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Aus der Stadt MHH will Patienten weniger warten lassen
Hannover Aus der Stadt MHH will Patienten weniger warten lassen
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00:22 12.11.2014
Von Mathias Klein
„Mit 50 Euro kann man keine sechsstündige Behandlung durch einen Arzt bezahlen“: Prof. Dr. Axel S. Merseburger mit einem Patienten in der Urologie-Ambulanz der MHH. Quelle: Philipp von Ditfurth
Hannover

Er schaut freundlich, aber ein bisschen genervt ist Ralf Schüler schon. „Ich versuche seit heute Morgen, hier jemanden am Telefon zu erreichen“, sagt der 51-Jährige. Eigentlich geht es nur um einen Termin für seine Frau zur Untersuchung in der ambulanten Kardiologie in der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH). „Jetzt bin ich eben selbst hergekommen, damit wir einen Termin bekommen“, berichtet der Laatzener. Am Telefon komme er nicht durch.

Seine Frau ist am Herzen erkrankt und befindet sich seit Juni in ambulanter Behandlung in der Medizinischen Hochschule. Das heißt, sie kommt regelmäßig in die Klinik und wird von den Herzspezialisten behandelt, genau so, als gehe sie in die Praxis eines niedergelassenen Arztes. Mehr als 170.000 Patienten kommen jedes Jahr in die ambulanten Kliniken der MHH. Das summiert sich auf etwa 400.000 Behandlungen und Beratungsgespräche, weil chronisch kranke Patienten mehrmals im Jahr kommen. 30 Prozent der MHH-Ambulanz-Patienten sind aus der Landeshauptstadt, insgesamt 50 Prozent aus der Region und 80 Prozent aus Niedersachsen.

Unter den Patienten der MHH-Ambulanz sind oftmals Frauen und Männer mit einer langen und schwierigen Krankengeschichte, wie MHH-Vizepräsident Andreas Tecklenburg berichtet, der für die Krankenversorgung zuständig ist. „Die leichten Fälle behalten die niedergelassenen Kollegen in ihrer Praxis“, erläutert Tecklenburg. Und das führt in der MHH zu erheblichen finanziellen Problemen. Denn je schwerer eine Erkrankung ist, desto höher sind meist auch die Behandlungskosten.

Die ambulanten Behandlungen in der MHH brachten allein im vergangenen Jahr ein Defizit von mehr als zehn Millionen Euro, das entspricht einem Drittel des Gesamtdefizits von rund 30 Millionen Euro im vergangenen Jahr. Das negative finanzielle Ergebnis der insgesamt 200 Spezialambulanzen in den 40 Kliniken der MHH liegt vor allem an der geringen Vergütung. Pro Patient bekommt die MHH im Quartal rund 50 Euro, egal wie aufwendig die Behandlung ist.

Der Oberarzt der Urologie, Professor Axel S. Merseburger, nennt als Beispiel eine Blasendruckmessung. Das dauere an drei Terminen jeweils zwei Stunden, berichtet er. Mit 50 Euro könne man aber keine sechsstündige Behandlung durch einen Arzt bezahlen, erläutert Merseburger.

„Wir wollen diese Patienten unbedingt behalten“, stellt Tecklenburg klar. Denn beispielsweise sei es für die Studierenden wichtig, nicht nur die besonders schweren Fälle, sondern auch eher harmlose Erkrankungen kennenzulernen. Aber es gebe ein großes Problem mit der Finanzierung.

Auch die Bundesregierung hat das Problem erkannt. Die Ambulanzen in den Uni-Kliniken sollen besser vergütet werden, so steht es im Koalitionsvertrag von CDU, CSU und SPD. Wie und wann das geschieht, ist allerdings unklar.

Wegen des hohen Defizits der Ambulanzen will die MHH aber nicht länger auf ein neues Gesetz aus Berlin warten: Sogenannte Change-Teams suchen derzeit nach Möglichkeiten, wie die Arbeit in den einzelnen Ambulanzen verbessert, die Qualität und die Zufriedenheit von Patienten und Mitarbeitern gesteigert und die Kosten reduziert werden können. „Da geht es manchmal um ganz einfache Dinge“, sagt die Leiterin der MHH-Stabsstelle für ambulante Medizin, Karen Deegener. Dazu gehören zum Beispiel verkürzte Wege, nachdem die Nutzung der Räume verändert worden ist. Merseburger berichtet aber auch von erheblicher Zeitersparnis für Ärzte und Patienten. „Bisher haben wir vor jeder neuen Blasenspiegelung den Patienten wieder über die Risiken aufgeklärt“, erläutert er. Bei der Beratung des Change-Teams wurde festgestellt, dass das nicht mehr nötig ist. „Das spart durchschnittlich jeden Tag einem unserer Ärzte eine Stunde Zeit“, berichtet er. Auch eine bessere Schulung der Mitarbeiter, die die Anrufe der Urologie-Patienten entgegennehmen, ist ein Ergebnis der Verbesserungsberatungen. Den Patienten werde jetzt zunächst einmal empfohlen, sich an einen Urologen zu wenden.

Trotzdem: In der MHH weiß man, dass es noch viel zu tun gibt. Zum Beispiel bei der Wartezeit. Dabei geht es nicht nur um die Wartezeit auf einen Termin, die mehrere Wochen betragen kann. Wenn die Patienten pünktlich gekommen sind und einen Parkplatz an der MHH gefunden haben, müssen sie oftmals wieder warten. In der Lungenklinik reichen die Wartezeiten beispielsweise von fünf Minuten bis zu zwei Stunden. Am Telefon kann es manchmal noch länger dauern. Aber auch daran arbeiten sie in der MHH.

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