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Aus der Stadt Mehr Platz für Kinder: Hannover baut Krippenplätze aus
Hannover Aus der Stadt Mehr Platz für Kinder: Hannover baut Krippenplätze aus
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09:16 22.09.2010
Von Bärbel Hilbig
Alles neu: Die AWO-Kita Bonhoefferstraße hat in diesem Jahr eine neue Krippe eröffnet. Die Stadt sanierte und erweiterte das Gebäude.
Alles neu: Die AWO-Kita Bonhoefferstraße hat in diesem Jahr eine neue Krippe eröffnet. Die Stadt sanierte und erweiterte das Gebäude. Quelle: Kristoffer Finn
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In Hannover gibt es mehr Betreuungsplätze für Kinder als jemals zuvor. Insgesamt 21.900 Kinder vom Baby bis zum zehnjährigen Grundschüler (und damit 49,4 Prozent der Altersgruppe) waren zum Stichtag 1. Oktober 2009 in der Obhut von Erziehern oder Tagesmüttern. Im vergangenen Jahr kostete das die Stadt 81 Millionen Euro. Für dieses Jahr sind 90 Millionen Euro laufende Kosten veranschlagt. „Die Steigerung von mehr als zehn Prozent liegt vor allem am Krippenausbau sowie an Tariferhöhungen für das Personal“, sagte Sozial- und Jugenddezernent Thomas Walter am Dienstag.

Besonders durch den Ausbau der Kleinkinderbetreuung steigen die Zahlen. Zum Stichtag lag die Versorgungsquote für Kinder unter drei Jahren mit 3500 Plätzen bei 25 Prozent. Aktuell sind 248 weitere Krippenplätze hinzugekommen. Das Ausbauprogramm (siehe Grafik rechts) sieht jährlich 300 neue Plätze vor. Bis im Jahr 2013 der Rechtsanspruch auf eine Krippenbetreuung greift, sollen 5100 Plätze vorhanden sein. Das würde nach bisherigem Stand für 38 Prozent der Kinder bis drei Jahre ausreichen. Acht große Kita-Neubauten sind dafür in Planung. „Ich gehe davon aus, dass wir 2013 eine bedarfsgerechte Versorgung erreichen“, sagte Walter. Bisher laufe alles nach Plan. Wenn Nachfrage und Kinderzahl steigen, müsse – so der Kita-Bericht – die Planung angepasst werden.

Allerdings werden sich die Krippen nach aktuellem Stand recht unterschiedlich auf die Stadtbezirke verteilen. In Buchholz-Kleefeld, Südstadt-Bult und dem Stadtbezirk Nord könnte die Versorgungsquote bei rund 45 Prozent der Altersgruppe liegen. Die niedrigsten Werte sind bisher für die Stadtbezirke Ricklingen mit 27 Prozent und Herrenhausen-Stöcken mit 29 Prozent vorgesehen. „Wir haben wirklich Probleme, noch geeignete Flächen für Neu- oder Anbauten zu finden“, sagte Walter. Auch die Umwandlung im Bestand muss den Richtlinien für Kindertagesstätten entsprechen. „In Stadtteilen mit hohem Bedarf geben uns auch die Bezirksräte Hinweise“, sagte Anke Broßat-Warschun, Fachbereichsleiterin Jugend und Familie.

Im Kindergarten für Drei- bis Sechsjährige gab es 2009 mit rund 13 000 Plätzen eine Versorgungsquote von 100,4 Prozent. „Wir legen großen Wert darauf, nicht beim gesetzlichen Anspruch von vier Stunden ohne Mittagessen stehen zu bleiben“, sagte Walter. Auch die Kindergärten seien deshalb trotz Krippenausbaus qualitativ erweitert worden. Knapp 84 Prozent bieten inzwischen eine Dreiviertel- oder Ganztagsbetreuung. Angesichts der steigenden Kinderzahl sind 570 zusätzliche Kindergartenplätze in Planung, über 225 weitere Plätze bis zum Jahr 2013 wird der Rat noch entscheiden. Beim Hort für Grundschüler hat die Stadt jetzt eine 30-prozentige Betreuungsquote erreicht. In Zukunft sollen statt Horten die Ganztagsgrundschulen ausgebaut werden.

Entlastung in Hainholz

Die Stadt will auf Eltern in Hainholz zugehen, die ihr Kind lieber ein Jahr später in den Kindergarten schicken, wenn in der vertrauten Einrichtung direkt am Wohnort zunächst kein Platz frei ist. „Wir bedauern jeden Entschluss von Eltern, den Kindergartenbesuch ihres Kindes zurückzustellen“, sagte Sozial- und Jugenddezernent Thomas Walter.

Kindergartenleiterinnen aus dem Stadtteil hatten in der HAZ von langen Wartelisten berichtet. Gerade in einem Stadtteil wie Hainholz mit hohem Anteil von Einwanderern sei es aber wichtig, dass die Kinder früh im Kindergarten Deutsch lernen. Aus der Statistik der Stadt, die sich bisher an Stadtbezirksgrenzen orientiert, wird das Problem offenbar nicht deutlich. So hatte die Stadt argumentiert, rechnerisch gebe genügend Kindergartenplätze in Hainholz. Walter betonte, man bemühe sich, dieser Art der Betrachtung nicht zu eng zu folgen. Den Eltern soll nun auch die Kita Vinnhorster Weg empfohlen werden, die nicht weit entfernt liege. Der gestern vorgestellte Kindertagesstättenbericht weist für Drei- bis Sechsjährige eine stadtweite Versorgungsquote von gut hundert Prozent aus. „Auch bei einer Vollversorgung kann aber nicht jedes Kind sofort in der gewünschten Einrichtung einen Platz bekommen“, sagte der Dezernent. Der Rechtsanspruch sei bereits mit Plätzen erfüllt, die irgendwo im Stadtgebiet liegen. Die Stadt wolle Kindergartenplätze aber möglichst wohnortnah anbieten.

„Wir können in Hainholz kurzfristig keinen zusätzlichen Platz schaffen“, sagte Walter. Die Verwaltung geht aber davon aus, dass anstehende Kita-Neubauten Entlastung schaffen könnten. In Hainholz selbst wird das Familienzentrum Voltmerstraße ein neues Gebäude bekommen. In den benachbarten Stadtteilen Nordstadt und Vahrenwald-List sind ebenfalls zwei Kita-Neubauten in Planung, die neben Krippen- auch zusätzliche Kindergartenplätze bieten sollen.

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