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Aus der Stadt Im Zeichen der Nelke
Hannover Aus der Stadt Im Zeichen der Nelke
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00:15 04.05.2015
Von Bernd Haase
Mit Oberbürgermeister Stefan Schostok und IG-Metall-Bezirksleiter Hartmut Meine in der ersten Reihe zogen die Teilnehmer der Mai-Kundgebung durch die Innenstadt von Hannover. Quelle: Michael Thomas
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Hannover

Der frühere VW-Arbeiter Horst Markwort ist ein Veteran, was Maikundgebungen angeht. Man kann das an seinem Hut sehen. Mehrere Dutzend Mainelken stecken an der Kopfbeckung – für jedes Jahr eine. Zuletzt musste sich der 75-Jährige umgewöhnen. Zum zweiten Mal fand die Veranstaltung des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB) nicht mehr wie jahrzehntelang zuvor auf dem Klagesmarkt, sondern auf dem Trammplatz vor dem Neuen Rathaus statt; zum ersten Mal, seit dieser neu gestaltet worden ist. „Für mich ist das eine 
große Umstellung, aber dieser Ort ist ein würdiger Rahmen“, sagt Markwort.

Damit hat er die Stimmung unter den Besuchern getroffen. „Ich bin ein alter Klagesmarkt-Fan, habe dort als Sechsjähriger auf den Schultern meines Vaters den Reden zugehört“, sagt der frühere Verdi-Sekretär Jörg Hempel. Aber dass sich Arbeiter an einem wichtigen Platz wie dem vor dem Rathaus versammeln dürften, sei eine tolle Sache.     

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Die Kundgebung zum 1. Mai in Hannover.

Die Kundgebung ist vieles zugleich: Arbeitertreffen, Volksfest, Ausflugsziel für Familien, Informationsbörse mit vielen Ständen, Musikfestival, Ausstellungsfläche für Transparente aller Art und natürlich auch der Ort politischer Reden. Begonnen hatte die Veranstaltung unter dem Motto „Die Arbeit der Zukunft gestalten wir“ mit einem Demonstrationszug vom Freizeitheim Linden in die Innenstadt. 4000 Teilnehmer marschierten mit, die Gesamtbesucherzahl auf dem Trammplatz gibt der DGB mit 15 000 an. Hannovers Sozialdemokratie war fast vollzählig angetreten, Oberbürgermeister Stefan Schostok marschierte beim Demonstrationszug in der ersten Reihe. Dafür drängten die Linken mit einem Plakat weit nach vorn in Richtung Bühne, als dort die Reden begannen und die Fotografen Stellung bezogen.

„Die Gewerkschaften prägen unsere Stadt maßgeblich mit“, sagte Schostok, was für den Maifeiertag ganz besonders gilt. Der Oberbürgermeister machte unter anderem die Flüchtlingspolitik zum Thema und forderte mehr Unterstützung vom Bund für die Kommunen. Hartmut Meine, Bezirksleiter der IG Metall für Niedersachsen und Bremen, kritisierte die Rentenpolitik der Regierung, warb für die Wiedereinführung der Vermögenssteuer und für ein höheres Arbeitslosengeld im Hartz-IV-Bereich. Am Ende zitierte er den Schriftsteller Stefan Heim: „Wir stehen für eine Gesellschaft, in der Herz und Verstand mehr zählen als der Ellbogen.“

Besagte Ellbogen brauchte man bei der Maifeier nicht. Die Veranstaltungsfläche war groß genug, auch deshalb, weil im Gegensatz zum vergangenen Jahr der Friedrichswall auf der Rathausseite abgesperrt wurde. Auf der Wiese neben dem Rathaus hatten sich Cora Groos und ihre Mitstreiter von der sozialistischen Jugend Deutschlands, kurz „Die Falken“, mit einem Stand postiert. Ihre plakative Forderung: Luxus für alle. Um sie zu unterstreichen, konnten sich Kinder mit goldener Krone fotografieren lassen. Alex, Marie und Niklas ließen sich nicht zweimal bitten. Familie Reimers hatte sich unterdessen mit Brause, Bier und Bratwurst versorgt. Auch das gehört zu einer anständigen Maikundgebung unbedingt dazu.     

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