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Aus der Stadt Produzent Ralf Zitzmann bricht sein Schweigen
Hannover Aus der Stadt Produzent Ralf Zitzmann bricht sein Schweigen
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07:39 29.09.2015
Von Bärbel Hilbig
„Jeder weiß, dass das ein Witz ist“: Ralf Zitzmann über kurze Verjährungsfristen.
„Jeder weiß, dass das ein Witz ist“: Ralf Zitzmann über kurze Verjährungsfristen. Quelle: Zandel
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Hannover

Von allein wäre Ralf Zitzmann wohl nie auf die Idee gekommen, mit seiner Geschichte an die Öffentlichkeit zu gehen. 13 oder 14 war er, als sein Fußballtrainer im Trainingslager in sein Zimmer kam und ihn missbrauchte. Lange hat der heute 51-Jährige mit niemandem darüber geredet. „Ich habe das völlig weggeschoben. Das war nicht ich.“ Erst seiner jetzigen Frau erzählte er von dem Übergriff – und diesen Sommer einem doch recht großen Publikum im Magazin „Stern“.

Das Blatt hatte eine Kampagne aus den USA nach Deutschland geholt, bei der Betroffene von sexueller Gewalt einen Satz ihres Peinigers in die Kamera halten. Die amerikanische Fotografin Grace Brown hatte die Idee, die perfide Gewalt in der Sprache der Täter zu zeigen und zurückzuwerfen. In Deutschland bekamen der hannoversche Fotograf Franz Bischof und Lena Kampf den Auftrag. Zitzmann hörte von seinem Freund Bischof, wie schwierig Männer für das Projekt zu finden seien, und entschloss sich, sein Schweigen zum zweiten Mal zu brechen. Er hält den Satz „Ralf, wir verstehen uns ja, oder?“ in die Kamera.

Der Musikproduzent und Veranstalter der Clubreihe „Calamari Moon“ in der Cumberlandschen Galerie ärgert sich vor allem über die kurzen Verjährungsfristen für sexuellen Missbrauch. „Jeder weiß, dass das ein Witz ist.“ Zitzmann selbst rettete sich in seiner Jugend, indem er, der talentierte Spieler, Fußball von einem auf den anderen Tag aufgab. Nachfragen tat er jedes Mal mit einem lockeren Spruch ab.

Der Sportler wurde zum manischen Bücherleser, studierte Schauspiel und ließ sein erstes Engagement sausen, weil er, damals noch in Braunschweig, einen Musikclub gründete. „Ich bin wirklich gut weggekommen. Für mich haben sich ganz andere Welten geöffnet.“ Dennoch gibt es Fragen, die ihn weiter beschäftigen. „Institutionen neigen dazu, sexuellen Missbrauch unter dem Teppich zu halten. Sie schmeißen den Täter raus, und der kann im nächsten Verein weitermachen.“ Bei der „Stern“-Aktion machte Zitzmann mit dem Hintergedanken mit, dass sich frühere Mitspieler melden könnten, denen der Trainer ebenfalls zu nahe kam. „Ich kann mir nicht vorstellen, dass ich damals der Einzige war.“

Keiner hat sich gemeldet. Dafür haben ihm Freunde und Bekannte geschrieben und ihren Respekt ausgedrückt.     

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