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Aus der Stadt Wer zahlt nun den Makler?
Hannover Aus der Stadt Wer zahlt nun den Makler?
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00:15 08.03.2015
Von Conrad von Meding
Foto: Bekannt als hannoversche Maklerin Sabine Hering aus der Vox-Reihe „Mieten kaufen wohnen“: Sabine Ruggeri.
Bekannt als hannoversche Maklerin Sabine Hering aus der Vox-Reihe „Mieten kaufen wohnen“: Sabine Ruggeri.  Quelle: Rainer Droese
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„Es wird mindestens ein Jahr lang Chaos geben“, sagt Sabine Ruggeri von Campo Immobilien. „Kleinere Unternehmen werden die Umstellung möglicherweise nicht überstehen“, sagt Volker von Wülfing, der mit 60 Mitarbeitern an fünf norddeutschen Standorten zu den Großen der hannoverschen Branche zählt.

Die Neuerung gilt ausdrücklich nur für die Vermittlung von Mietimmobilien, nicht bei Käufen. Das vom Bundestag beschlossene Gesetz sieht vor, dass Makler ihre Courtage - in der Regel zwei Monatsmieten - künftig nicht mehr vom Mieter bezahlen lassen dürfen, wenn sie vom Vermieter beauftragt worden sind. Der Mieterbund begrüßt die neue Regelung. „Wir haben sie ja lange genug gefordert“, sagt Vize-Chefin Susanne Schönemeier. Sie fürchtet allerdings, dass es Versuche geben wird, das Gesetz zu unterlaufen: „Wo ein angespannter Wohnungsmarkt herrscht und sich 30 Interessenten auf eine Wohnung bewerben, da wird es sicherlich Versuche geben, die Kosten wieder auf den Mieter abzuwälzen.“ Etwa mit kruden Abstandsforderungen für klapprige Kühlschränke oder auch, indem schlicht die Hand aufgehalten wird.

„Die Bremse wird den Mietern nicht zugute kommen“

Makler von Wülfing glaubt, dass sich derartige Praktiken von schwarzen Schafen nicht langfristig am Markt bewähren werden - trotzdem hält er die gesamte Regelung „für ziemliche Augenwischerei - denn sie wird den Mietern nicht zugute kommen“. Vor allem in begehrten Wohnlagen würden Vermieter versuchen, Mehrkosten schlicht auf die Miete umzulegen. Dann steigt die Monatsmiete, und langjährige Mieter zahlen unterm Strich mehr Geld, als sie einmalig für die Courtage bezahlt hätten. „In Ballungsgebieten werden sich die Mieter durchsetzen, die mehr Miete zahlen können“, sagt von Wülfing. Ob man das besonders sozialverträglich finde, müsse jeder für sich selbst entscheiden. „Wir fahren eine klare Linie: Wir sind Dienstleister und setzen das um, was das Gesetz vorschreibt.“

Ruggeri rechnet mit Umsatzeinbußen

Maklerin Ruggeri, bekannt als hannoversche Maklerin Hering aus der Privatfernseh-Soap „Mieten kaufen wohnen“, ist überzeugt, dass ihre Branche mit schuld am Umbruch ist. „Viele Mieter haben das Gefühl gehabt, keine angemessene Dienstleistung für ihr Geld bekommen zu haben - und das wird in vielen Fällen auch so gewesen sein.“ Sicherlich würden jetzt viele Vermieter versuchen, ihre Wohnungen wieder selbst zu vermarkten, statt den Makler zu bezahlen. Ruggeri rechnet daher zunächst mit Umsatzeinbußen von bis zu 40 Prozent. Ihre Antwort sind Dienstleistungspakete: Vermieter, die von ihr etwa ein Exposé fertigen lassen, aber die Mieter dann selbst suchen wollen, zahlen dafür 200 Euro. Den gleichen Preis kostet das Anfertigen von Fotos einer Wohnung. Bei Vielfachaufträgen gibt es Rabatt. „Wir Makler müssen lernen, gute Dienstleistungen anzubieten - dann wird es genauso selbstverständlich, uns zu bezahlen, wie bei Anwälten oder Steuerberatern“, sagt sie.

Eine Frage bleibt für sie aber ungeklärt: Wenn ein Mieter sie beauftragt, eine Wohnung zu suchen, und sie eine passende Wohnung aus dem Portfolio eines Vermieters hat - wem stellt sie dann die Kosten in Rechnung? Und wer bezahlt, wenn dieser Mieter sie dann doch nicht nimmt und sie die Wohnung an einen anderen vermittelt? „Eine Regelung Hälfte-Hälfte wäre fair gewesen“, sagt sie. So aber ist die sich einig mit von Wülfing und dem Mieterbund: Es wird wohl zunächst viele Prozesse zu der Neuregelung geben.

Viel Kritik an der neuen Mietpreisbremse

Ob in Hannover die am Donnerstag ebenfalls beschlossene Mietpreisbremse zum Einsatz kommt, ist offen. „Ich habe da erhebliche Zweifel“, sagt Susanne Schönemeier vom Mieterbund und moniert: „Bisher hat das zuständige Sozialministerium uns gegenüber signalisiert, man sehe dafür keine Notwendigkeit.“ Im Grundsatz begrüßt der Mieterbund die Bremse, die in Hochpreisgegenden den Mietpreis auf maximal zehn Prozent über der ortsüblichen Vergleichsmiete begrenzen soll. Kostet eine Wohnung dort also 7,10 Euro pro Quadratmeter, darf der Preis bei Neuvermietung maximal 7,81 Euro betragen.

„Zu viele Ausnahmen“: Der Mieterbund kritisiert, dass alle nach Oktober 2014 gebauten und alle grundsanierten Wohnungen ausgenommen sind. Auch geht es nur um den Anstieg – wird bisher eine hohe Miete genommen, darf diese weiter kassiert werden. Zudem sind keine Sanktionen gegen Vermieter festgelegt. „Die Immobilienwirtschaft hat ihre Interessen durchgesetzt“, sagt Schönemeier.

Klage angedroht: Die Immobilieneigentümergemeinschaft Haus & Grundeigentum hat in der HAZ bereits Klage angekündigt, falls in Hannover die Preisbremse eingeführt wird.

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