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Aus der Stadt Mit und ohne Fury
Hannover Aus der Stadt Mit und ohne Fury
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20:36 30.05.2013
Von Juliane Kaune
Foto: Seit mehreren Jahren bietet Schumann, der in der Wedemark wohnt, Trommel-Workshops an, um Jugendlichen Selbstbewusstsein zu geben und das Gemeinschaftsgefühl zu stärken.
Seit mehreren Jahren bietet Schumann, der in der Wedemark wohnt, Trommel-Workshops an, um Jugendlichen Selbstbewusstsein zu geben und das Gemeinschaftsgefühl zu stärken. Quelle: Thomas
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In Arbeit war das Werk schon länger. Aber erst vor gut drei Wochen hatte er den Geistesblitz. Ab dem 8. Juni muss seine CD zu kaufen sein - wann sonst? „Da habe ich mich noch mal richtig reingehängt“, sagt Rainer Schumann. Er hat es geschafft. Pünktlich zum großen Revivalkonzert der vor fünf Jahren auseinandergegangenen Erfolgsband Fury in the Slaughterhouse liegt die Soloscheibe des Schlagzeugers vor. Erstmals zu kaufen beim als „Klassentreffen“ titulierten Auftritt der sechs Furys auf der Expo-Plaza.

Schumann strahlt. „Das fühlt sich gut an“, sagt er und meint beide Ereignisse. Besonders aber das Gefühl, zum ersten Mal etwas rundum Eigenes produziert zu haben. Ein Minialbum ist es geworden. Sieben Songs für 7 Euro. Aber alles, was drauf ist, kommt allein von ihm. Die Musik, die Texte, der Gesang, sämtliche Instrumente spielt er. Gitarre, Bass, ein bisschen Keyboard und - natürlich - Schlagzeug. „Wer weiß schon, dass ich als Gitarrist angefangen habe?“, fragt der 49-Jährige mit einem Schmunzeln. Zwölf Jahre alt war er, als er seine erste Gitarre bekam. Sieben Jahre später wurde für die erste Band, die er mit zwei der späteren Fury-Mitstreiter, Kai Wingenfelder und Christof Stein-Schneider, in einem Übungsraum in der Glocksee gründete, noch ein Drummer gebraucht, und Schumann sattelte um.

Vor etwa einem Jahr kam er auf die Idee, endlich einmal die eigenen, bisher unveröffentlichten Songs für alle hörbar zu machen. Seit Langem schlummerten sie auf den Festplatten seines Musikarchivs, manche schon seit zwei Jahrzehnten. Eine Form von „Ballast“ in der Datenbank sei das gewesen - aber auch ein Teil seines Lebens. Die mal rockigen, mal verträumten Lieder handeln vom Jungsein, Älterwerden, Elternwerden. Der Titelsong fasst die Lebensphilosophie des 96-Fans und Vaters von drei Jungen im Alter von 13, zwölf und zweieinhalb Jahren ganz gut zusammen: „Sunshine, Love, Music and Football“. Schumann ist Realist. „Mit meinem Album kann ich das Musikbusiness nicht von hinten aufrollen“, sagt er mit dem für ihn typischen Witz. Und es liest sich wunderbar selbstironisch, wenn er im Pressetext zu seinem Werk schreibt: „Ein Ausnahmesänger ist der Schumann nicht.“

Musik hat für ihn viele Facetten. Seit mehreren Jahren bietet Schumann, der in der Wedemark wohnt, Trommel-Workshops an, um Jugendlichen Selbstbewusstsein zu geben und das Gemeinschaftsgefühl zu stärken. Mit einem neuen Projekt konzentriert er sich auf die ältere Generation. „Klang und Leben“ nennt Schumann das anspruchsvolle Vorhaben. Mit seinem Freund Graziano Zampolin, der ein Weiterbildungsinstitut für Gesundheitsberufe leitet, hat er eine Musiktherapie für demente Menschen konzipiert. Ziel ist es, Erinnerungen durch Lieder aus der Vergangenheit wachzurufen und so die Lebensqualität der Erkrankten zu steigern. Der hannoversche Musikphysiologe Prof. Eckart Altenmüller begleitet das Projekt wissenschaftlich. Seitens der Musik sind prominente Partner dabei: Oli Perau singt, Lutz Krajenski spielt Klavier. Den Startschuss für die ersten zehn Veranstaltungen in verschiedenen Altenheimen gibt am 20. August Ministerpräsident Stephan Weil, Schauspieler Jan Josef Liefers ist Schirmherr, auch Bundessozialministerin Ursula von der Leyen (CDU) und SPD-Chef Sigmar Gabriel unterstützen das Projekt.

Erst aber kommt der 8. Juni. Dann werden 25.000 Fury-Fans auf der Plaza beim ausverkauften „Klassentreffen“ dabei sein. Es ist das größte Konzert, das die Band je gegeben hat. Mit „freudiger Spannung und spannender Vorfreude“ blickt Schumann dem entgegen. Auch nach dem Ende der Band sind die Drähte zwischen den sechs Furys nicht abgerissen. Aber alle zusammen sind seitdem nicht mehr vor Publikum aufgetreten. Darum wird jetzt geprobt, geprobt, geprobt - übrigens vor leerem Saal auf der Capitol-Bühne. Im Konzert gibt es nur die Hits der Band zu hören. „Wir haben 100 Prozent Fury versprochen, und das halten wir.“ Nach bisherigem Bekunden aller soll es ein einmaliges Ereignis bleiben. „Danach ist nichts Weiteres geplant“, sagt auch Schumann. Und lächelt.

Ab 14. Juni gibt es das Schumann-Album auch bei Amazon und iTunes.

Christian Link 30.05.2013