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Aus der Stadt Medizinische Hochschule Hannover wird zum Jobmotor
Hannover Aus der Stadt Medizinische Hochschule Hannover wird zum Jobmotor
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23:07 17.02.2011
Von Juliane Kaune
An der MHH werden Patienten aus dem ganzen Bundesgebiet behandelt. Quelle: Martin Steiner

Im Expo-Jahr 2000 kam Holger Baumann an die Medizinische Hochschule (MHH). Eigentlich, sagt der studierte Ökonom, habe er nach Jahren in der Industrie, im Messegeschäft und als Wirtschaftsprüfer seinerzeit einfach mal etwas Neues ausprobieren wollen. „Dass ich so lange bleiben werde, war nicht geplant“, erklärt er und schmunzelt. Heute ist Baumann noch immer MHH-Vizepräsident für Wirtschaftsführung und Administration an der hannoverschen Hochschulklinik – nach eigenem Bekunden kann er sich keinen attraktiveren Job vorstellen. Das dürfte auch daran liegen, dass nicht nur die medizinische, sondern auch die wirtschaftliche Entwicklung der hannoverschen Hochschulklinik eine Erfolgsgeschichte ist.

Kontinuierlich ist die MHH in den vergangenen Jahren gewachsen. Mehr als 8900 Beschäftigte arbeiten dort heute in Voll- oder Teilzeit – das sind 1400 mehr als noch 2004. Die jährlichen Einnahmen sind seither von 384 Millionen Euro auf 546 Millionen Euro gestiegen, und auch 2009 standen wieder schwarze Zahlen in der Jahresbilanz – zum sechsten Mal in Folge. Laut einem aktuellen Ranking der Nord/LB steht die MHH unter den 50 größten niedersächsischen Wirtschaftsunternehmen an 14. Stelle, direkt hinter der Pharmafirma Solvay und noch vor den Stadtwerken Hannover – Indikator für die „Hitliste“ der Landesbank ist die Wertschöpfung, also die Summe, die durch Ausgaben für Personal und Investitionen in der Region Hannover verbleibt.

Baumann lehnt sich zurück. „Ja“, sagt er und macht eine ausholende Geste, „wir sind eben nicht nur ein großes Krankenhaus und ein großer Lehr- und Forschungsbetrieb, sondern auch ein großes Wirtschaftsunternehmen.“ Allein für die Löhne und Gehälter des Personals gab die Hochschulklinik im Jahr 2009 rund 386 Millionen Euro aus. Die abschließende Jahresbilanz für 2010 liegt zwar noch nicht vor, doch Baumann beziffert die Personalausgaben bereits mit rund 410 Millionen Euro. Er schätzt, dass von dieser Summe eine Nettokaufkraft von rund 280 Millionen Euro übrigbleibt, die der regionalen Wirtschaft zugute kommt. „Überschlägig gerechnet, hängen daran wiederum 35.000 bis 45.000 Arbeitsplätze.“

Auch in anderer Weise profitiert die Region vom Großunternehmen MHH: Für Neubauten auf dem Campus, Instandhaltungsmaßnahmen, Betriebstechnik sowie Wasser- und Energieversorgung gab die Hochschulklinik im vergangenen Jahr 87,6 Millionen Euro (2009: 67,4 Millionen) aus, davon allein 41 Millionen für die Instandhaltung der mehr als 40 Jahre alten Gebäude. „Weil wir die Aufträge vorrangig an regionale Anbieter vergeben, bleiben auch gewichtige Anteile dieser Summen in der Region“, erklärt der Vizepräsident.

Und auf dem Hochschulgelände wird stetig weiter investiert: Im April eröffnet das für 18,5 Millionen Euro errichtete Pädiatrische Forschungszentrum neben der Kinderklinik. Bis 2014 sind weitere Neu- und Umbauten von zusammen rund 130 Millionen Euro geplant, darunter ein zentraler Laborbau für die Krankenversorgung und die dringend notwendige Kompletterneuerung der zentralen Notaufnahme, die beide das Land finanzieren muss. Einer der dicksten Brocken ist das vom Bund geförderte 54 Millionen Euro teure Niedersächsische Zentrum für Biomedizintechnik (NZ-BMT); mit den Arbeiten für den Komplex, in dem innovative Medizinimplantate erforscht werden sollen, soll Ende des Jahres begonnen werden.

Gerade die Innovationen in der Forschung sind es, die den Campus stetig weiter wachsen lassen – und die Profilierung der Hochschulklinik untermauern. Bei den von den Wissenschaftlern eingeworbenen sogenannten Drittmitteln liegt die MHH seit Jahren an der Spitze der bundesweit 34 Kliniken mit Medizinfakultäten: 81,3 Millionen Euro waren es 2009; im vergangenen Jahr hätten die Forscher die Marke von 85 Millionen Euro geknackt, verrät Baumann schon vor dem offiziellen Jahresabschluss. Die Forschung erweist sich zunehmend als Jobmotor. Rund 1000 der 8900 Arbeitsplätze an der MHH werden aus eingeworbenem Forschungsgeld finanziert – Tendenz steigend. Allein durch das Exzellenzprojekt „Rebirth“ zur regenerativen Medizin wurden 140 Stellen neu geschaffen.

Auch in der Krankenversorgung legt die Hochschulklinik kontinuierlich zu: Seit 2004 sind die Zahlen der stationär behandelten Patienten von 44.749 auf 54.628 gestiegen. „Damit bewegen wir uns im oberen Viertel aller deutschen Uni-Kliniken“, sagt Baumann. Anders als beim Klinikum Region Hannover, das vor allem auf die Versorgung von Patienten in Hannover und Umgebung ausgelegt ist, kommen an der auf die Maximalversorgung Schwerstkranker spezialisierten MHH mehr als die Hälfte der Patienten aus ganz Niedersachsen und elf Prozent aus dem gesamten Bundesgebiet. Eine Konkurrenz zum Regionsklinikum bestehe aufgrund der unterschiedlich ausgerichteten Versorgungskonzepte nicht, betont Baumann. Auch die jüngste Vereinbarung, bei der im Zuge der Übernahme der Regionshautklinik durch die MHH eine Zusammenarbeit in der Herzchirurgie und der Neugeborenenmedizin vereinbart wurde, spreche für ein gutes Miteinander.

Trotz der wirtschaftlichen Erfolge blickt Baumann nicht sorgenfrei in die Zukunft. Denn obwohl die Kosten steigen – etwa bei den Tarifgehältern und der Energieversorgung – sinken in diesem Jahr die von den Krankenkassen finanzierten Basispreise pro Behandlung. „Das ist ein Aberwitz“, meint der Klinikmanager. Auch die MHH sei daher gehalten, „den Weg der Konsolidierung zu gehen“ und die Ausgaben im Blick zu behalten – mit dem Ziel, die Strukturen effizienter zu machen und die Umsätze weiter zu steigern. An Personalabbau werde derzeit nicht gedacht, versichert Baumann. Betriebsbedingte Kündigungen sind durch eine Vereinbarung zwischen Präsidium und Personalrat ohnehin bis 2013 ausgeschlossen.

Der Vizepräsident blickt bereits weiter voraus: „In wirtschaftlich schwierigen Zeiten müssen wir eine gewisse Vorsorge für künftige Investitionen treffen“, erklärt er. 2009 konnte die MHH einen Überschuss von 5,7 Millionen Euro erzielen – um für die kommenden Jahre finanziell gut gerüstet zu sein, wäre laut Baumann jedoch ein positives Jahresergebnis von sieben bis acht Millionen Euro erforderlich. Ob dies 2010 erreicht wurde, lässt er noch offen.

Fest steht: Die MHH wird weiter wachsen. In einem Masterplan hat das Präsidium bereits die baulichen Perspektiven bis zum Jahr 2020 abgesteckt. Demnach wird sich das Gesicht der Hochschulklinik zur Karl-Wiechert-Allee hin vollständig verändern; statt Parkdecks sollen neue, attraktive Klinikbauten das Entrée bilden. Und der 53-jährige Baumann hätte nichts dagegen, dann noch im Dienst zu sein.

Informationen über das Vorhaben, die MHH zu einer Stiftungshochschule zu machen, finden Sie am Freitag in der Printausgabe der HAZ – alternativ auch im E-Paper.

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