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Aus der Stadt War es Totschlag oder Notwehr?
Hannover Aus der Stadt War es Totschlag oder Notwehr?
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07:12 10.06.2015
Von Jörn Kießler
Quelle: Christian Elsner
Hannover

Der Besitzer einer Autowerkstatt in Anderten hat in der Nacht zu Dienstag auf drei mutmaßliche Einbrecher geschossen und einen 18-Jährigen getötet. Der junge Mann erlag in einer Klinik seinen schweren Verletzungen, seine angeblichen Komplizen konnten flüchten. Der 40 Jahre alte Hausbesitzer alarmierte daraufhin die Polizei, die ihn wenig später festnahm. Die Staatsanwaltschaft leitete ein Ermittlungsverfahren wegen des Verdachts auf Totschlag ein. Heute soll entschieden werden, ob er in Haft bleibt.

Nach Informationen der Polizei hielt sich Bassam A. gemeinsam mit seiner Lebensgefährtin und einem Kind in dem Haus an der Lehrter Straße auf, in dem sich auch seine Werkstatt befindet. Gegen 1 Uhr hörte der 40-Jährige plötzlich verdächtige Geräusche an der Haustür. Als er daraufhin aus dem Fenster sah, entdeckte er nach eigener Aussage drei Männer vor der Tür, von denen einer eine Waffe bei sich gehabt haben soll. B. holte daraufhin seine Neun-Millimeter-Pistole und ging vor das Haus. Dort feuerte er in Richtung der mutmaßlichen Einbrecher, die daraufhin in unterschiedliche Richtungen flüchteten.

Ein Einbruchsversuch hat einen 18-Jähriger in Hannover-Anderten mit dem Leben bezahlt. Der Hausbesitzer hatte den Täter mit seinen Komplizen erwischt und auf sie geschossen. Der 18-Jährige wurde getroffen und erlag später seinen Verletzungen.

Als die Polizei wenig später am Tatort eintraf, entdeckten die Beamten den 18-Jährigen in der Nähe des etwa 200 Meter entfernten Rewe-Marktes in der Ohefeldstraße. Dorthin hatte er sich geschleppt, nachdem er von einer Kugel in den Oberkörper getroffen worden war. Rettungssanitäter versuchten, den jungen Mann wiederzubeleben, und brachten ihn mit einem Krankenwagen in eine Klinik. Dort starb er jedoch in den frühen Morgenstunden. Die Fahndung nach den zwei Komplizen sowie der Waffe, die die Einbrecher bei sich gehabt haben sollen, blieb erfolglos.

„Wir müssen nun klären, ob tatsächlich eine Notlage bestand“, sagt Oberstaatsanwalt Thomas Klinge. „Objektiv gesehen handelt es sich bisher um Totschlag.“ Dass Bassam A. die Pistole besitzen durfte, steht bereits fest. „Der Hausbesitzer ist Mitglied in einem Sportschützenverein und verfügt über die benötigte Waffenbesitzkarte“, sagt Klinge. In seiner Vernehmung sagte A. aus, dass er diese nur aus Notwehr abfeuerte. „Das ist jedoch ein äußert schwieriger Tatbestand“, sagt Klinge. „Deshalb wollen wir auch ganz genau vorgehen.“ Dafür soll nun A.s Aussage mit den Ergebnissen der Obduktion des Toten sowie den Erkenntnissen der Spurensicherung abgeglichen werden.

„Um den Tatbestand für Notwehr zu erfüllen, muss bewiesen werden, ob die Männer tatsächlich in das Haus einbrechen wollten“, sagt der hannoversche Rechtsanwalt Thomas Mügge. Zudem sei wichtig, ob die Täter noch versuchten, in das Haus zu gelangen, nachdem sie A. entdeckt hatten, und ob sie tatsächlich eine Waffe bei sich hatten. „Gegen den 18-Jährigen, der getötet wurde, liegt bei der Staatsanwaltschaft nichts vor“, sagt Klinge. Allerdings verfügte er offenbar nicht über einen festen Wohnsitz.

Als unbescholten gelten auch Bassam A. und seine Mitarbeitern in der Autowerkstatt. „Das waren durch die Bank weg hilfsbereite und besonnene Menschen“, sagt Brigitte Aurin, Geschäftsführerin des Zahntechniklabors im Nachbarhaus der Werkstatt. Auch Brigitte Stimpfig, die ein paar Häuser weiter wohnt, kann nur Gutes berichten: „Wann immer man hier vorbei kommt, sind die Jungs nett.“

Das besagt der Notwehr-Paragraf 32 StGB

Im deutschen Gesetz ist klar geregelt, welche Rahmenbedingungen für Notwehr gegeben sein müssen. Nur dann wir diese nicht bestraft.

Angriff: Die Person, die sich zur Wehr setzt, muss angegriffen werden. Als Angriff gilt nicht nur eine Attacke auf Leib und Leben sondern auch der Einbruch in eine Wohnung.

Rechtsverstoß: Der Angriff muss rechtswidrig sein. Bricht eine Person in ein Haus ein, um beispielsweise mit dem Telefon einen Rettungswagen für eine verunglückte Person vor der Tür zu rufen, ist der Einbruch nicht rechtswidrig.

Gegenwart: Der Angriff muss gegenwärtig sein. Kommt eine Person nach Hause und sieht, dass in die Wohnung eingebrochen wurde, kann sie nicht die Einbrecher suchen und angreifen. 

Erforderlichkeit: Zudem stellt sich die Frage, ob die Notwehr überhaupt erforderlich war. Überrascht eine Person Einbrecher, die daraufhin flüchten, darf das Einbruchsopfer nicht mehr auf die Täter schießen.

 jki

Wie der Bundesverband der freien Kfz-Händler mitteilte, gebe es seit Jahrzehnten immer wieder Raubüberfälle auf Autohändler. Meist hätten diese dramatische Begleitumstände, sagte der Geschäftsführende Vorstand, Ansgar Klein. Von einer besonderen Zunahme könne derzeit allerdings nicht gesprochen werden.

In Anderten hat ein Hausbesitzer einen 18-Jährigen mutmaßlichen Einbrecher erschossen. Das Geschehen erinnert an zwei ähnliche Fälle in Sittensen und den USA.

Parallelen zu Fall in Sittensen

Der Fall erinnert an Geschehnisse in Sittensen (Kreis Rotenburg-Wümme) im Winter 2010. Damals hatten fünf Jugendliche versucht, einen 77-Jährigen zu berauben. Dem Rentner gelang es, zu einer Pistole zu greifen. Damit erschoss er einen der Räuber – einen 16-Jährigen.

Vier Jahre später wurde der Rentner dafür wegen Totschlags in einem minder schweren Fall zu neun Monaten Haft auf Bewährung verurteilt. Begründung: Der Mann habe die Grenzen der Notwehr überschritten – obwohl er die Schüsse aus Angst um sein Leben abgegeben hatte.

kon

 

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