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Aus der Stadt Mikrobiologen fahnden in Hannover nach dem EHEC-Erreger
Hannover Aus der Stadt Mikrobiologen fahnden in Hannover nach dem EHEC-Erreger
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17:29 24.05.2011
Mehrere Stunden lang werden dafür die Proben der möglicherweise Erkrankten bei 37 Grad Celsius durchgeschüttelt. Quelle: dpa (Symbolbild)

Doris Wagner hält ein Röhrchen mit einer gelblichen Flüssigkeit gegen das Licht. Sie ist eine von vielen Mikrobiologinnen, die deutschlandweit auf der Suche nach dem gefährlichen Durchfallkeim EHEC sind. Sie und ihre vier Kolleginnen in Hannover hoffen, dass bald der Infektionsherd gefunden ist - so lange testen sie außergewöhnlich viele Stuhlproben von blutigem Durchfall.

Mehrere Stunden lang werden dafür die Proben der möglicherweise Erkrankten bei 37 Grad Celsius durchgeschüttelt - „bebrütet“, nennt es Wagner. So vermehrt sich der Erreger und lässt sich in den Laboren besser nachweisen.

„Es könnten minütlich mehr Infizierte werden“, sagt Holger Scharlach vom Gesundheitsamt Niedersachsen. Rund 170 EHEC-Verdachtsfälle in Niedersachsen und Bremen sind es bislang, in Schleswig-Holstein mehr als 200. Alle Patienten könnten von einem Nierenversagen bedroht sein.

Drei Menschen sind an dem Bakterium bislang wohl gestorben. Eine 83-Jährige aus dem Kreis Diepholz erlag dem Keim, wie das niedersächsische Gesundheitsministerium bestätigte. Eine 24 Jahre alte Frau starb mit Verdacht auf den gefährlichen Durchfall-Erreger in der Nacht zum Dienstag in einer Bremer Klinik. Und im Krankenhaus von Bad Oldesloe (Schleswig-Holstein) starb eine ältere Frau bereits am Sonntag. Ob die EHEC-Infektion hier wirklich die Todesursache ist, stand nach Angaben des Gesundheitsministeriums in Kiel zunächst nicht fest.

Mikrobiologin Wagner will bei den Krankheitsverdachten für Klarheit sorgen. „Das ist unser Wellnessprogramm für das Bakterium“, erklärt sie den ersten Schritt vor der Probe auf den EHEC-Erreger, den ELISA-Test. Für den Antigen-Antikörper-Test gibt sie hundert Mikroliter der durchgeschüttelten und erwärmten Lösung mit Resten der Stuhlprobe in ein kleines Reagenzglas.

Eine Farbreaktion verrät das Bakterium. „Je gelber die Bouillon wird, desto stärker reagiert der Giftstoff im Stuhl“, sagt Wagner. Tut sich nichts und die Flüssigkeit bleibt transparent, ist der Durchfall-Erreger nicht vorhanden und der Patient nicht an EHEC erkrankt. Sie freue sich natürlich immer, wenn ein Test negativ ausfalle, meint Wagner. Endgültige Gewissheit gibt ein zweiter Test namens PCR, bei dem die DNA-Stränge des Bakteriums nachgewiesen werden.

„Es ist sehr ungewöhnlich, dass momentan so viele Proben auf EHEC bei uns eingehen“, sagt Wagner. Zwischen 15 und 20 seien es pro Tag. „EHEC ist ein Saisongeschäft - wir haben vor allem im Sommer immer wieder mit dem Keim zu tun.“ Doch in den Fällen der Vergangenheit war die Ursache der Infektion schnell ausgemacht. Vor zwei Jahren hatte sich eine ganze Schulklasse durch frische Milch auf einem Bauernhof mit EHEC infiziert. „Das ist der Klassiker“, meint Wagner.

Bei den aktuellen Fällen jedoch scheinen Fleisch und Milch als Infektionsquelle auszuscheiden. Befragungen von Patienten deuten auf verseuchtes Gemüse hin, das möglicherweise mit Gülle von infizierten Rindern gedüngt wurde.

„Wir können bei der Ursachensuche helfen, wenn ein einheitlicher Stamm der EHEC-Erreger festgestellt wird“, erläutert Wagner. Finde sich ein Nahrungsmittel mit dem gleichen Bakterienstamm wie bei den menschlichen Proben, sei der Infektionsherd gefunden: „Das wäre der Beweis.“

dpa

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