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Aus der Stadt Mehrere Feuerwehreinsätze in der Region
Hannover Aus der Stadt Mehrere Feuerwehreinsätze in der Region
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15:30 10.01.2015
In Hannovers Stadtpark Eilenriede blockierten umgestürzte Bäume und abgebrochene Äste die Spazierwege. Quelle: Wiechers
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Hannover

Die Feuerwehr Hannover ist am Freitag zu zehn Einsätzen infolge starker Sturmböen gefahren. Vor allem zwischen 10 und 14 Uhr gingen in der Leitstelle Meldungen zu umgestürzten Bäumen und herabgefallenen Ästen ein. Am Nachmittag riefen Mitarbeiter der Universität die Feuerwehr zu Hilfe: An der Herrenhäuserstraße auf dem Gelände des Instituts für Landschafts- und Freiraumarchitektur drohte ein Baum auf ein Wohnhaus zu fallen. Feuerwehrleute waren mit einer Drehleiter und einer Kettensäge im Einsatz. Sie sägten eine etwa 15 Meter hohe Birke ab.

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Einsatz auf der Kreisstraße

Am Freitagmorgen gab es einen ersten Einsatz wegen des Sturms in der Region Hannover: Ein Baum war auf die Kreisstraße 266 zwischen Laatzen-Gleidingen und Bledeln (Landkreis Hildesheim) gestürzt und hatte den Verkehr behindert. In der Eilenriede blockierten umgestürzte Bäume und abgebrochene Äste die Spazierwege. Der Deutsche Wetterdienst gab eine Unwetterwarnung heraus.

Winterzoo blieb geschlossen

Der Zoo Hannover gab bekannt, dass der Winter-Zoo wegen der Warnung vor schweren Sturmböen am Freitag geschlossen bleibt. Auch die 1. offizielle niedersächsische Eiskegelmeisterschaft findet nicht statt und wird auf kommenden Donnerstag verschoben.

Das erste Sturmtief des Jahres ist auf die Region Hannover und Norddeutschland getroffen

Schulkinder in Hamburg schwer verletzt

Acht Kinder sind in Hamburg durch einen umstürzenden Baum verletzt worden. Zwei hätten schwere Verletzungen erlitten und seien ins Krankenhaus gebracht worden, sagte ein Feuerwehrsprecher. Der Baum stürzte durch eine Windböe auf das Gelände einer Schule. Die Rettungsdienste waren mit einem Großaufgebot am Unglücksort. Auch ein Notfallseelsorger wurde angefordert.

Bahnverkehr beeinträchtigt

Zeitweise hatten umgestürzte Bäume den Bahn-Fernverkehr von Hamburg nach Süden komplett unterbrochen. Sowohl die Schienenstrecke nach Bremen als auch nach Hannover waren blockiert. Gegen 17.30 Uhr war die Strecke Hamburg-Bremen wieder ganz frei. Zwischen Hamburg und Hannover war wieder eines von zwei Gleisen befahrbar. Fahrgäste mussten Verspätungen von 20 Minuten bis zu drei Stunden hinnehmen. Auch auf anderen Strecken kam es wegen umgestürzter Bäume auf den Oberleitungen zu Störungen. Zwischen Lüneburg und Bienenbüttel wurden ersatzweise Busse eingesetzt.

Fährverkehr eingeschränkt

Vor dem Sturm kapitulierte der Fährverkehr von Cuxhaven zur Hochseeinsel Helgoland. Einschränkungen gab es auch auf den Strecken nach Norderney und Wangerooge. Die Fähren nach Borkum, Juist, Baltrum und Langeoog fuhren vorerst noch nach Plan. Das könne sich aber je nach Wetterlage schnell ändern, sagten Reedereisprecher. Zwei Elbfähren im Landkreis Lüneburg sowie die Emsfähre zwischen Ditzum und Petkum im Kreis Leer stellten ihren Betrieb vorerst ein.

Leichte Sturmflut

Am Nachmittag hatte eine leichte Sturmflut die Küste erreicht. Mit rund 1,30 Meter über dem mittleren Hochwasser blieb der Messwert am Pegel Norderney im Rahmen der Vorhersagen. Für die Küste und die Inseln besteht jedoch weiter Gefahr: Besonders hoch könnte das Wasser in der Nacht zum Sonntag auflaufen und zwei Meter über dem normalen Wasserstand erreichen, heißt es in der Prognose des Sturmflutwarndienstes beim Niedersächsischen Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz (NLWKN).

Orkantief „Felix“ kommt am Samstag

Am Samstag überquert die markante Kaltfront des neuen Orkantiefs „Felix“ Deutschland von Nordwesten her. Zuvor wird es mit 12 bis rund 17 Grad nach Ansicht der Meteorologen außergewöhnlich mild. Kräftige Schauer und Gewitter könnten dann das frühlingshafte Intermezzo mit orkanartigen Böen und Orkanböen bis ins Flachland beenden.

Extreme Orkanböen auf dem Brocken

Auf dem höchsten Berg des Landes ist ein Spaziergang nicht mehr möglich. Extreme Orkanböen mit bis zu 160 Stundenkilometern fegten über den 1141 Meter hohen Berg hinweg. Erst in der Nacht solle der starke Wind etwas abflauen. Die Polizei spricht von unzähligen Sturmschäden. Im Harz seien am Freitag Bäume umgeknickt, Dächer beschädigt und Strommaste zerstört worden.

„Daniel“ brachte Dauerregen

Schon am Donnerstag brachte das Tief „Daniel“ Dauerregen nach Niedersachsen, doch der Sturm machte sich noch nicht bemerkbar. Erst im Laufe des Freitags soll der Wind merklich auffrischen, wenn das Sturmtief „Elon“ vom Atlantik her seine Ausläufer über die Nordseeküste und ins Landesinnere schickt. Dann rechnen Meteorologen mit Windgeschwindigkeiten von bis zu 120 Kilometern pro Stunde. Auf dem Brocken im Harz sind sogar 150 Stundenkilometer vorausgesagt. „In der Regel passiert hier oben aber auch bei einem solchen Orkan nichts“, sagt Matthias Glenk von der Wetterwarte. Im Flachland soll der Wind in starken Böen wehen, die fast 100 Stundenkilometer erreichen - das sind Geschwindigkeiten, bei denen nicht nur Blumenkübel und Mülltonnen umstürzen können. Außerdem besteht in Waldgebieten die Gefahr, dass dickere Äste von Bäumen abbrechen. Meteorologen empfehlen deshalb, Wälder vorsichtshalber nicht zu betreten.

Orkan und Sturmflut: Der Deutsche Wetterdienst warnt vor Unwettern in Deutschland. Selbst im Flachland werden am Windgeschwindigkeiten von mehr als 100 Stundenkilometern erwartet. Die Bahn rechnet mit Verspätungen, Spaziergänger sollten den Wald meiden.

Nachgefragt...

... bei Katharina Schoch, Abteilungsleiterin Schaden Grundsatz bei der VGH

„Vorsorglich die Dachrinne reinigen“

Frau Schoch, wie kann man sein Haus vor Schäden durch den Sturm schützen?
Zuerst sollte man sichergehen, dass alle Fenster, Türen und sonstige Öffnungen am Haus fest verschlossen sind. Lose Gegenstände wie Gartenmöbel, Blumentöpfe oder Ähnliches am Besten nach drinnen stellen oder festbinden, damit nichts wegwehen oder Schäden anrichten kann. Wichtig ist auch, dass Wasserabläufe wie die Regenrinne gereinigt sind, sodass der Regen abfließen kann.

Was kann man tun, damit der Keller nicht voll Wasser läuft?
Dasselbe wie mit der Dachrinne: Die Abflüsse im Keller sollten gesäubert sein, damit sich Wasser nicht stauen kann. Außerdem ist es gut, Kellerfenster und Türen vorher auf Schwachstellen zu prüfen und eventuell provisorisch abzudichten.

Macht es Sinn, vorher alles zu fotografieren?
Nein, es reicht der Nachweis, welche Schäden entstanden sind. Deshalb sollte aber nach dem Sturm zuerst fotografiert werden.

Wer haftet, wenn mein Baum auf Nachbars Grundstück Schaden anrichtet?
Generell ist man für Schäden, die durch Bäume verursacht werden, nicht haftbar zu machen. Das ist höhere Gewalt. Allerdings muss der Baum gesund gewesen sein. Beim Nachbarn übernimmt dessen Gebäudeversicherung den Schaden.

Von Mathias Klein und Isabel Christian/sbü

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