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Aus der Stadt Managerschmiede Gisma steht vor der Pleite
Hannover Aus der Stadt Managerschmiede Gisma steht vor der Pleite
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20:55 26.04.2013
Sponsorensuche fehlgeschlagen: Für das Leinehaus in der Goethestraße kann die Gisma offenbar keine Miete mehr zahlen.
Sponsorensuche fehlgeschlagen: Für das Leinehaus in der Goethestraße kann die Gisma offenbar keine Miete mehr zahlen. Quelle: Alexander Körner
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Das Defizit beträgt 1,2 Millionen Euro. „Damit ist die Gisma fertig“, heißt es aus Gremien der Managementschule.

Schon 2008 und 2011 hatte die Gisma so heftige Finanzprobleme, dass eine Schließung bevorstand. Nun ist die Lage erneut ernst: Wie die HAZ erfuhr, hat Gisma-Geschäftsführer Prof. Sonning Bredemeier am vergangenen Montag im Hochschulsenat mehrfach den Gang zum Insolvenzgericht in Aussicht gestellt. Noch hat das Gremium dies nicht beschlossen. Ab Juni kann die Gisma offenbar die Miete für das Leinehaus in der Goethestraße nicht mehr zahlen. Überweisungen an die US-Partneruniversität Purdue werden eingestellt. Bredemeier, erst seit Mitte Februar im Amt, wollte sich nicht zur Finanzsituation äußern, ebenso wie Gisma-Vorstandssprecher Volker Müller, der Hauptgeschäftsführer der Unternehmerverbände Niedersachsen ist. Auch Prof. Erich Barke, Präsident der Leibniz-Uni, die seit 2009 mit der Gisma kooperiert, hielt sich bedeckt. Er gehört ebenfalls zum Gisma-Vorstand.

Für das bevorstehende Ende gibt es mehrere Gründe. Wie es heißt, hat das Land die Auszahlung des jährlichen Zuschusses von 700000 Euro für 2013 gestoppt. Auslöser für den Rückzug ist offenbar eine Deckungslücke von 500000 Euro im Etat der Gisma, der sich neben dem Landeszuschuss aus Sponsorengeld von Firmen und Studiengebühren zusammensetzt. Dem Vorstand der Gisma gelingt es aber seit Jahren nicht, genug Geldgeber aus der Wirtschaft einzuwerben. Auch die Gebühren fließen offenbar nicht in der kalkulierten Höhe - die Kurse sollen kaum zur Hälfte ausgebucht sein.

Am Montag gibt es einen letzten Rettungsversuch. Gisma-Vorstand Müller und einer der Gründungsväter, der frühere RWE-Vorstandschef Jürgen Grossmann, treffen sich mit Ministerpräsident Stephan Weil und Wirtschaftsminister Olaf Lies (beide SPD). Lies sagte der HAZ, das Land stehe zu seiner Finanzierungszusage. „Das ist aber nur die eine Säule der Finanzierung. Den anderen Teil muss die Wirtschaft liefern.“ Im nächsten Jahr würde sich die Finanznot verschärfen: Dann beendet VW sein Engagement bei der Gisma. Bisher zahlt der Wolfsburger Autobauer jährlich 1,2 Millionen Euro - etwa ein Drittel des Jahresetats der Schule.

Soll die Gisma die kommenden Wochen überleben, müssten Müller und Grossmann am Montag neue Sponsoren präsentieren. Mehr Landesgeld soll es nicht geben: Die Haushaltsordnung verbietet es, Geld für Projekte ohne Zukunft auszugeben. Dass das Land den Geldhahn zudreht, dürfte ein deutlicher Hinweis darauf sein, dass die Regierung nicht mehr hinter der Gisma steht. Die Akademie war 1999 gegründet worden, um den Managementnachwuchs für die heimische Wirtschaft auszubilden. Das Land hat sein Engagement stets als regionale Wirtschaftsförderung verstanden. Die etwa 100 Studenten müssen sich laut Lies nicht um ihren Abschluss sorgen: „Wir lassen keinen im Regen stehen.“

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