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Aus der Stadt Mittwoch beginnt der Ansturm auf Kita-Notplätze
Hannover Aus der Stadt Mittwoch beginnt der Ansturm auf Kita-Notplätze
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21:06 05.05.2015
Von Andreas Schinkel
Die Stadtverwaltung hat mit Verdi vereinbart, 370 Plätze in Notgruppen anzubieten. Quelle: dpa
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Hannover

Der Kita-Streik rückt näher. Am Mittwoch wird die Gewerkschaft Verdi das Ergebnis ihrer Urabstimmung bekannt geben. Es gilt als sicher, dass sich eine Mehrheit der befragten Erzieher und Sozialarbeiter für eine unbefristete Arbeitsniederlegung entscheidet. Der Streik könnte bereits in zwei Tagen, am Freitag, beginnen und dürfte zunächst bis zum Himmelfahrtstag dauern. In Hannover sind alle 40 städtischen Krippen, Kindergärten und Horte betroffen.

Die Stadtverwaltung hat jedoch mit Verdi vereinbart, 370 Plätze in Notgruppen anzubieten. So können rund 10 Prozent der Kinder während des Streiks betreut werden - und etwa berufstätige Eltern ohne Einschränkungen zur Arbeit gehen. Die Stadt ist stolz, dass deutlich mehr Plätze zur Verfügung stehen als beim Streik vor sechs Jahren. Damals waren es nur 220 Plätze, auf die sich Stadt und Verdi geeinigt hatten. Die Kommunen in Hannovers Umland warten mit anderen Zahlen auf. In der Wedemark werden allein 150 Plätze in Notgruppen angeboten, in Neustadt kommen ebenfalls 150 Kinder unter. In Hannover können sich Eltern am Mittwoch um Plätze in den Notgruppen bewerben.

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Alleinerziehende Berufstätige haben Vorrang

Die Notdienst-Kitas befinden sich meist in Vierteln, in denen es viele städtische Einrichtungen gibt, etwa in Bothfeld, Hainholz und Misburg. „Damit wollen wir eine räumliche Nähe sicherstellen“, sagt Stadtsprecherin Konstanze Kalmus. Unklar ist bisher, ob die Stadt für bestreikte Gruppen die Kita-Gebühren an die Eltern erstattet.

Service

Fragen an die Stadt können Eltern unter (0511) 1683 6225 und 1684 6321 stellen.

Alle Eltern, die an einem Platz in Notgruppen interessiert sind, müssen sich am Mittwoch bei der Leitung ihrer Stamm-Kita melden. „Am Donnerstag gibt es eine Rückmeldung“, sagt Kalmus. Da von rund 3700 Kindern nur 370 einen Platz bekommen werden, muss die Stadt aller Voraussicht nach selektieren. Erste Priorität wird alleinerziehenden Berufstätigen eingeräumt. Auch Alleinerziehende, die derzeit eine Ausbildung absolvieren, stehen weit oben auf der Liste. Zudem haben Mütter und Väter eine Chance, die Langzeitarbeitslosengeld (Hartz IV) empfangen. Alle Eltern werden am Mittwoch von den Kita-Leitern über den bevorstehenden Ausstand in Kenntnis gesetzt - sobald das Ergebnis vorliegt.

In den vergangenen Tagen waren alle Verdi-Mitglieder in Kitas und Ämtern der Stadt aufgerufen, ihre Stimme abzugeben. In größeren Einrichtungen ließ Verdi eine Wahlurne aufstellen, in kleineren Behörden wurde eine Box herumgereicht. Auf einem Stimmzettel konnten die Erzieher und Sozialarbeiter für oder gegen den Ausstand ihr Kreuzchen machen. Um 18 Uhr war die Abstimmung offiziell beendet. Über Nacht sollte ausgezählt werden.

Mehrere Verhandlungsrunden zwischen den Tarifparteien waren zuvor gescheitert. Die Arbeitgeber werfen Verdi vor, es von Anfang an auf einen Streik abgesehen zu haben. Verdi wolle verhindern, dass sich Mitglieder abwenden. Die Gewerkschaft wiederum beharrt darauf, dass es nicht nur um ein paar Lohnprozente gehe, sondern um die Aufwertung der sozialen Berufe.

Weitere Behörden vom Streik betroffen

Die Gewerkschaft Verdi ruft nicht nur Erzieher zum Streik auf. Auch für andere soziale Berufe, etwa Sozialarbeiter, Sozialpädagogen und Kinderpfleger will Verdi höhere Tarife aushandeln. Daher sind voraussichtlich ab Freitag, 8. Mai, nicht nur Kindergärten, Krippen und Horte vom Ausstand betroffen. In folgenden Behörden müssen sich die Hannoveraner auf einen eingeschränkten Betrieb einstellen:

  • Clearingstelle: Die sogenannte Inobhutnahme von Jugendlichen, die vor ihren Familien fliehen, wird während des Streiks nicht eingestellt. Mit einer Notbesetzung bleibt die Einrichtung rund um die Uhr geöffnet. Telefonisch ist sie unter der Nummer 16 84 99 44 erreichbar.
  • Kommunaler Sozialdienst: Für Notfälle sind Mitarbeiter unter der Telefonnummer 16 84 31 02 erreichbar.
  • Familienservicebüro: Das Büro ist ganztätig am Dienstag und Donnerstag geöffnet.
  • Unterkunft Bed-by-Night: Eine Notbesetzung sorgt dafür, dass rund um die Uhr Jugendliche betreut werden.
  • Offene Kinder- und Jugendarbeit in Jugendzentren, Freizeitheimen und im Stadtteilzentrum Krokus: Ausgenommen sind die Einrichtungen in Otterndorf, Kirchheim und Wennigsen.
  • Jugend- und Familienberatung
  • Beratungsstellen des Kommunalen Seniorenservices
  • Tagespflegeeinrichtung der Berufsfeuerwehr Hannover
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