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Aus der Stadt MHH hilft Pädophilen – bevor sie zu Tätern werden
Hannover Aus der Stadt MHH hilft Pädophilen – bevor sie zu Tätern werden
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06:16 17.03.2012
Von Sonja Fröhlich
Haupteingang der Medizinischen Hochschule Hannover. Quelle: Martin Steiner
Hannover

Eine Werbung in einem hannoverschen Kino, irgendwo zwischen der für einen Frisör und einen Fahrradladen: In der Stadtbahn sitzt ein Mann, eine attraktive Frau steigt ein, mit ihrem kleinen Sohn an der Hand. Die Frau lächelt dem Mann zu. Sein Herz fängt an zu klopfen. Aber nicht wegen der Frau. Sondern wegen des kleinen blonden Jungen. "Lieben Sie Kinder mehr, als Ihnen lieb ist?", fragt eine Stimme aus dem Off. "Es gibt Hilfe: www.kein-taeter-werden.de".

Die Kampagne ist Teil eines weltweit einzigartigen Projekts, das am Mittwoch auch an der Medizinischen Hochschule Hannover startete. "Kein Täter werden" richtet sich an Männer mit pädophiler Neigung, die befürchten, für Kinder gefährlich zu werden. "Es ist wichtig, dass wir diese Gruppe erreichen, bevor es zu Taten kommt", sagt Prof. Uwe Hartmann, Leiter des Arbeitsbereichs Klinische Psychologie und Sexualmedizin an der MHH. Das Projekt, das von der Opferschutzorganisation Hänsel+Gretel unterstützt und vom Niedersächsischen Sozialministerium mit insgesamt 360000 Euro für drei Jahre finanziert wird, folgt damit dem Pilotprojekt der Berliner Charité; auch in Kiel, Regensburg und Leipzig wird es mittlerweile angeboten. Allein an der Charité hatten sich seit Beginn im Jahr 2005 rund 1500 Männer gemeldet, die auf das Kind bezogene Fantasien haben. Etwa die Hälfte von ihnen wohnten weiter als 100 Kilometer entfernt, gut jeder Zehnte kommt aus Niedersachsen oder Bremen. "Deshalb ist es wichtig, dass wir flächendeckende Angebote haben", sagt Hartmann. Die einjährige Gruppen- oder Einzeltherapie ist freiwillig, anonym und kostenlos. Wobei am Ende keine Heilung steht: "Wir können diese Neigung nicht wegtherapieren. Pädophilie ist eine chronische Krankheit, ein Schicksal." In der Ambulanz könnten Betroffene aber lernen, Gefahren in konkreten Situationen zu erkennen und ihr Verhalten vollständig zu kontrollieren, sagt Prof. Klaus M. Beier, Sprecher des Präventionsnetzwerks Dunkelfeld, zu dem das Projekt gehört. Zusätzlich könnten Medikamente verabreicht werden, die sexuelle Impulse schwächen.

Laut Statistik kommen jährlich etwa 12000 Fälle von Kindesmissbrauch zur Anklage; die Dunkelziffer wird auf das Fünffache dessen geschätzt. Die Wissenschaft geht davon aus, dass rund ein Prozent der Männer in Deutschland eine solche Neigung hat. "Das ist keine kleine Gruppe", mahnt Beier. In Berlin hat er die Erfahrung gemacht, dass es "alle sozialen Gesellschaftsschichten betrifft", vom Zahnarzt über den Grundschullehrer bis zum Hilfsarbeiter - vielfach mit eigenen Familien. "Das sind keine Menschen von einem anderen Stern", sagt Beier. Dabei sei nicht jeder Pädophile ein Kinderschänder - oder umgekehrt. Bei Pädophilen gebe aber einen "großen Risikofaktor", dass Fantasien zu Handlungen werden.

Voraussetzung für die Teilnahme am MHH-Projekt ist, dass die Männer nicht strafrechtlich erfasst sind. "Doch selbst bei Tätern unterliegen wir einer absoluten Schweigepflicht", sagt Prof. Beier. Die MHH rechnet vorerst mit 50 bis 100 Teilnehmern. Die Klinik hofft, einen Großteil über die Werbekampagne, die von der Volkswagenstiftung finanziert wird, zu erreichen.

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