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Aus der Stadt „Ich will Klischees brechen“
Hannover Aus der Stadt „Ich will Klischees brechen“
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00:17 20.09.2014
Von Rüdiger Meise
Foto: Halima Wandel fällt auf - mit Dirndl und Tattoos. Nun wird für "Miss Dirndl 2013" eine Nachfolgerin auf dem hannoverschen Oktoberfest gesucht.
Halima Wandel fällt auf - mit Dirndl und Tattoos. Nun wird für "Miss Dirndl 2013" eine Nachfolgerin auf dem hannoverschen Oktoberfest gesucht. Quelle: Eberstein
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Frau Wandel, Sie sind „Miss Dirndl 2013“ und großflächig tätowiert. Das Thema polarisiert kräftig – das hat auch die HAZ jetzt wieder erfahren, als sie entschied, Ihre Tattoos auf einem Bild zu retuschieren. Welche Reaktionen spüren Sie im täglichen Leben?
Eigentlich nur positive. Natürlich schauen Leute mich an – zum Beispiel in der Stadtbahn. Aber wenn mich Menschen auf meine Tattoos ansprechen, dann auf offene, interessierte Art.

Hatten Sie durch ihren Körperschmuck schon mal Nachteile? Zum Beispiel bei Bewerbungen?
Nein, noch nie. Allerdings arbeite ich seit 15 Jahren in meinem Beruf als Erzieherin und habe erst später begonnen, mich tätowieren zu lassen. Übrigens kommen die Bilder bei den Kindern super an. Auf meinem rechten Arm habe ich lauter Märchenmotive – Rapunzel, Peter Pan, und demnächst kommt noch eine Figur aus Disneys „Küss den Frosch“ dazu.

Alljährlich wird auf dem Oktoberfest in Hannover die Miss Dirndl gewählt. Die Siegerin des vergangenen Jahres, Halima Wandel, hat sich auf dem Festplatz schon einmal umgesehen.

Sie haben da einen ziemlich niedlichen Totenkopf mit Schlafzimmerblick und rosa Schleife auf Ihrem Dekolleté ...
Ja, süß, oder? Diese Art des Tattoos gefällt mir. Ich versuche mit den Motiven ganz bewusst, Klischees zu brechen und Schubladendenken entgegenzuwirken. Nicht jeder, der tätowiert ist, hat eine Vorstrafe. Im Gegenteil. Ich versuche, Kinder so zu erziehen, dass sie keine Vorstrafe bekommen. Das gilt auch für meine eigenen drei Kinder.

Welches war ihr erstes Tattoo?
2004 habe ich mir meinen Namen über die Hüfte stechen lassen. Dann ließ ich mir den Rücken tätowieren, dann den linken Arm, das Dekolletee, den rechten Arm ... Sich stechen zu lassen kann wie eine Sucht sein. Ein Kampf gegen Normalität.

Tattoos sind aber wie vieles andere Moden unterworfen. Ein „Geweih“ über dem Steißbein galt mal als cool, dann wurde es so omnipräsent, dass es alle Originalität verlor. Haben Sie keine Angst, dass es Ihnen mal genauso geht?
Nein. Alle meine Bilder haben mit mir selbst zu tun, daher sind sie keiner Mode unterworfen beispielsweise wie ein Tribal. Meine Motive sind individuell und zeitlos, ich habe alle selbst mitentwickelt. Übrigens möchte ich damit auch niemanden provozieren – es geht mir gar nicht um andere, es geht um mich.

Wie haben Ihre Freunde und Ihre Familie reagiert, als die Tattoos immer mehr wurden?
Tatsächlich bringt es die Tätowiererei mit sich, dass man sich immer mehr in einem Umfeld bewegt, das selbst Körperschmuck trägt. Man entwickelt ein gegenseitiges Verständnis füreinander, ich habe fast nur noch Freunde, die ebenfalls tätowiert sind.

Haben Sie den Eindruck, dass die Akzeptanz von Tätowierungen in der Gesellschaft zunimmt?
Ja. Tätowierungen werden übrigens auch zunehmend kommerzialisiert, tauchen beispielsweise in der Werbung auf, um Zielgruppen gezielt anzusprechen. Und bei der Fußball-WM neulich war ich überrascht, wie viele Fußballer mittlerweile tätowiert sind. Bei meinem Job im Kindergarten lerne ich Familienväter kennen, die sich mit Ende Vierzig Tattoos stechen lassen.

Die Macher von Radio 21 haben erzählt, dass Ihre Tattoos für Ihre Wahl zur „Miss Oktoberfest“ keine Rolle gespielt haben. Stimmt das?
Kann schon sein. Ich denke, ich habe die Jury mit meiner Persönlichkeit und meiner offenen Art überzeugt.

Das haben die auch gesagt.
Allerdings ergeben die Tattoos zusammen mit dem Dirndl natürlich ein Spannungsverhältnis, das die wahrscheinlich ziemlich cool fanden ...

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