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Aus der Stadt Mitarbeiter bei Schlecker in Hannover leben in Angst
Hannover Aus der Stadt Mitarbeiter bei Schlecker in Hannover leben in Angst
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08:31 10.11.2010
Von Tobias Morchner
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Eine ungewöhnliche Überfallserie auf eine Filiale der Drogeriekette Schlecker in der Südstadt beschäftigt die Polizei. In diesem Jahr ist das Geschäft in der Straße An der Weide bereits viermal ausgeraubt worden. In allen Fällen betraten die Täter jeweils kurz vor Ladenschluss das Geschäft. Bei der jüngsten Tat am 19. Oktober reichten bereits Drohgebärden der mit Schals maskierten Männer aus, um die Angestellte so stark einzuschüchtern, dass sie die Kasse öffnete und den Tätern die Einnahmen überließ. Die Mitarbeiter des Marktes leben in Angst. „In der letzten Stunde vor Feierabend stehen wir mächtig unter Druck“, sagt eine Kassiererin, die namentlich nicht genannt werden will.

Auch die Mitarbeiter der an die Drogerie angrenzenden Geschäfte sind beunruhigt. „Nach all dem, was hier passiert ist, bin ich sehr froh, dass ich immer meine Hunde im Laden habe“, erklärte Liane Hirschhofen, die in einem Blumengeschäft arbeitet. Der Filialleiter eines Supermarktes in der Nähe des vierfachen Tatortes hat eine Erklärung für die Häufung der Überfälle: „Jeder weiß, dass der Laden abends nur von einer Mitarbeiterin besetzt ist, sodass die Täter leichtes Spiel haben“, berichtet der Mann. In seinem Geschäft achte er darauf, dass in den Stunden vor Geschäftsschluss nur Männer arbeiteten.

Die Drogeriekette hat inzwischen auch auf die Überfallserie reagiert. „Aus Sicherheitsgründen schließen wir jetzt um 19 Uhr, eine halbe Stunde früher als bislang“, sagte die Kassiererin. Für mehr Sicherheit sorge die Entscheidung allerdings nicht. „Schließlich wird es schon um 17 Uhr dunkel.“ Eine Mitarbeiterin der Filiale, die zwei Überfälle miterlebt hatte, konnte dem Druck, der auf ihr lastete, offenbar nicht mehr Stand halten. Nach Informationen dieser Zeitung ist sie in eine andere Zweigstelle versetzt worden. In einer Stellungnahme beteuert das Unternehmen ausdrücklich, sich nach Überfällen um die Opfer zu kümmern. Sie würden „im Rahmen der betrieblichen Erstversorgung unterstützt, sowie – wenn erforderlich – zu einem Arzt begleitet“, hieß es von Schlecker.

Es ist nicht die erste Überfallserie auf Schleckermärkte, mit denen es die Polizei in Hannover zu tun hat. Im Februar nahmen die Beamten einen 28-Jährigen fest, der elf Überfälle auf Schleckermärkte gestand. Die Polizei stufte die Sicherheitsvorkehrungen in den Läden damals als gering ein.

Felix Harbart 09.11.2010
Conrad von Meding 09.11.2010