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Aus der Stadt Die Stadt des kleinen Mannes
Hannover Aus der Stadt Die Stadt des kleinen Mannes
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08:03 12.02.2015
Von Rüdiger Meise
Großes Rathaus ganz klein: Ein Miniatur-Maler sitzt vor Hannovers beliebtestem Motiv.
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Hannover

Der Jäger ist kaum zu sehen. Gut getarnt sitzt er auf einem Holzzaun im Tiergarten und legt auf einen Sprung Rehe an. Die Tiere bemerken ihn nicht - vielleicht, weil der Jäger nur drei Zentimeter groß ist und aus Plastik. Der Fotograf Christian Haase hat für seinen Bildband Miniaturfiguren in einem sinnvollen Kontext vor markanten hannoverschen Motiven fotografiert - nach dem Vorbild des britischen Streetart-Künstlers Slinkachu, der mit seinen „Little People“ berühmt geworden ist. Entstanden ist daraus der verspielte Bildband Lütje Lüüd - den man nach dem ersten Durchblättern durchaus noch ein zweites oder drittes Mal zur Hand nimmt.

Besonders gut sind Haases Bilder, wenn nicht nur die optische Inszenierung passt, sondern er auch eine originelle Idee verwirklicht. Wenn der Leser nicht wüsste, dass reale Menschen in dem Buch nicht vorkommen, könnte man den Anstreicher in der U-Bahn-Station Sedanstraße glatt für einen solchen halten. Er malt rote Punkte an die Wand. Viel Arbeit für einen kleinen Mann. Haases winzige Wesen sanieren in Schutzanzügen das Conti-Gelände in Limmer, angeln am Mittellandkanal oder restaurieren unbemerkt Graffiti am Lister Platz.

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Gibt es die reale Stadt Hannover?

Christian Haase, Jahrgang 1970, lebt und arbeitet seit mehr als 20 Jahren in Hannover. Zwei Jahre lang ist er für das Buch mit seiner Kamera durch die Stadt gezogen und hat überlegt, mit welchen Figuren er die schon so oft fotografierten Motive in Szene setzt. Im Vorwort dazu gibt sich Dietrich zur Nedden alle Mühe, nachzuweisen, dass es die reale Stadt Hannover eigentlich gar nicht gibt - die Bielefeld-Verschwörung lässt grüßen.

Natürlich darf in keinem Bildband über Hannover das malerische Neue Rathaus fehlen - wahrscheinlich das meistfotografierte Gebäude der Stadt. Diesen Reflex karikiert Haase, indem er auf dem Titelbild des Buches einen winzigen Maler ein noch winzigeres Bild des Rathauses anfertigen lässt. Vielleicht ist es sogar ein Selbstporträt des kleinen Künstlers vor dem großen Rathaus. Dann würde sich das Motiv in miniaturisierter Ewigkeit fortsetzen. Aber um das zu erkennen, ist es nun wirklich zu klein.

Bleibt noch anzumerken, dass der Autor das Wort „Lütje“ mit nur einem „t“ schreibt - anders als die HAZ ihre „Lüttje Lage“. Aber Text ist sowieso nicht die Stärke des Bildbands.

Erschienen ist Lütje Lüüd im Mitteldeutschen Verlag, 96 Seiten. Es ist zum Preis von 14,95 Euro im Buchhandel erhältlich.

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