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Aus der Stadt Bretter, die die Welt besurfen
Hannover Aus der Stadt Bretter, die die Welt besurfen
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00:15 17.10.2013
Von Rüdiger Meise
Sven Brauers mit einem Skateboard und einem Sufbrett. Seine Firmengeschichte begann in einem Lindener Hinterhof.
Sven Brauers mit einem Skateboard und einem Sufbrett. Seine Firmengeschichte begann in einem Lindener Hinterhof. Quelle: Moritz Küstner
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Hannover

Angefangen hatte alles im Freibad von Melle, der Heimatstadt der beiden Brüder. Der Bademeister ließ die beiden täglich im Wellenbad außerhalb der Öffnungszeiten trainieren, und bald waren ihnen ihre Surfbretter nicht mehr gut genug. So begannen sie, Bretter selbst zu bauen.
Im Februar 2003 gründeten die Brüder in Linden ihre erste Firma: „Bufo-Boards“. Die Idee war, ein extrem schnelles, leichtes und widerstandsfähiges Brett zu bauen. Und dafür entwickelten sie ein revolutionäres Verfahren – und nannten es „Hydroflex“. Vor allem anspruchsvolle Wellenreiter – wie die Profis Josh Kerr, Chris Ward und Carissa Moore – fahren mittlerweile „Hydroflex“-Boards.

Vier internationale Patente halten die beiden Brüder inzwischen. „Allein die Patente haben uns insgesamt eine halbe Million Euro gekostet“, sagt Sven, nimmt einen Schluck Bier im Lindener Büro der beiden und zupft an seinem Schlabberpulli. Momentan sind die Brüder in Hannover und bringen von hier aus ihr neues Projekt auf den Weg – doch dazu später.

Innovationspreise, aber kein Investor

In den Anfangsjahren gewann „Bufo-Boards“ zahlreiche Innovationspreise, aber dennoch fand sich kein Investor. „Wir waren auf einer Menge Netzwerk-Partys – vergeblich. Häppchen essen können sie alle, aber keiner hat Geld in der Tasche“, sagt Sven Brauers. Rouven baute damals im französischen Hossegor – einem Zentrum der europäischen Wellenreiterszene – lediglich vier Boards pro Woche.

Dann kam VW. Der Autokonzern wurde auf die kleine Bretterschmiede aufmerksam und bot den Brüdern an, im Wolfsburger Werk zu forschen und zu produzieren. Bis zu 14 Mitarbeiter arbeiteten fortan in einer ursprünglich für Bentley vorgesehenen Halle an Surfbrettern. Doch nach wie vor fehlte ein potenter Investor.

Dann kam der Prinz. Irgendjemand hatte Kontakt zu Karl Friedrich Prinz von Hohenzollern hergestellt. Der landete mit seinem Privatjet – und zeigte sich im VW-Werk begeistert von der Firma der beiden. Mit dem Kapital des Hauses Hohenzollern ging es für die Brüder aufwärts. „Bufo-Boards“ begann, sich auf dem riesigen US-Markt einen Namen zu machen. Wegen des schwachen Dollarkurses hatten die Surfbretter aus Wolfsburg jedoch einen entscheidenden Preisnachteil in den USA. Also verlegten die beiden ihre Firma nach Kalifornien. „Ende 2009 begannen wir in den USA wieder bei Null“, sagt Brauers.

Inzwischen stellen in der

Fabrik der Brüder
zwölf Mitarbeiter etwa 2000 Surfbretter im Jahr her, und „Bufo-Boards“ produziert außerdem für die zehn größten Surfbrett-Hersteller der Welt – denn von der „Hydroflex“-Technologie der Firma wollen viele profitieren. „Du kannst dir das vorstellen wie bei Intel“, sagt Brauers – und dirigiert mit dem Finger den Intel-Slogan: Bombombompom ... „Die Bretter haben dann ,Hydrofelx-inside‘.“

Eigentlich hat Sven Brauers mal Gärtner gelernt, dann Kommunikationsdesign studiert. Beides hilft nicht unbedingt beim Surfbrettbau, aber vielleicht dabei, unkonventionell zu denken. „Fortschritt findet nur dann statt, wenn einer etwas anders macht, als es bisher getan wurde.“
Jetzt haben die Brüder eine neue Idee: Mit ihrer „Hydroflex“-Technik stellen sie nun auch Skateboards her. Das übliche Holzbrett wird durch einen mit Wabenmuster durchzogenen Schaumkern ersetzt. Wie beim Surfbrett erlaubt die Bauweise eine exakte Abstimmung der Fahreigenschaften und sorgt für ein einzigartiges Aussehen – eine Weltneuheit.

„Zehn Jahre Gründerstress“

Über die Crowdfunding-Plattform „

Kickstarter
“ vermarkten die beiden zurzeit ihre ersten Hightech-Skateboards. Bis Ende Oktober läuft ihre Produktpräsentation. „Wenn wir nach den Surfboards auch mit den Skateboards Fuß fassen, dann haben wir’s geschafft“, sagt Sven Brauers – und lehnt sich zurück. Er wünscht sich, endlich in geregelten Bahnen arbeiten zu können – „nach zehn Jahren Gründerstress“.

Allerdings interessieren sich mittlerweile auch andere Branchen für die „Hydroflex“-Technologie. So könnten damit in Zukunft möglicherweise Bootsrümpfe leichter und sicherer gebaut werden.

Vielleicht endet die Geschichte nicht hier, sondern beginnt erst.

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