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Aus der Stadt Lebenslange Haft oder Freispruch?
Hannover Aus der Stadt Lebenslange Haft oder Freispruch?
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00:15 23.10.2013
Von Michael Zgoll
Im Prozess gegen Alexander K. fordert die Anklage lebenslange Haft. Quelle: Wallmueller
Hannover

Auch sonst bot der vorletzte Verhandlungstag des Verfahrens vor dem Schwurgericht nochmals einige Dramatik. Bei einer Mitleidsbekundung des Angeklagten an die Angehörigen der getöteten Andrea B. verließ eine ihrer Schwestern empört den Saal. Als Nebenkläger-Anwalt Dirk Baumann Zweifel am vollständigen Wahrheitsgehalt der Aussagen von Camilla W. – der früheren Freundin des Angeklagten – äußerte, bekam diese einen Wutanfall. Nachdem Richter Wolfgang Rosenbusch sie aufgefordert hatte, sich ruhig zu verhalten, verließ auch sie schimpfend den Zuschauerraum.

Die zerstückelte Leiche einer Prostituierten im Maschsee schockte letzten Herbst ganz Hannover: Nun hat das Landgericht das Urteil gefällt.

Für Staatsanwältin Maidie Schenk ist klar, dass K. die 44-jährige Gelegenheitsprostituierte B. am 27. Oktober 2012 in seiner Südstädter Wohnung umgebracht hat. Seine Zufallsbekanntschaft habe sich über seine rechtsradikalen Ansichten lustig gemacht; das sei der Auslöser gewesen, seine schon Jahre schwelenden Tötungsfantasien in die Tat umzusetzen, sein Opfer durch Machetenstiche umzubringen und die Leichenteile später in den Maschsee zu werfen. Sämtliche Beweise sprächen für die Täterschaft des 25-Jährigen. Es liege auch eine besondere Schwere der Schuld vor; K. bereue nichts und sei sogar stolz auf die besondere Widerwärtigkeit der Tat. Da er laut Gutachten eine tickende Zeitbombe sei, müsse er in einem psychiatrischen Krankenhaus untergebracht werden. Eine Sicherungsverwahrung sei jedoch nicht anzuordnen.

Ein Spaziergänger hat am Mittwoch eine Frauenleiche am Nordufer des Maschsees entdeckt.

Camilla W. hatte gestanden, beim Fortschaffen der Leiche geholfen und Geld mit der EC-Karte der Toten abgehoben zu haben. Das Strafverfahren wegen Verstoßes gegen das Bestattungsgesetz und Computerbetrug war aber in Zusammenhang mit anderen Verurteilungen wegen Diebstahls und Verstößen gegen das Betäubungsmittelgesetz eingestellt worden. Nebenkläger-Anwalt Baumann zweifelte die Schuld von K. nicht an, stellte aber die Frage, warum die Ex-Freundin im Maschseemordprozess nicht auch wegen Mittäterschaft oder Beihilfe auf der Anklagebank gesessen habe.

Verteidiger Urs Kobler sagte, K. habe verschiedene Schauergeschichten über das Verbrechen nur erzählt, um sich wichtig zu machen. Die wahre Täterin sei Camilla W., die sich von einem alternden Verehrer ein falsches Alibi verschafft habe. Sollte das Gericht aber doch zu der Ansicht kommen, sein Mandant habe getötet, sei dieser aufgrund seiner krankhaften seelischen Störungen schuldunfähig. K. selbst verwahrte sich dagegen, von seinen gewalttätigen Liedern und Gedichten Rückschlüsse auf die Tat zu ziehen: „Man kann von der Kunst nicht auf den Künstler schließen.“ Er sei vorverurteilt worden, dabei gebe es in dem Indizienprozess keine Beweise für seine Täterschaft.

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