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Aus der Stadt Das Ende des Brutalismus
Hannover Aus der Stadt Das Ende des Brutalismus
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07:39 30.10.2014
Von Andreas Schinkel
Wie soll das Maritim Grand Hotel in der Innenstadt künftig aussehen? Beton, Glas, Sandstein: Ideen für Fassaden hat es in Hannover in den vergangenen Jahren viele gegeben. Die Fotomontage zeigt, wie das Gebäude am Friedrichswall mit anderer Fassade wirken würde. Quelle: Montage HAZ
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Hannover

Wenn ein Baustil schon Brutalismus heißt, dann schwingt nicht mehr viel Gutes darin mit. Das Maritim Grand Hotel am Friedrichswall ist im Brutalismus gehalten. Und so ist es kein Wunder, dass man sich gegenüber im Neuen Rathaus darüber freut, dass sich ein Investor gefunden hat, der die Möglichkeit einer Neugestaltung eines der hässlichsten Gebäude Hannovers eröffnet. „Eine Modernisierung bietet gute Chancen für die weitere Aufwertung dieses Innenstadtbereichs. Wir werden diese Entwicklung konstruktiv begleiten“, sagt Oberbürgermeister Stefan Schostok (SPD).

Stadt und Investor haben sich darauf verständigt, einen Architektenwettbewerb auszuloben, um den besten Entwurf für eine neue Fassade zu finden. Auch die Ratspolitik frohlockt. „Das ist ein gutes Signal für Hannover“, sagt Bürgermeister Thomas Hermann (SPD), der zu seiner Zeit als Baupolitiker stets für eine Verschönerung des Maritims geworben hatte. Auch die anderen Parteien stimmen in den Lobgesang ein.

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Während man im Rathaus also guter Dinge ist, brechen für die rund 90 Hotelmitarbeiter düstere Zeiten an. „Mit dem Betriebsrat wird in den nächsten Wochen ein Sozialplan erarbeitet“, teilt Gerd Prochaska mit, Geschäftsführer der Maritim Hotelgesellschaft. Alle Auszubildenden können ihre Lehre im Maritim Airport Hotel beenden. „Maritim wird Bewerbungen der betroffenen Mitarbeiter in anderen Häusern der Kette bevorzugen“, sagt Prochaska. Das bedeutet, dass keiner der Maritim-Mitarbeiter am Standort Friedrichswall bleibt, obwohl der neue Eigentümer dort wieder ein Hotel betreiben will. Gedrückt war denn auch die Stimmung, als die Mitarbeiter über das Ende des Maritim Grand Hotels unterrichtet wurden.

Der Verkauf ist unter Dach und Fach, dennoch bleibt vieles im Dunkeln. Abgewickelt wird das Geschäft über die eigens gegründete Friedrichswall GmbH. Deren Geschäftsführer, Andreas Pallushek, hält sich derzeit im Ausland auf und steht für Nachfragen nicht zur Verfügung. Insofern bleibt unklar, wer sich als Geldgeber hinter den Kulissen verbirgt. Durchgesickert ist bisher, dass der Investor nicht in Hannover ansässig ist. Zudem soll das künftige Hotel am Friedrichswall nicht von einer Kette betrieben werden. Auch steht zur Diskussion, das bisherige Hotel mit seinen 265 Zimmern zu verkleinern und mehrere Wohnungen in dem Gebäude unterzubringen.

Fest steht, dass bis Ende Juni 2015 das Maritim in dem Betonbau residiert. Ab 1. Juli 2015 beginnen die Bauarbeiten. Das Haus soll entkernt und vollständig saniert werden. Das weckt Begehrlichkeiten in der Ratspolitik.

Das Maritim-Hotel am Friedrichswall soll saniert werden und dabei möglicherweise eine neue Fassadwe erhalten. Vielleicht lassen sich die Architekten dabei von unseren Fotomontagen inspirieren.

Tatsächlich haben Stadtverwaltung und Rat ein Wörtchen mitzureden, wenn es um die Neugestaltung des Hauses geht. Denn der Stadt Hannover gehört das Hotelgrundstück. Ein Erbpachtvertrag regelt die Nutzung des Areals. Bereits im vergangenen Jahr hatten Stadt und Maritim Hotel darüber verhandelt, die Erbpacht über das Jahr 2023 hinaus zu verlängern, doch man kam nicht überein. „Mit dem neuen Eigentümer sind jetzt Gespräche über eine Verlängerung des Erbpachtvertrags vereinbart“, teilt die Stadt mit. Der Rat muss dem Kontrakt zustimmen und bekommt dadurch die Möglichkeit, Wünsche zu äußern.

„Die Fassade darf nicht losgelöst vom neuen Wohnquartier hinter dem Hotel auf dem Köbelinger Markt betrachtet werden“, sagt SPD-Vertreter Hermann. Daher dürfe es keine ungestaltete Rückseite des Gebäudes geben wie derzeit. Auch die CDU wünscht sich ein „ordentliches Konzept und keine Billiglösung“, wie CDU-Fraktionsvize Jens-Michael Emmelmann sagt. FDP-Fraktionschef Wilfried Engelke schlägt vor, den Landschaftsarchitekten Kamel Louafi einzubinden, der die floralen Mosaiken auf dem künftigen Trammplatz entworfen hat. „Der neue Platz vor dem Rathaus und die Hotelfassade sollten miteinander korrespondieren“, sagt Engelke.

Das Maritim Grand Hotel am Friedrichswall ist verkauft. Zum Jahresende soll der Betrieb enden. Ein Rundgang durch eines der prestigeträchtigsten Hotels in Hannover.

Architekten sehen ganz eigene Lösungen für das Betonbollwerk. „Mit größeren Öffnungen kann man das Gebäude auflockern“, schlägt Bauhistoriker Sid Auffarth vor. Auch mit einem dezenten Farbanstrich ließe sich das Haus verschönern. Einer Glasfassade, wie sie beim neuen Eigentümer im Gespräch war, erteilt Auffarth eine Absage. „Das entspricht nicht dem Gebäude“, sagt er.

Jens Broszeit, wissenschaftlicher Mitarbeiter im Fachbereich Architektur der Leibniz-Uni, will sich auf kein Material festlegen. „Stein oder Glas wären gleichermaßen denkbar“, sagt er. Auch ihm ist daran gelegen, ein Augenmerk auf die Rückseite des Hauses zu legen. „Diese Seite werden die künftigen Bewohner des Köbelinger Marktes stets im Blick haben“, gibt er zu bedenken. Von einer Begrünung der Fassade hält er nichts, schließlich sei der Maschpark gegenüber grün genug. „Man könnte der Fassade neuen Reiz durch farbiges Licht geben“, sagt Broszeit. Ansonsten plädiert er für eine zurückhaltende Gestaltung. „Einen Paradiesvogel wie das Gebäude der Nord LB am Aegi würde ich am Friedrichswall nicht bevorzugen“, sagt er. Ein wesentlicher Makel des Baus sei nur schwer auszubügeln: „Das Haus ist überdimensioniert und wirkt wie aus dem Maßstab gefallen.“

Gekrönte Häupter, Politiker, Show- und Sportstars – die Liste der Prominenten, die sich im Hotel am Friedrichswall im Laufe der Jahre einquartiert haben, ist endlos. In der Regel wahrt das Personal strikte Schweigsamkeit darüber, was in den Luxussuiten so passiert, aber einige Anekdoten sind doch durchgesickert.

Hotels in der Stadt

Neue Hotels scheinen in Hannover wie Pilze aus dem Boden zu schießen. So entsteht auf der Hamburger Allee eine Dependance der Kette Prizeotel, und auch für das Grundstück der Süchtigenhilfe „Fixpunkt“ am Ausgang der Hamburger Allee interessiert sich ein Investor. Bisher hatte sich die Berliner Hotelkette Meininger für das Areal begeistern können.
„Immer mehr Hotelgruppen zieht es nach Hannover“, sagt Hans Nolte, Chef der Hannover Tourismus und Marketing Gesellschaft. Die Ketten würden nicht investieren, wenn sie davon ausgingen, dass der Markt gesättigt sei, meint Nolte. Messen, Kongresse und Geschäfte seien die Hauptgründe für Hotelübernachtungen in der Stadt. „Beim Tourismus können wir noch zulegen“, sagt Nolte. Luft nach oben gebe es in Hannover bei den luxuriösen Hotels, dem Fünf-Sterne-Segment. „Ein solches Hotel würde ich mir im Maritim-Haus am Friedrichswall wünschen“, sagt Nolte.

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