Menü
Hannoversche Allgemeine | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
Aus der Stadt Mann soll Stieftochter 97-mal missbraucht haben
Hannover Aus der Stadt Mann soll Stieftochter 97-mal missbraucht haben
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
00:27 05.11.2015
Von Mathias Klein
Quelle: Symbolfoto
Anzeige
Hannover

Es sind schwere Vorwürfe, die die Staatsanwaltschaft gegen einen 45-Jährigen erhebt: Hajriz B. soll in Wunstorf und in Neustadt seine Stieftochter zwischen 1997 und 2004 immer wieder sexuell missbraucht haben. Laut Anklage begannen die Verbrechen, als das Mädchen neun Jahre alt war.

Am Montag startete im Landgericht Hannover der Prozess gegen den Mann - bereits in der zweiten Auflage. Im März hatte die Strafkammer schon einmal den Fall gegen den ehemaligen Fahrer von Regiobus verhandelt, damals war Hajriz B. direkt vor der Urteilsverkündung verschwunden. Zuvor hatte er das Gericht noch wissen lassen, dass er in gar keiner Weise einen Schuldspruch akzeptieren werde. Dann setzte er sich nach Mazedonien ab, seine jetzige Ehefrau, die auch aus Mazedonien stammt, ließ er mit den drei Kindern in Hamburg zurück, ohne sich zu melden. Vor Kurzem war er dann wieder aufgetaucht, jetzt wohnt er mit seiner Familie in Neustadt.

Anzeige

In der ersten Auflage des Prozesses hatte die jetzt 26-jährige Stieftochter bereits die Taten geschildert. Sie bestätigte die Angaben, die sie zuvor schon bei der Polizei gemacht hatte. Unter anderem soll er seine Stieftochter auch auf der Rückbank eines Linienbusses missbraucht haben.

Am Montag bestritt Hajriz B. alle Vorwürfe. „Ich habe nichts Schlechtes gemacht“, betonte er. Immer habe er nur das Beste für seine Familie erreichen wollen. Zu der Missbrauchsanzeige sei es nur gekommen, weil er sich mit seiner ehemaligen Frau in einem Sorgerechtsstreit um die gemeinsame, jetzt 13 Jahre alte Tochter befinde, sagte der Angeklagte.

Rund eine Stunde berichtete Hajriz B. am Montag von seinem rast- und ruhelosen Leben in Deutschland. Ständig zogen er und seine ehemalige Frau um, Wunstorf und Neustadt waren die häufigsten Stationen. Und immer wieder wechselte er seinen Arbeitsplatz. Mal betrieb er eine Putzfirma, dann arbeitete er als Kurierfahrer, dann fuhr er für Regiobus. Weil zeitweise auch seine Frau voll berufstätig war, mussten die beiden damals kleinen Kinder oft allein zu Hause bleiben. In der Ehe habe es ab und an Streitereien gegeben, „wie in jeder Ehe“, meinte der Angeklagte. Die Vorsitzende Richterin Renata Bürgel dagegen berichtete von mehreren Aufenthalten der Frau und den Kindern in Frauenhäusern, weil er Frau und Kinder verprügelt habe. „Da ist sie nur hingegangen, damit wir eine bessere Wohnung bekommen“, sagte dagegen Hajriz B.

Sollte es nicht doch noch ein Geständnis geben, müssen die Richter am Ende über die Glaubwürdigkeit der Aussagen von Stieftochter und Stiefvater urteilen. Deshalb wurden Gutachter beauftragt, die die jeweilige Glaubwürdigkeit untermauern sollen. Am Montag versuchte Hajriz B. in seiner Aussage, die Glaubwürdigkeit seiner Stieftochter zu erschüttern. „Wenn sie bei mir war, hat sie schlecht über ihre Mutter geredet, wenn sie bei ihrer Mutter war, hat sie schlecht über mich geredet“, sagte er. Am nächsten Montag sagt seine Tochter aus.

02.11.2015
Andreas Schinkel 05.11.2015
Bernd Haase 05.11.2015