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Aus der Stadt Mauer am Leineufer wächst und wächst
Hannover Aus der Stadt Mauer am Leineufer wächst und wächst
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00:15 15.03.2015
Von Saskia Döhner
Mehr als die Hälfte ist schon geschafft: Projektleiter Stefan Knuffmann. Quelle: Heusel
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Hannover

Dass hinter den alten Sandsteinen dann nicht mehr eine marodes Bauwerk, sondern eine neue frisch sanierte, standfeste Betonmauer steht, sieht der Spaziergänger auf den ersten Blick nicht.

Bis zum Herbst wird die Flussmauer der alten Leineinsel für rund 2,3 Millionen Euro komplett restauriert.

Am Donnerstag informierte die Stadt über den Fortschritt der Bauarbeiten. „Mehr als die Hälfte ist geschafft, dem milden Winter sei dank“, sagte Projektleiter Stefan Knuffmann vom Fachbereich Umwelt und Stadtgrün. Im südlichen Abschnitt ragen die Betonwände schon fünf Meter hoch, und die Wiederauffüllung der Mauerrückseite hat bereits begonnen. Im Norden haben Bauarbeiter eine 6,50 Meter tiefe Grube gebuddelt, die wieder mit eine Betonschicht aufgefüllt wurde. Gleichzeitig werden die Fundamente der neuen Treppenanlage zum geplanten Bootsanleger gelegt. Paddler, aber auch Angler hätten so einen direkten Zugang zum Wasser, sagte Knuffmann. Damit soll die Leine ein Stück näher an ihre Bürger rücken.

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Uferbefestigung neigte sich bis zu 45 Grad

Die Mauer war über die Jahrhunderte abgesackt und hatte sich zum Wasser geneigt. Bis zu 45 Grad soll die Uferbefestigung aus dem Lot geraten sein. Wie Knuffmann am Donnerstag ausführte, wird nur die kaputte Ufermauer abgebrochen und neu gebaut. Auf einer Länge von 32 Metern werden die alten Sandsteine wieder vor die Mauer gesetzt. Nach Angaben von Hartmut Köhn vom Tiefbauamt soll in den nächsten Wochen das Stahlbetonfundament aufgefüllt werden. Bislang sind drei Arbeiter auf der Baustelle im Einsatz, später werden es dann sieben sein. „Bislang ist alles vollkommen reibungslos verlaufen“, sagt Köhn. Vermutlich Mitte April sollen die alten Sandsteine wieder errichtet werden. Der nördliche etwa 28 Meter lange Abschnitt, der aus einfachen, in Teilen verputztem Ziegelmauerwerk bestand („da ist über die Jahrhunderte immer wieder etwas repariert worden“), wird um drei Meter weiter nach Westen versetzt.

Der Parkplatz und der Fußweg werden wieder hergestellt. Dort wo früher ein eher lieblos gestalteter Grünstreifen war, kommt eine neue, gepflasterte Uferpromenade mit Sitzbänken und Baum.

Zunächst wurde das Holzfundament freigelegt

Im November 2013 hatte die Restaurierung begonnen. Dass es am Ende doch etwas länger dauerte als geplant, lag laut Knuffmann an den aufwendigen archäologischen Grabungen - den ersten auf der Leineinsel überhaupt - wie Friedrich-Wilhelm Wulf vom niedersächsischen Landesamt für Denkmalpfege erklärt. Freigelegt wurde das Holzfundament der Ufermauer. Auf dicken Eichenpfählen lagen Bohlen, auf denen die Steinquader aufgeschichtet waren - genauso wurde auch Venedig erbaut. In einem Göttinger Labor werden die Holzstücke auf ihr Alter hin untersucht. Seit drei Wochen sind die Grabungen abgeschlossen. Die Archäologen fanden zahlreiche Hinweise auf Handwerker, die sich im späten Mittelalter, im 14. und 15. Jahrhundert auf der Insel angesiedelt hatten, etwa Schuster, Gerber, Tuchmacher und Schmiede. Die Reste von hochwertigen Kachelöfen aus dem 16. bis 18. Jahrhundert ließen darauf schließen, dass Gutbetuchte auf der Leineinsel wohnten, sagte Experte Wulf: „Neureiche würde man heute sagen.“

Jetzt untersuchen und reinigen Experten die mehr als 2300 Einzelfunde, am 6. Juni sollen die Ergebnisse im Historischen Museum vorgestellt werden.

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