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Aus der Stadt Millioneninvestition soll Leine-Ufer in Hannover Charme verleihen
Hannover Aus der Stadt Millioneninvestition soll Leine-Ufer in Hannover Charme verleihen
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00:15 09.03.2013
Von Conrad von Meding
Bald Flaniermeile: Das steinerne Altstadtufer der Leine ist eigentlich nur an Flohmarkttagen belebt. Jetzt soll es behutsam neu gestaltet werden. Mehrere Neubauten sind  geplant. Quelle: Thomas
Hannover

Verstaubt und vielfach auch etwas lieblos sieht die Uferkante der Altstadt-Leine aus. Betoncharme der siebziger Jahre und ungepflegtes Buschwerk prägen das Bild am Fluss - ausgerechnet auf der Seite, die jeden Nachmittag im Sommer von der Sonne beschienen wird. „Andere Städte von Konstanz bis Saarbrücken sind etwas weiter damit, ihre Qualitäten am Wasser zu entwickeln“, sagte Stadtbaurat Uwe Bodemann am Mittwoch - und stellte die Pläne vor, wie Hannover sein Hohes Ufer in den nächsten Jahren mit weit mehr als 20 Millionen Euro entwickeln wird. Die Stadt selbst finanziert nur einen Teil der Arbeiten. Unternehmen wie der Wohnungsbauer Helma und andere übernehmen ebenfalls Kosten - weil sie Neubauten an der Uferkante erstellen.

Der Ort ist nicht irgendeine Stelle am Rande der Altstadt, sondern eng verknüpft mit Hannovers Gründungsmythos. Irgendwo hier muss die Furt gewesen sein, an der die Leine zu durchqueren war, direkt am „Hohen Ufer“, das nicht nur der benachbarten Straße, sondern wohl auch der Stadt ihren Namen gab.

Heute ist dieses Hohe Ufer eigentlich nur an Flohmarkttagen belebt. „Ich könnte mir vorstellen, dass hier bald wieder eine beliebte Flaniermeile entsteht, auf der man gerne Kaffee trinkt oder den Sonnenuntergang auf der Steintreppe am Ufer genießt“, sagt Stadtbaurat Bodemann. Sein Vorbild etwa ist die „Schlachte“ in Bremen. Umgebaut in den neunziger Jahren, ist das Areal heute eine beliebte Flaniermeile an der Weser. „An schönen Tagen findet man dort allabendlich bis zu 6000 Menschen“, sagt Bodemann. „Ganz so viele werden es am Hohen Ufer nicht sein, aber wir können daran arbeiten, dass das Altstadtufer in Hannover stärker zum Zielort für Städtetourismus wird.“

Das Umbauprojekt ist in vier Abschnitte geteilt. Die ersten beiden, die bis 2016 abgeschlossen sein sollen, werden rund fünf bis sechs Millionen Euro kosten - zusätzlich zu den hohen Millionensummen, die in Neu- und Umbauten von Immobilien investiert werden. Am Ende soll das Hohe Ufer zwischen der Schlossstraße im Osten und der Goethestraße im Westen ein einheitliches Bild ergeben, eine Fläche gesäumt von einer zweireihigen Allee aus Bäumen, im Westen mit einer Freitreppe zum Wasser, vor dem Beginenturm vielleicht mit einer neu gestalteten Rampe hinunter zur historischen Pferdeschwemme. Entfernt werden die nicht mehr zeitgemäßen Betonbalkone in der Ufermauer („Briketts“ nennt Bodemann diese Architektur), die ohnehin baufällig sind und abgestützt werden müssen; insgesamt wird die Uferkante klarer gegliedert.

Start auf Schulgrundstück: Ende Mai beginnen die Bauarbeiten, zunächst geht es auf dem ehemaligen Hauptschulgrundstück los. Dort startet die gut neun Millionen Euro teure Totalsanierung und Modernisierung des alten Gebäudes, das zur Volkshochschule umgebaut wird. Etwa zeitgleich beginnen auf dem Schulhof die archäologischen Untersuchungen des Untergrunds - denn dort baut das Wohnungsunternehmen Helma zwei Gebäude. Björn Jeschina, Geschäftsführer der Helma-Wohnbausparte, ist begeistert, dass mit seinem Bauprojekt nun auch die Gesamtaufwertung des Ufers einhergeht. „Das hätten wir gar nicht zu hoffen gewagt, als wir uns um das Grundstück beworben haben“, sagt er. Im Frühsommer soll ein Architektenwettbewerb mit zehn beteiligten Büros Klarheit darüber bringen, wie die Gebäude gestaltet werden. Was hineinkommt, steht schon fest. Zehn bis zwölf Wohnungen sollen in den Obergeschossen der beiden Gebäude auf dem alten Parkplatz eingerichtet werden, mit zusammen etwa 975 Quadratmetern Fläche. Im Erdgeschoss soll das Gebäude, das zur Burgstraße ausgerichtet ist, Läden beinhalten. Das andere, zum Ufer weisende Haus bekommt eine besondere Gastronomie.

Das Café Leineblick: Clou dieser Gastronomie soll ein Kellercafé sein, das sich unter dem Gebäude und unter der Uferpromenade hindurch zur Leine erstreckt. Die großen Glasscheiben dieser Gastronomie öffnen sich dann zur unteren Promenade des Steinufers. Vorbild ist der Dalmann-Kai in der Hamburger Hafencity, wo derartige Projekte bereits umgesetzt wurden. Acht Millionen Euro lässt sich Helma das ambitionierte Projekt am Wasser insgesamt kosten. Bei den archäologischen Grabungen werden kaum Überraschungen erwartet. „Wir rechnen zum Beispiel mit Überresten der alten Stadtmauer“, sagt Jeschina.

Marstall-Bebauung: Ebenfalls im Frühsommer startet die Stadt die Suche nach Käufern für zwei Grundstücke auf dem bisher nur als Parkplatz genutzten Marstall. Zum Leineufer hin könnten ebenfalls Wohnungen und ein Café entstehen, auf dem Grundstück an der Ecke Schmiedestraße vielleicht ein Bürohaus, vielleicht aber auch Studentenwohnungen „oder auch eine neue Polizeidirektion Mitte - wir sind da offen“, sagt Bodemann.

Freitreppe: In dem Uferabschnitt zwischen der Brücke Goethestraße und der Martin-Neuffer-Brücke (früher: Marstallbrücke) will die Stadt eine breite Freitreppe anlegen, auf der sich Sonnenhungrige niederlassen und den Blick aufs Wasser genießen können. Die Treppe führt entgegen früheren Plänen nicht ganz hinab bis ans Wasser, weil sie dann zu steil würde. Die alte Steinbastion vor dem Üstra-Gebäude soll allerdings weichen.

Üstra-Gebäude: Das Nahverkehrsunternehmen plant, seinen Firmensitz an der Ecke Goethestraße/Am Hohen Ufer umzubauen. Das schwarzgraue, verschlossen wirkende Gebäude ist in die Jahre gekommen. „Es besteht seit mehr als 50 Jahren“, sagt Üstra-Sprecher Udo Iwannek. Die Planungen sollen weitgehend fertiggestellt sein, sie werden demnächst dem Aufsichtsrat vorgestellt. Stadtbaurat Bodemann berichtete gestern, dass im Erdgeschoss wahrscheinlich Gastronomie und eine stärkere Öffnung zur Leine geplant sei.

Furt: Bisher noch nicht im Finanzierungskonzept enthalten ist die niedrige Furtbrücke, die einem prämierten Entwurf des Büros KSW zufolge vor den Beginenturm gebaut werden könnte. Bodemann wollte gestern keine Jahreszahl nennen, wann diese Brücke gebaut werden könnte.

Leinemauern: Der Bauausschuss hat gestern einmütig der Planung zugestimmt, die baufällige Mauer der alten Leineinsel neben der Brücke Schlossstraße zu erneuern. Sie soll optisch ergänzt und mit einer Treppe zum Wasser versehen werden.

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