Menü
Hannoversche Allgemeine | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
Aus der Stadt Mindestlohn lässt Gastronomiepreise steigen
Hannover Aus der Stadt Mindestlohn lässt Gastronomiepreise steigen
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
15:50 02.12.2011
Mit Preiserhöhungen in Hannovers Restaurants und Kneipen rechnet der Deutsche Hotel- und Gaststättenverband (Dehoga). Quelle: dpa
Anzeige
Hannover

Auch manche Gastronomiebetreiber halten steigende Preise für möglich. Der Mindestlohn von 7,94 Euro pro Stunde stößt bei ihnen auf ein geteiltes Echo. Manche halten die Regelung für einen überzogenen Eingriff in ihre Lohnpolitik, andere sehen eine Chance, sich gegen die abzugrenzen, die Dumpinglöhne zahlen.

Der Mindestlohn gilt ab sofort, weil das niedersächsische Wirtschaftsministerium erstmals Teile des zwischen den Tarifpartnern ausgehandelten Entgeltvertrages für allgemeinverbindlich erklärt hat. Der Vorstoß wurde von der Dehoga und der Gewerkschaft Nahrung, Genuss, Gaststätten (NGG) mitgetragen.

Anzeige

Stefan Meinke von der „SonderBar“ am Raschplatz hält wenig davon. „Die Vorschrift hebelt meine Lohnpolitik aus“, kritisiert er. Er habe seine Mitarbeiter bisher nach Erfolg und Engagement bezahlt, so hätten einige bereits mehr verdient, als der Mindestlohn vorschreibt: „Am Ende zahlen nun die Angestellten und Gäste die Zeche.“ In der „HBX“-Brauerei und im „Mezzo“ im Pavillon bewertet man den Mindestlohn positiv. „Ich finde das gut, denn ein Job in der Gastronomie ist harte Arbeit“, sagt „Mezzo“-Chefin Gabi Prinzen. Sie bezahle ohnehin übertariflich, Trinkgelder würden aufgeteilt. „Bei den Preisen wird sich darum nichts ändern“, versichert Prinzen. Ein Job in der Gastronomie müsse angemessen entlohnt werden, meint auch „HBX“-Chef Bernd Kirsch. Durch den Mindestlohn entstehe zudem ein Druck auf „schwarze Schafe“ der Branche, ihr Personal auch angemessen zu entlohnen, sagt Kirsch, der nach eigenen Angaben zwischen 8 und 10 Euro zahlt. Dem Vernehmen nach verdienen Gastronomiemitarbeiter im Stadtgebiet bisher zwischen 6,50 Euro und 9 Euro. „8 Euro wäre schon gut“, sagt ein Angestellter einer Kaffeekette, der nicht genannt werden möchte.

„Der Mindestlohn ist ein Schritt in die richtige Richtung“, sagt Dehoga-Chef Balke. Die Konkurrenz zwischen tariftreuen Mitgliedern und denen, die sich nicht an Tarifabschlüsse halten, werde entschärft. Zudem sei es wichtig, das Image der Branche gegenüber dem Einzelhandel attraktiv zu gestalten. Bei der Kontrolle der Betriebe sieht Balke die Dehoga-Mitglieder in der Pflicht. Zudem würden die Sozialversicherungsträger die Beträge, die sich aus dem Mindestlohn ergeben, nun konsequent einfordern. Für die NGG ist die Regelung für die niedersächsische Gastronomie mit etwa 140 000 Beschäftigten nur ein Teilerfolg. Sie hält an einem künftigen Mindestlohn von 8,50 Euro für alle Branchen in Deutschland fest.

Jan Sedelies und Stefanie Kaune

02.12.2011
Aus der Stadt Drogenvorwürfe und Spendenmissbrauch - DRK wusste schon lange Bescheid
01.12.2011