinigung. All diese Faktoren führen dazu, dass die Kliniken voller sind als in früheren Jahren. Außerdem müssen wir Krankenhausmanager uns schützend vor unser Personal stellen und können nicht einfach immer mehr Patienten auf die Stationen schicken. Die Mitarbeiter, vor allem das Pflegepersonal, sind so schon stark belastet.

Kommentar

Ein Kommentar von HAZ-Redakteurin Gabi Stief.

Funktioniert denn die Notfallversorgung in Hannover?
Ja, hier wird jeder versorgt. Dass wir manchmal, wenn alle Betten belegt sind, Patienten nach der ersten Versorgung in andere Kliniken verlegen müssen, ist ganz normal.

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Auch in Krankenhäuser außerhalb der Region?
Das hat tatsächlich eine neue Qualität. Wenn die Betten in Hannover belegt sind, gibt es aber keine andere Möglichkeit. Die Krankenhausplanung geht von einer Bettenauslastung von 85 Prozent aus. Weil am Wochenende aber deutlich weniger Patienten in den Kliniken liegen, ist in der Woche die Auslastung bei nahezu 100 Prozent. Wenn dann zum Beispiel eine Grippewelle dazukommt, sind schlagartig alle Betten voll. Wir werden nicht dafür bezahlt, Reserven vorzuhalten.

Der Chef der Ersatzkassen in Niedersachsen, Jörg Niemann, wirft den Krankenhäusern in Hannover organisatorische Fehler vor.
Was er sagt, ist indiskutabel. Herr Niemann weiß nicht, wie die Routine in einem Krankenhaus abläuft. Deshalb habe ich ihn nach seinen Äußerungen in der HAZ eingeladen, sich bei uns einmal den Betrieb anzuschauen. Leider hat er sich bisher nicht gemeldet.

Er meint, bei einer besseren Organisation wäre die Verlegung einer 84 Jahre alten Frau aus der MHH nach Rinteln in der vergangenen Woche nicht nötig gewesen.
An dem Tag, an dem die Frau nach Rinteln verlegt wurde, hatten wir von unseren 1500 Betten in der MHH im ganzen Hause gerade einmal drei Betten frei. Und es kamen dann noch insgesamt fünf Patienten, die aufgenommen werden mussten. Wir stellen hier niemanden auf den Flur, also kümmern sich die Kollegen um eine Verlegung.

Gibt es also in Hannover zu wenig Krankenhausbetten?
Gemeinsam mit den anderen Krankenhausbetreibern in Hannover haben wir mehrmals darauf hingewiesen, dass das System auf Kante genäht ist. Es kann durchaus sein, dass wir bei der Bettenzahl in Hannover eine Grenze unterschritten haben. Das sieht im ländlichen Bereich von Niedersachsen sicher anders aus.

Was kann man jetzt tun?
Es ist noch nicht klar, wie groß die Zahl der Menschen ist, die nach einer Erstversorgung hier in Hannover in Kliniken außerhalb der Region gebracht werden müssen. Man muss schauen, ob es in diesem Bereich eine Steigerung gibt. Dann müssen aus dem Ergebnis der Beobachtungen die richtigen Schlüsse gezogen werden.

Wenn diese Verlegungen zunehmen, brauchen wir also mehr Krankenhausbetten in der Stadt?
Wenn sich zeigt, dass die Zahl der Verlegungen in die Randgebiete der Region stark zunimmt, kann das bedeuten, dass neue Kapazitäten aufgebaut werden müssen. Das können und müssen aber nicht unbedingt Krankenhausbetten sein. Wir haben immer wieder Probleme, Patienten zu entlassen, weil sie nicht direkt nach Hause können, sondern einen Pflegeplatz brauchen. Grundsätzlich gehe ich davon aus, dass Hannover ausreichend Krankenhausbetten hat, allerdings werden sich in den nächsten Jahren die Bedarfe in den Fachrichtungen verändern. Das wird anzupassen sein.

Interview: Mathias Klein

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