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Aus der Stadt Käßmann und Bedford-Strohm stellen Buch vor
Hannover Aus der Stadt Käßmann und Bedford-Strohm stellen Buch vor
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00:15 11.12.2016
Von Simon Benne
Heinrich Bedford-Strohm und Margot Käßmann in der Neustädter Kirche.
Heinrich Bedford-Strohm und Margot Käßmann in der Neustädter Kirche. In der Mitte: HAZ-Redakteur Michael Berger.  Quelle: Benne
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Hannover

Für sie ist das immer noch ein Heimspiel hier. Hannovers langjährige Landesbischöfin ist in der Stadt beliebt wie eh und je, warmer Applaus brandet schon auf, als Margot Käßmann die Neustädter Hof- und Stadtkirche betritt. Rund 400 Besucher sind gekommen, die Kirche ist voll - zumal Käßmann gemeinsam mit Deutschlands oberstem Protestanten angereist ist, dem EKD-Ratsvorsitzenden Heinrich Bedford-Strohm.

Als Botschafterin des Reformationsjubiläums ist die 58-Jährige gewohnt umtriebig; erst vor ein paar Stunden hat sie öffentlich den Schmuckschuber vorgestellt, den sie für die Lutherbibel 2017 selbst gestaltet hat. Den violett gehaltenen Schuber zieren die Namen biblischer Frauengestalten. Und jetzt ist sie mit Bedford-Strohm in die Neustädter Kirche gekommen, um das gemeinsam verfasste Buch „Die Welt verändern – Was uns der Glaube heute zu sagen hat“ vorzustellen (Aufbau Verlag, 293 Seiten, 22 Euro).

Die Welt verändern. Schon der Titel des Buches taugt zur Provokation. Es ist eine Glaubensfrage, ob man die Haltung, die da anklingt, für hoffnungslos naives Gutmenschentum hält - oder aber für jene visionäre, gestaltende Kraft, die aus dem Glauben erwächst. Schnell machen die Autoren in ihrem gemischten Doppel geistlicher Art klar, dass Spiritualität und gesellschaftliches Engagement für sie untrennbar zusammen gehören.

"Wir leben in einer brennenden Welt", ruft Bedford-Strohm. Und es gehöre zum Zentrum des Glaubens, Menschen mit Empathie zu begegnen: "Aus der Freiheit eines Christenmenschen heraus kann ich mich für andere engagieren", sagt er: "Das ist etwas völlig anderes als der Moralismus, mit dem wir oft durchs Leben gehen."

Das Buch ist ein Plädoyer für handelnden Glauben und glaubwürdiges Handeln. Da passt es, dass die Besucher um eine Spende für die HAZ-Weihnachtshilfe gebeten werden. Aber natürlich geht es auch um Luther - und um seinen Judenhass: "Eine Schuldgeschichte", wie Käßmann auf eine Frage von HAZ-Redakteur Michael B. Berger sagt, der den Abend moderiert. Eine unkritische Heldenverehrung Luthers werde es im Jubiläumsjahr nicht geben: "Wir sind eine lernende Kirche." Sie erinnert an den Widerstand von Christen gegen Diktaturen - und fordert, dass Gläubige sich auch heute in die Politik einmischen sollen."Menschenverachtende Äußerungen sind absolut inakzeptabel", sagt sie mit Blick auf hitzige Debatten um Flüchtlinge: "So verteidigt niemand das christliche Abendland." In der Neustädter Kirche gibt es dafür Szenenapplaus.

Tobias Morchner 08.12.2016
Conrad von Meding 11.12.2016