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Aus der Stadt Mehr Flüchtlinge: Hannover macht hohe Schulden
Hannover Aus der Stadt Mehr Flüchtlinge: Hannover macht hohe Schulden
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00:15 12.02.2015
Von Andreas Schinkel
Wohncontainer dieses Typs, das Foto zeigt eine Anlage in Bremen, sollen auch in Hannover angeschafft werden. 15 Containersiedlungen sollen in den kommenden Monaten verteilt über das gesamte Stadtgebiet aufgestellt werden. Quelle: Architekten BDA Feldschnieder + Kister / Montage
Hannover

Das Geld ist nötig, um Wohncontainer für insgesamt 1300 Flüchtlinge zu kaufen und die Menschen in den Anlagen zu betreuen. Die Stadt sucht jetzt nach zehn Standorten für die zusätzlichen Containerdörfer. Damit rutscht der ohnehin defizitäre Haushalt tiefer in die roten Zahlen. Am Ende des laufenden Jahres droht ein Minus von mehr als 100 Millionen Euro. „Die Alternative wäre, alle Sporthallen zu belegen oder Zelte aufzustellen“, sagt Hansmann.   

Der Kämmerer rechnet für das nächste Jahr mit weiteren Anstrengungen und neuen Kosten für die Unterbringung von Flüchtlingen. Zugleich dürfe die Stadt ihre Pflichtaufgaben nicht vernachlässigen. „Wir können nicht weniger Geld in Straßen oder Schulen investieren“, sagt er. Rund 100 Millionen Euro gibt Hannover jährlich für Straßenerneuerung, Schulreparaturen und andere Pflichtaufgaben aus.

Auf der Bult leben Flüchtlinge – etwa aus Mazedonien – in einer Unterkunft. Quelle: dpa

Insgesamt 2600 Asylsuchenden muss die Stadt innerhalb weniger Monate ein Dach über den Kopf geben. Zwar stellt die städtische Immobiliengesellschaft GBH in diesem Jahr zwei Gemeinschaftswohnheime mit jeweils 50 Plätzen fertig, und auch im ehemaligen Oststadtkrankenhaus, mit 300 Plätzen eine Art Sammellager für Flüchtlinge, bleiben noch Kapazitäten für 50 Asylsuchende. Zudem mietet die Stadt 200 Wohnungen an. Doch insgesamt reichen die Bemühungen nicht aus.

Die Stadt setzt daher auf Wohncontainer. „Sie sind kostengünstiger als feste Bauten, rascher fertigzustellen und haben größere Kapazitäten“, sagt Baudezernent Uwe Bodemann. Werden die Modulunterkünfte länger als drei Jahre verwendet, lohne sich eine Anschaffung. 50 Millionen Euro will die Stadt investieren, um Containerdörfer an 15 Standorten in der Stadt aufzustellen. Fünf Grundstücke sind bereits bekannt, weitere zehn Orte muss die Stadt noch finden. „Die neuen Module sind von besserer Qualität als die bisherigen“, betont Bodemann. In den künftigen Siedlungen gruppieren sich die Container um kleine Höfe. Separate Modulhäuser für die Heimleitung und für Gemeinschaftsräume sollen die Wohnqualität verbessern. 15 Millionen Euro plant die Stadt jährlich für den Betrieb der 15 Containerdörfer ein.

Auch in der IGS Büssingweg sind Flüchtlinge untergebracht. Quelle: Thomas

Den Nachtragshaushalt finanziert der Kämmerer über Kredite. „Aus eigener Kraft können wir die Summe nicht erwirtschaften“, sagt Hansmann. Mit der Kommunalaufsicht habe er bereits über eine Genehmigung der neuen Schulden verhandelt. Hansmann wünscht sich angesichts der Notlage mehr Unterstützung vom Land. Bisher zahlt Niedersachsen eine Pauschale von rund 7000 Euro pro Flüchtling an die Kommune. „Wir brauchen 12 000 Euro, um unsere Mindestkosten zu decken“, sagt der Kämmerer. 

Unterbringung im gesamten Stadtgebiet

15 Containersiedlungen sollen in den kommenden Monaten verteilt über das gesamte Stadtgebiet aufgestellt werden. Möglicherweise sind sogar noch mehr Wohnmodule nötig. „Wir wissen nicht, wie viele Flüchtlingskinder kommen, also müssen wir vielleicht zusätzliche Modulbauten an Schulen und Kitas aufstellen, um Unterrichtsräume zu schaffen“, sagt Kämmerer Marc Hansmann (SPD). An zwei Standorten stehen bereits Module, in Leinhausen an der Fuhsestraße und in Anderten an der Höverschen Straße. Die Anlage in Leinhausen ist bereits in Betrieb, in Anderten sollen noch in diesem Monat die ersten Flüchtlinge einziehen. Fünf weitere Standorte sind bekannt (Vinnhorst, Lahe, Groß Buchholz, Sahlkamp und Wülfel), für zehn Containeranlagen sucht die Stadt noch Grundstücke.

Bisher hat die Stadt feste Bauten präferiert. 15 Gemeinschaftswohnheime gibt es schon in Hannover, sowie vier betreute Wohnprojekte. Ein Hotel hat die Stadt in der Fössestraße angemietet sowie 160 Wohnungen verteilt über das gesamte Stadtgebiet. In diesem Jahr stellt die städtische Immobiliengesellschafgt GBH zwei neue Wohnheime fertig, in Wettbergen und in Badenstedt. Jede Einrichtung bietet Platz für 50 Asylsuchende. Die Begrenzung auf 50 Plätze ist einem Ratsbeschluss von SPD und Grünen geschuldet. Im Rathaus überlegt man, angesichts der Notlage neue Flüchtlingswohnheime für bis zu 100 Bewohner auszulegen. Ob Rot-Grün diesem Weg folgt, ist unklar.

Fünf Notunterkünfte musste die Stadt einrichten, im ehemaligen Schulzentrum Ahlem, im alten Oststadtkrankenhaus sowie in den Sporthallen der IGS Büssingweg, der Feuerwehr in Stöcken und im Ahlemer Schulzentrum. Eigentlich sollten die Turnhallen längst geräumt sein, doch es fehlt an Kapazitäten. Stadt und das Klinikum Region Hannover verhandeln derzeit, inwieweit das provisorische Bettenhaus der Siloah Klinik für die Unterbringung von Asylsuchenden genutzt werden kann. Die Container am Siloah müssten aber auf andere Standorte verlagert werden, heißt es.

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