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Aus der Stadt Metalldiebe plündern Friedhöfe
Hannover Aus der Stadt Metalldiebe plündern Friedhöfe
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21:17 29.06.2010
Von Tobias Morchner
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In der Nacht auf den 17. Juni entfernten sie weitere 20 Skulpturen auf dem Südstädter Friedhof. In diesem Fall mussten sie allerdings ihre Beute zurücklassen, weil sie offenbar gestört worden waren. Nach Angaben der Verwaltung hat es Delikte dieser Art auf städtischen Friedhöfen in diesem Ausmaß zuvor noch nicht gegeben. Die Polizei hat die Ermittlungen wegen schweren und versuchten Diebstahls sowie Störung der Totenruhe aufgenommen.

Eine der Grabstätten, die auf dem Engesohder Friedhof von den Tätern beschädigt wurden, ist die Ruhestätte von Pastor Hermann Wilhelm Bödeker. Die Diebe demontierten den sogenannten Bödeker-Engel – eine von insgesamt 15 Skulpturen, die der Geistliche vom Bildhauer Georg Hurtzig gießen ließ, um sie in der hannoverschen Innenstadt als Sammelbüchsen für Almosen aufzustellen. Das Kunstwerk wurde allerdings nicht entwendet. Es gehört zu den Beutestücken, die die Täter auf dem Friedhofsgelände zurückließen.

Eberhard Sauerbrey aus Garbsen ist einer der Geschädigten. Am 23. Juni erhielt er einen Anruf von der Polizei. „Die Beamten erklärten mir, dass unsere Madonna entwendet wurde“, berichtet der 74-Jährige. Dabei handelt es sich um eine lebensgroße Frauenfigur aus Bronze, die seit mehr als 100 Jahren das Familiengrab in Ricklingen zierte. „Die Figur war so etwas wie das Wahrzeichen des Friedhofs“, sagt der Rentner traurig. Anfang des Jahres hatte Sauerbrey die Pacht für die Familiengrabstätte um zehn Jahre verlängert. 10.000 Euro hat das den ehemaligen Bäcker gekostet. „Jetzt würde ich am liebsten noch mal die Hälfte davon als Belohnung aussetzten, damit ich die Figur wiederbekomme“, erklärte Sauerbrey.

Doch vermutlich wird der Senior seine Figur nicht wiedersehen. Es gilt als wahrscheinlich, dass die Täter die Skulpturen an Metallhändler verkauft und die Abnehmer die Friedhofsfiguren bereits eingeschmolzen haben. „Für ein Kilo Bronze bekommt man derzeit 4,30 Euro“, sagte Reinhold Heidinger von der Jade-Stahl GmbH in Hannover. Das Preisniveau bezeichnet der Experte als hoch. Auch die Polizei hat sich bereits wegen der Friedhofsdiebstähle mit dem Recyclingunternehmen in Verbindung gesetzt: „Wenn wir die Figuren angeboten bekommen, melden wir das sofort den Behörden“, sagte Heidinger. Unklar ist bislang, wie die Täter die zum Teil sehr schweren Skulpturen unbemerkt abtransportieren konnten. Auch die genaue Höhe des Schadens kann noch nicht beziffert werden. Polizei und Stadt haben auf die Vorfälle reagiert. „Wir überwachen die Friedhöfe jetzt verstärkt“, teilte Stadtsprecher Klaus Helmer mit. Rund um die Friedhöfe würde nun häufiger Streife gefahren.

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