Menü
Hannoversche Allgemeine | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
Aus der Stadt Misburger Hochhaus kein Einzelfall
Hannover Aus der Stadt Misburger Hochhaus kein Einzelfall
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
08:08 31.07.2010
Von Conrad von Meding
Wird für Mieter zum Problemfall: Das Hochhaus in der Sven-Hedin-Straße bei dem der Fahrstuhl defekt ist.
Wird für Mieter zum Problemfall: Das Hochhaus in der Sven-Hedin-Straße bei dem der Fahrstuhl defekt ist. Quelle: Martin Steiner
Anzeige

Unter anderem betroffen: ein schwerbehindertes Ehepaar aus dem fünften Stock. Sie tragen ihre Einkäufe nun täglich zunächst in den Keller und dann portionsweise nach oben. „Wir können ohnehin kaum Stufen steigen – die Einkäufe in einem Stück mitzuschleppen wäre undenkbar“, sagt der 79-jährige Mieter.

Offenbar ist das Problem mit der Wartung technischer Einrichtungen in den Siebziger-Jahre-Häusern größer als vermutet. Die Fondsgesellschaft Deutsche Annington, nach eigenen Angaben größter Vermieter am Markt, hat in den vergangenen Jahren Tausende Wohnungen gekauft, spart jetzt aber an den Kosten für die Unterhaltung. Ein Sprecher bestätigte Berichte der Mieter, dass die Wartungsverträge mit der Herstellerfirma Otis aus Kostengründen gekündigt seien. Stattdessen habe das Unternehmen einen Vertrag mit der Bahntochter DB Service Nord abgeschlossen – die war offenbar preiswerter.

Acht Wochen lang war, wie kürzlich berichtet, in einem Haus im Stilleweg der Fahrstuhl ausgefallen. Mieter klagten, dass Anrufe beim Callcenter des Vermieters folgenlos blieben, stets würden sie nur vertröstet. Gegenüber der HAZ bestätigte eine Annington-Sprecherin, dass dringend benötigte Ersatzteile noch nicht geliefert seien. Am gleichen Tag allerdings, als der Zeitungsbericht erschien, glückte Technikern überraschend das, was vorher nicht möglich schien: eine zumindest notdürftige Reparatur des Aufzugs.

In der nahen Sven-Hedin-Straße 21 ist die Situation nicht besser. „Im Mai wurde der Fahrstuhl repariert, nachdem er sechs Wochen defekt war“, sagt eine 81-Jährige Mieterin: „Jetzt ist er wieder seit zehn Tagen kaputt, und keiner kann sagen, wie es weitergeht.“

Vermietersprecher Rolf Krämer bedauert routinemäßig den Vorfall und delegiert die Schuld an die Wartungsfirma. Die habe die Reparatur für die Vorwoche angekündigt, dann aber habe sich die Ersatzteillieferung verzögert. Defizite auch beim Hausmeisterdienst, der inzwischen an eine Fremdfirma vergeben und nach Mieterangaben kaum erreichbar ist, will er aber offiziell nicht bestätigen. Insbesondere widerspricht er dem Eindruck, das Unternehmen spare, um hohe Renditen zu erwirtschaften. In den vergangenen Jahren sei kein Cent an die britische Muttergesellschaft abgeführt worden, sagt er: „Wir stecken alles in die Häuser.“

Bei den Mietern mag man das kaum glauben. „Der frühere Eigentümer, die Deutschbau, hatte immer Ansprechpartner“, sagt eine Mieterin: „Jetzt werde ich nur noch am Telefon vertröstet.“

Conrad von Meding 30.07.2010