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Aus der Stadt Mit Grapefruit gegen schlechte Stimmung
Hannover Aus der Stadt Mit Grapefruit gegen schlechte Stimmung
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10:52 01.08.2012
Von Veronika Thomas
Patientin Lena und Kinderkrankenschwester Simone Strohschein mit dem Grapefruit-Duft. Quelle: Steiner
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Hannover

Damit sollen sich unruhige Kinder besser entspannen können. Ideengeber war zunächst das Kinderkrankenhaus der Uni-Klinik Göttingen, das vor fünf Jahren mit dem Einsatz von Naturheilkundeverfahren begonnen hatte.

Nur wenig später ließen sich auch in der Kinderklinik auf der Bult einige engagierte Kinderkrankenschwestern schulen, um Einsatzmöglichkeiten und Dosierungen festzulegen. Gemeinsam mit der Kinderärztin und Homöopathin Gabriele Gerasch wurden Leitlinien für den Einsatz von Naturheilverfahren festgeschrieben. Als erstes kamen als Alternative zu Schmerzmitteln Globuli zum Einsatz, kleine Kügelchen aus Stärkemehl und Rohrzucker, die in der Homöopathie Anwendung finden. „Arnika-Globuli eignen sich besonders gut bei jeder Art von Verletzungen wie Stürzen, Prellungen oder vor Operationen“, sagt Kinderkrankenschwester Simone Strohschein von der Arbeitsgemeinschaft Naturheilkunde. Die Kinder bekommen, unabhängig von Alter und Gewicht, zwei bis drei dieser Kügelchen unter die Zunge, nicht mehr als dreimal alle 15 Minuten. „Das wirkt in den allermeisten Fällen“, erzählt Strohschein.

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Bewährt hätten sich auch Kamille für zahnende Kinder oder bei Ohrenschmerzen sowie das Bienengift Apis bei Schwellungen aller Art. Sollten die Globuli nicht wirken, was durchaus vorkomme, würden in Absprache mit den Ärzten andere Medikamente ausgesucht. „Aber keine Angst, wir würden nicht auf die Idee kommen, eine Lungenentzündung mit Globuli heilen zu wollen“, sagt die erfahrene Kinderkrankenschwester.

Als sanfte Alternative zu anderen Medikamenten bekommen kleine Patienten mit Husten und Bronchitis – immer in Absprache mit den Eltern der Kinder und den behandelnden Ärzten – auch lauwarme Brustwickel mit Lavendelöl. „Das wirkt wunderbar entkrampfend und beruhigend“, sagt Strohschein. Nach etwa 15 Minuten schliefen die Kinder ein. Zum Einsatz kommen auch Quarkwickel anstelle von Sportsalben, um Schwellungen zu kurieren. „Die Kinder lieben sie, weil sie so schön kühlen und die Schwellungen ganz schnell zurückgehen“, erzählt die 40-Jährige.
Als probates, schmerzlinderndes Mittel gegen Mittelohrentzündungen und Bronchitis haben sich auch die sogenannten Zwiebelsocken bewährt, ein altes Hausmittel aus Zeiten unserer Großeltern. Hier werden ein bis zwei Zwiebeln klein geschnitten und in die Socken der Kinder gegeben. „Das macht sogar noch mein 16-jähriger Sohn, weil es gut hilft“, erzählt die Kinderkrankenschwester. Es reiche auch aus, die Fußsohlen eines Kindes mit einer angeschnittenen Zwiebel einzureiben und anschließend die Socken anzuziehen. „Das ist für ältere Kinder sinnvoll, die sich ihre Strümpfe schon allein ausziehen können“, rät Strohschein.

Seit einer Fortbildung durch die bekannte Aromatherapeutin Ingeborg Stadelmann vor einem Jahr werden die Patienten der Kinderklinik auch mit naturreinen ätherischen Aromaölen therapiert. Die Duftmischung „Hans guck in die Luft“ hilft etwa bei schlechter Laune,  Grapefruit wirkt stimmungsaufhellend und bei magersüchtigen Patienten sogar etwas appetitanregend, und die Mischung „Geborgenheit“ kommt bei Kindern zum Einsatz, die unter Heimweh leiden.

Die 13-jährige Lena Wiemann aus Linden bei Uelzen fühlt sich einfach besser, seitdem sie ein- bis zweimal am Tag einen Tupfer mit einigen Tropfen Grapefruitöl neben ihrem Kopfkissen liegen hat. „Das riecht toll und macht eine bessere Stimmung“, sagt die Schülerin. Sie will sich das Öl jetzt auch für zu Hause anschaffen.

Aufgrund ihres Diabetes muss sie kostbare Ferienwochen in der Klinik verbringen und ist dementsprechend schlecht gelaunt. Den Duft hat sie sich selbst ausgesucht. „Jeder Mensch hat seine eigenen Vorlieben. Deshalb mag auch nicht jeder denselben Duft“, erklärt Strohschein. „Grundsätzlich finden es aber alle Kinder und Jugendlichen toll, wenn wir ihnen ein Aromaöl anbieten und sagen: ,Du, ich habe da etwas, damit es dir besser geht‘“. Der Effekt: Vor allem jugendliche Patienten im ansonsten eintönigen Klinikalltag fühlten sich auf diese Weise ernst genommen.

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