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Aus der Stadt Max Goldt liest im Pavillon
Hannover Aus der Stadt Max Goldt liest im Pavillon
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10:48 21.12.2011
Von Sophie Hilgenstock
Zum 15. Mal auf der Bühne des Pavillon: Max Goldt.
Zum 15. Mal auf der Bühne des Pavillon: Max Goldt. Quelle: Simon Peters
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Hannover

Bereits zum 15. Mal gastierte der Berliner Autor am Montagabend im Pavillon. Die Lesungen sind inzwischen gute, alte Tradition. Langweilig sind sie dadurch mitnichten. Goldt schafft es immer wieder, sein Publikum zu verblüffen.

Zunächst einmal dadurch, dass er dann doch nicht – wie angekündigt – aus seinem Bilderbuch vorträgt. „Gattin aus Holzabfällen“ lautet der merkwürdige Titel dieses Werkes, seinem ersten Bilderbuch überhaupt. „Der macht immer, was er will“, sagt eine Zuschauerin, die Goldts Lesungen seit Jahren besucht, und zeigt auf die Bühne. Dort sitzt Goldt an einem Tisch, artig angezogen, brav dreinblickend, wie man ihn eben kennt, und nimmt statt des Buchs ein paar Zettel zur Hand.

Was dann kommt, ist zwar ebenfalls schon Tradition, verblüfft aber trotzdem immer wieder: Kaum hat der Schriftsteller in seiner gewohnten Märchenonkelmanier die ersten Sätze gesprochen, gackert das Publikum los. Denn was Goldt liest, diesmal einen Mix aus alten und neuen Texten, ist sehr komisch und kurios, es sind geniale Gedankenspiele, versteckt hinter einer wundersamen Wortakrobatik – wovon die Geschichte „Touristische Perspektiven für Münster“ zeugt.

Schon der Titel dieser Erzählung ist irreführend, es geht kaum um Münster, es geht vor allem um Loriot. Goldt hat beobachtet, dass über den kürzlich Verstorbenen nie ein schlechtes Wort gefallen ist, schon gar nicht posthum, und versucht dem positiven Bild einen Riss hinzuzufügen: „Loriot wurde von Scientology finanziert, er arbeitete für die Stasi, er versteckte jahrelang eine behinderte Tochter im Keller, er unterhielt intime Kontakte zu Christiane Hörbiger!“ Nichts von dem, so sieht Goldt es bald ein, könnte man über Loriot glauben machen, der Ruf des Mannes sei unantastbar. „Es ist vermutlich leichter, einen Sack Flöhe zu hüten als eine kritische Loriot-Biografie zu schreiben“, folgert Max Goldt. Letzteres sei natürlich sowieso völlig unangebracht und abwegig, fügt er noch schnell hinzu.

Doch gehören Ab- und Umwege bei Goldt, dem Meister der Abschweifung, prinzipiell dazu – und zeigen ihn als intelligenten, feinsinnigen Beobachter unserer Gesellschaft. Seine Erzählungen leben von Abstechern, so geht es bei der Geschichte über einen Strandspaziergang in Rostock-Warnemünde erst einmal um den Uringeruch im Erste-Klasse-Abteil der S-Bahn. Doch Goldts Texte sind nicht bloß abwegig und komisch, sondern auch poetisch und tragisch, manchmal auch plump oder zynisch. So grenzt der Satz, etwas falle „wie ein Kartenhaus im 11.-September-Wind zusammen“, fast schon an Taktlosigkeit. Anscheinend ist diese Mischung aber goldrichtig: 550 Zuschauer kamen auch in diesem Jahr wieder in den Pavillon, um Max Goldt zu erleben.

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