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Aus der Stadt „Er war Nazi aus Langeweile“
Hannover Aus der Stadt „Er war Nazi aus Langeweile“
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00:15 06.09.2013
Von Michael Zgoll
Foto: ARCHIV - Polizisten begutachten am 01.11.2012 am Nordufer des Maschsees in Hannover den Inhalt einer Mülltüte, welche zuvor von einem Polizeitaucher geborgen wurde.
ARCHIV - Polizisten begutachten am 01.11.2012 am Nordufer des Maschsees in Hannover den Inhalt einer Mülltüte, welche zuvor von einem Polizeitaucher geborgen wurde. Quelle: dpa
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Hannover

Im Prozess gegen den mutmaßlichen „Maschseemörder“ Alexander K. saß am Dienstag ein Mörder auf der Zeugenbank, den genau dieses hannoversche Schwurgericht im Juni 2013 zu lebenslanger Haft und Sicherungsverwahrung verurteilt hatte: Deniz A., der die 76-jährige Christa Haase aus Marienwerder in ihrer Wohnung umbrachte. A. hatte vorübergehend im gleichen Gefängnis wie Alexander K. gesessen. Nun sollte er die Angaben eines Mithäftlings bestätigen, dass der Angeklagte in der Haft freimütig von dem Mord an der 44-jährigen Andrea B. und der Zerstückelung ihrer Leiche erzählt habe. Doch der Mörder im Zeugenstand konnte sich an nichts mehr erinnern.

An vieles erinnern konnten sich dagegen ein langjähriger Freund und eine frühere Lebensgefährtin von Alexander K. Das Bild, das sie von dem 25-Jährigen zeichneten, war das Bild einer sehr widersprüchlichen Persönlichkeit. „Nett“, „liebevoll“, „ehrlich“ und „intelligent“ – das waren die positiven Attribute. Auf der anderen Seite bestätigten sie K.s Hass auf Ausländer, auf Juden, auf die Gesellschaft. „Er war Nazi aus Langeweile“, sagte der 28-jährige Ex-Freund, ein Student aus Minden. Und auch das Thema Gewalt bot immer wieder Gesprächsstoff. So sollen Vater, Mutter und Stiefvater Alexander K. in seiner Kindheit häufig gezüchtigt haben. Der machte später seinerseits ernst: Die zwei Zeugen berichteten am Dienstag, dass der Angeklagte in Minden bereits einmal einen Albaner oder Libanesen – offenbar aus dem Drogenmilieu – mit Messerstichen verletzt habe und dafür ins Gefängnis gewandert sei.

Prozessauftakt gegen einen 25-Jährigen, der eine 44-Jährige getötet, zerstückelt und im Maschsee versenkt haben soll

Er selbst, sagte der Student, habe vor acht Jahren auch einmal um sein Leben gefürchtet. Damals habe K. unter dem Einfluss von Engelstrompetentee wüste Morddrohungen gegen ihn ausgestoßen: „Danach hatte ich aber viele Jahre ein gutes Verhältnis zu ihm.“ Eine 25-jährige Floristin aus Neustadt, fünf Jahre Lebensgefährtin von K., sagte aus, dass er sie persönlich nie angegriffen habe. Wenn er aber Drogen konsumiert habe – was immer häufiger passierte –, sei er antriebslos gewesen, habe Gewalt- und Tötungsfantasien geäußert und sich viel mit ihr gestritten. Ende 2011 zog die junge Frau aus der Wohnung in der Südstadt aus.

Anrührend war die Erinnerungen, von denen eine 34 Jahre alte Schwester der getöteten Andrea B. am Ende des Verhandlungstages erzählte. Diese sei mit 16 Jahren aus dem Elternhaus in Ibbenbüren ausgezogen. Als sie Jahre später verheiratet und schwanger war, habe sie nochmals engen Kontakt zur Familie gehabt: „Wir haben damals viel gelacht.“ Doch nach dem Scheitern der Ehe ging es bergab. Der Sohn kam mit drei Jahren zu den Großeltern, die Mutter zog nach Bielefeld, wo sie im Drogensumpf versank und sich ihren Lebensunterhalt mit „Stütze“ und Prostitution verdiente. „Sie ist mit ihrem Leben nicht klargekommen, war oft verzweifelt“, erzählte die Schwester. Nach Hannover sei sie gegangen, weil sie sich aus den früheren Zusammenhängen habe lösen wollen. Der gewaltsame Tod von Andrea, so sagte die 34-Jährige unter Tränen, habe die gesamte Familie nachhaltig erschüttert.

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