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Aus der Stadt Messerstecher wird in Psychiatrie eingewiesen
Hannover Aus der Stadt Messerstecher wird in Psychiatrie eingewiesen
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22:12 06.10.2014
Von Jörn Kießler
Das Landgericht hat gestern entschieden, dass der Mann in einem psychiatrischen Krankenhaus untergebracht wird.
Das Landgericht hat gestern entschieden, dass der Mann in einem psychiatrischen Krankenhaus untergebracht wird. Quelle: Symbolbild
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Hannover

Der 21-Jährige, der im Mai versucht hatte, zwei Frauen im Mecklenheider Forst mit einem Messer zu töten, wird in einem psychiatrischen Krankenhaus untergebracht. Das hat das Landgericht gestern entschieden und ist damit den Anträgen von Staatsanwaltschaft,  den beiden Nebenklägerinnen und dem Verteidiger des jungen Mannes gefolgt. Er soll so lang in der Sicherheitsverwahrung bleiben, bis keine Gefahr mehr von ihm ausgeht.

Dass er davon noch weit entfernt ist, machte nicht nur das Gutachten des Psychiaters deutlich, der bereits am ersten Verhandlungstag ausgesagt hatte. Vor allem das Unvermögen des ehemaligen Drogenabhängigen einzusehen, dass er falsch handelte, führten zum Urteil des Vorsitzenden Richters Wolfgang Rosenbusch. Seine Taten gestanden hatte der Beschuldigte Thorben H. bereits zu Beginn der Verhandlung. Reue zeigte der 21-Jährige jedoch nicht.

Anfang April war er nach anhaltenden Streitereien bei seinem Vater in Burgwedel ausgezogen und in dem Männerwohnheim an der Schulenburger Landstraße untergekommen. Dort konsumierte er täglich Kokain, Cannabis und Amphetamine. Im Drogenrausch hörte er nach eigener Angabe immer wieder Stimmen, litt unter Verfolgungswahn. Irgendwann setzte sich die Idee in seinem Kopf fest, dass unter den Bewohnern des Männerwohnheims auch Mörder lebten. „Ich wollte dazu gehören und deshalb ein böser Bube sein“, sagte er vor Gericht.

Um das zu erreichen, griff er am 1. Mai im nahegelegenen Wald eine junge Frau mit einem Küchenmesser an. Die 31-Jährige überlebte nur, weil sie dicke Kleidung trug, an der die Klinge der Waffe abbrach. Thorben H. flüchtete daraufhin. „Ich hatte das Gefühl gescheitert zu sein“, sagte der 21-Jährige. Neun Tage später startete er einen zweiten Versuch und attackierte eine 46 Jahre alte Spaziergängerin. Er riss die Frau zu Boden und rammte ihr das Messer etwa drei Zentimeter tief in den Brustkorb. Als die Frau versuchte, sich zu wehren, verletzte der Täter sie an der Hand und durchtrennte dort Sehnen und Nerven. „Ich bin noch immer eingeschränkt, gerade wenn ich feinmotorische Dinge mit der betroffenen Hand machen will“, sagte die Frau. Auch sie überlebte nur, weil die Klinge des Messers abbrach und der 21-Jährige daraufhin von ihr abließ.

Als die Polizei ihn kurz darauf im Männerwohnheim festnahm, räumte er sofort seine Taten ein und zeigte den Beamten, wo er das abgebrochene Messer nach der zweiten Tat versteckt hatte. Um eine Gefahr für die Allgemeinheit auszuschließen, ordnete das Gericht seine Unterbringung in einer psychiatrische Klinik an. Mindestens einmal jährlich soll geprüft werden, ob er weiterhin in Sicherheitsverwahrung bleiben muss.

09.10.2014
Bernd Haase 09.10.2014
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