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Aus der Stadt Die Verkehrsfrage
Hannover Aus der Stadt Die Verkehrsfrage
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22:15 02.09.2014
Von Bernd Haase
VW Nutzfahrzeuge und die Stadt wollen gemeinsam die Mobilität der Zukunft entwickeln
VW Nutzfahrzeuge und die Stadt wollen gemeinsam die Mobilität der Zukunft entwickeln Quelle: Rainer Surrey
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Hannover

Die Gefahr, dass Hannover eine Megacity wird, ist überschaubar gering“, sagt Prof. Hans-Jörg Bullinger, ehemaliger Präsident der Fraunhofer Gesellschaft. Trotzdem steht die Stadt vor ähnlichen Herausforderungen wie die großen Metropolen der Welt, wenn es darum geht, zukunftstaugliche Verkehrs- und Logistikkonzepte zu entwickeln. „Wir brauchen eine Richtschnur für unser Handeln“, sagt Oberbürgermeister Stefan Schostok. Um sie zu definieren, hat sich die Stadt mit VW Nutzfahrzeuge zusammengetan. Die gemeinsame Veranstaltung „Intelligente Stadt - Mobilität nachhaltig vernetzen und teilen“ gestern im Alten Rathaus bildete den Start zum Weg dorthin, und der wird wohl sehr lang. „Eine Stadt zu verändern, das dauert“, erklärt Bullinger, einer der Referenten.

Das Problem ist auch in Hannover schon sichtbar, unter anderem in der Innenstadt. Weil der Onlinehandel ständig wächst und bei Industrie und Handel die Tendenz besteht, Warenströme zu optimieren, sind in der City immer mehr Lieferfahrzeuge unterwegs. Gleichzeitig wachsen Umweltbewusstsein und die Erkenntnis, dass man etwas tun muss, damit die Städte nicht verstopfen - und zwar ohne das Bedürfnis der Menschen nach Flexibilität und Mobilität zu unterlaufen. „Wir brauchen eine Verkehrsmanagementstrategie“, sagt Schostok.

VW Nutzfahrzeuge macht da gerne mit, schon aus eigenem Interesse. „Leichte Nutzfahrzeuge übernehmen den überwiegenden Teil der Dienstleistungs- und Versorgungsverkehre in den Städten“, sagt Eckhard Scholz, Vorsitzender des Markenvorstands der VW-Tochter. Praktikable Lösungen seien bereits vorhanden. Eigentlich sei der innerstädtische Lieferverkehr der perfekte Einsatzort für Elektro-Caddys. Sie könnten die Routen im Start-Stopp-Verkehr bewältigen und über Nacht auf Betriebshöfen oder bei Energieversorgern aufgeladen werden. Flottenversuche mit Logistikern und Handwerkern hätten gezeigt, dass die Elektrofahrzeuge vom Nutzwert her auf Akzeptanz stießen, sagt der VW-Nutzfahrzeugchef. Sie seien aber unterm Strich zu teuer. „Unsere Kunden sind Firmen und Unternehmer. Sie werden nur auf alternative Antriebe umsteigen, wenn sie einen wirtschaftlichen Vorteil für ihr Geschäft erkennen. Daran müssen wir arbeiten“, betont Scholz.

VW Nutzfahrzeuge will den Dialog mit der Stadt und anderen Partnern fortsetzen. Expertenforen seien ebenso vorstellbar wie Studienprojekte oder weitere Pilotvorhaben mit Fahrzeugflotten. Schostok sieht in der Mobilitätsfrage einen zentralen Bestandteil seines Programms „Zukunftsdialog Hannover 2030“, dessen Auftaktveranstaltung Ende des Monats anberaumt ist. Was die Verkehrsfrage für Hannover angeht, so wird seiner Einschätzung nach die konzeptionelle Arbeit noch das kommende Jahr in Anspruch nehmen. Wie lang der Weg in etwa dauern könnte, umriss Bullinger. Er schätzt, dass es bis 2050 dauert, ehe in einer Stadt wie Hannover nur noch Elektrofahrzeuge unterwegs sind.

Es gibt durchaus Ideen

Lösungsansätze für den Stadtverkehr von morgen gibt es schon. Eine Auswahl:

Vorfahrt für E-Autos: Um das Fahren mit Ökomodellen attraktiver zu machen, kann man sie von Parkgebühren befreien, Busspuren für sie öffnen oder, wenn der Bestand größer wird, ein Radikalmodell anwenden: In die Umweltzonen der Innenstädte dürften dann nur noch Elektrofahrzeuge fahren.

Carsharing: Wenn sich mehrere ein Auto teilen, gibt es weniger, dafür aber effizienter genutzte Fahrzeuge in den Städten. Das ist längst etabliert und unter jüngeren Menschen angesagt, aber vom Volumen her noch ausbaufähig.

Logistikstützpunkte: Die Paket- und Lieferfahrzeuge würden ihre Güter an einen zentralen Ort – in Hannover etwa an den früheren Hauptgüterbahnhof – transportieren. Von dort würden sie mit Elektrofahrzeugen in die Stadt gebracht. Die dazu notwendige Kooperationsbereitschaft innerhalb der Unternehmen der Logistikbranche ist allerdings nicht sonderlich ausgeprägt.

Gütertransport per Bahn: Die Üstra hat früher auch Güter transportiert. Das könnte sie theoretisch auch wieder tun. Praktisch würde wohl die Belastbarkeit des Schienennetzes dazu nicht ausreichen.

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