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Aus der Stadt Attacke auf Schwangere: Opfer will bei Täter bleiben
Hannover Aus der Stadt Attacke auf Schwangere: Opfer will bei Täter bleiben
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12:36 27.09.2017
Von Michael Zgoll
Mamo A. (l.) berät sich mit Verteidiger Marco Neumann.
Mamo A. (l.) berät sich mit Verteidiger Marco Neumann. Quelle: Tim Schaarschmidt
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Hannover

Der syrische Flüchtling, der seine schwangere Freundin mit Messerstichen fast umgebracht hätte, sich dann aber eines Besseren besann, ist am Dienstag vom Amtsgericht zu einer Haftstrafe von drei Jahren und drei Monaten verurteilt worden. Ein Schöffengericht unter Vorsitz von Ulrich Kleinert sprach den 23-jährigen Mamo A. der gefährlichen Körperverletzung schuldig.

Die 13 Stiche, die A. der 21-Jährigen im Februar in einer Mühlenberger Wohnung zufügte, hätten die Frau töten sollen, sagte Kleinert. Doch als sie ihm versicherte, ihn nicht zu verlassen und das Kind nicht ohne Vater großziehen zu wollen, hielt A. inne, versuchte die Blutungen zu stoppen und rief den Rettungsdienst. Ein Not-OP rettete das Leben der in der zwölften Woche schwangeren Frau und ihres Kindes. Noch am Abend der Tat schob sie den Angriff einem anderen Mann in die Schuhe.

Staatsanwältin Kathrin Söfker hatte in ihrem Plädoyer drei Jahre und neun Monate Haft gefordert. Die von Streit und Eifersüchteleien geprägte Beziehung des Paars habe von Anfang an unter keinem guten Stern gestanden. Dass der 2015 nach Deutschland geflüchtete, durch Kriegserlebnisse traumatisierte Syrer und die junge Mutter nun zusammenbleiben und ihr Kind gemeinsam großziehen wollen, halte sie für problematisch; therapeutischer Beistand und eine Unterstützung durch das Jugendamt seien hier unerlässlich.

Verteidiger Marco Neumann plädierte auf eine Bewährungsstrafe von zwei Jahren. A. sei nicht vorbestraft und habe echte Reue gezeigt - was das Gericht ebenso sah. Kleinert sagte, man habe dem Angeklagten zudem verminderte Schuldfähigkeit aufgrund eines „affektiven Ausnahmezustands“ zugebilligt, da ihn seine Freundin am Tatabend nach stundenlangen Streitereien vor die Tür setzen wollte. Das ungeborene Kind allerdings, so das Schöffengericht, habe A. niemals schädigen wollen.

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