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Aus der Stadt MHH muss Zahnersatz nicht ersetzen
Hannover Aus der Stadt MHH muss Zahnersatz nicht ersetzen
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19:38 27.03.2015
Von Michael Zgoll
Quelle: dpa
Hannover

Doch der Ehemann einer im Alter von 57 Jahren verstorbenen Frau biss bei Richterin Astrid Schanze auf Granit. Gestern wies sie den Schadenersatzanspruch des Witwers von 3033,36 Euro gegen die Medizinische Hochschule Hannover (MHH) zurück.

Der Mann hatte sich intensiv um seine kranke Frau gekümmert. Doch alle ärztliche Kunst half nichts - im September 2013 lag sie im Sterben. Weil die Patientin mit einem Schlauch beatmet wurde, nahm ihr ein Pfleger das Gebiss aus dem Mund. Zwei Wochen später starb sie - die Prothese aber war verschollen.

Der Ehemann konnte den Tod seiner Frau kaum verschmerzen. Doch in seiner Not erinnerte er das Gebiss. Immerhin, argumentierte er, habe man den Zahnersatz aus eigener Tasche ohne Kassenzuschuss bezahlt, und nach dem Tod der Frau sei er erbberechtigt. Die Haftpflichtversicherung der MHH sah keine Veranlassung für eine Schadensregulierung.

Wäre die Patientin nicht verstorben, hätte die Klinik wahrscheinlich für den Gebissverlust haften müssen. Doch weil die Prothese - oder eine mögliche Neuanfertigung - keinen Adressaten mehr hatte, schloss sich Richterin Schanze den Argumenten der Versicherung an. Die Prothese sei Teil einer Heilbehandlung, und die sei auf die Frau zugeschnitten gewesen. Ein Gebiss sei demzufolge keine Sache und kein ärztlich verordnetes Hilfsmittel wie beispielsweise ein Rollator oder ein Paar Krücken. „Selbst wenn die Prothese wiedergefunden worden wäre, hätte der Mann ja nichts mit ihr anfangen können“, erläuterte die Richterin. Tatsächlich gibt in der Dritten Welt durchaus einen Markt für gebrauchte Brillen oder Hörgeräte - aber nicht für individuell angepassten Zahnersatz. Ohnehin hätte der der Witwer bestenfalls Anspruch auf den Zeitwert des 2010 gefertigten Zahnersatzes gehabt.

Auch das Amtsgericht Bonn hatte 2012 in einem ähnlichen Fall auf den Wertverlust eines Gebisses hingewiesen. „Selbst wenn der gebrauchten Vollprothese unabhängig vom fehlenden Markt ein materieller Wert beigemessen würde“, hieß es in der Urteilsbegründung, „müsste berücksichtigt werden, dass eine Vollprothese eine Lebensdauer von maximal 15 Jahren hat“. Diese Frage aber stellte sich in Hannover gestern nicht mehr - der Rentner ging leer aus.

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